Von der Nuss in den Alpstein

Die Zubringerseilbahn des Berggasthauses Staubern soll ersetzt werden. Die Transportkapazität wird von 35 auf 71 Personen pro Stunde verdoppelt. An der Talstation wird eine hölzerne Walnuss Gästen als Warteraum dienen.

Corinne Hanselmann
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Eine Talstation mit Photovoltaik-Panels und eine hölzerne Nuss als Warteraum. Sie gehört zum Projekt der neuen Staubernbahn, die ab Frühling 2016 gebaut werden soll. (Bild: Visualisierung: pd)

Eine Talstation mit Photovoltaik-Panels und eine hölzerne Nuss als Warteraum. Sie gehört zum Projekt der neuen Staubernbahn, die ab Frühling 2016 gebaut werden soll. (Bild: Visualisierung: pd)

ALPSTEIN. Der Alpstein ist ein äusserst beliebtes Wandergebiet und verfügt nebst den drei Bergseen, den 27 Berggasthäusern und den sechs Luftseilbahnen über das dichteste Wanderwegnetz der Schweiz. «Ich sehe unsere Bahn als wichtigen Bestandteil zur Erschliessung des Alpsteins», sagt Daniel Lüchinger, der zusammen mit seiner Frau seit 20 Jahren das Berggasthaus Staubern und die dazugehörige Seilbahn Frümsen–Staubern bewirtschaftet. Als sich Gesetze änderten, musste 2001 die ursprünglich auf den Materialtransport ausgerichtete Bahn umgerüstet werden, um für den öffentlichen Personentransport zugelassen zu werden. Seither konnte die Bahn 35 Personen pro Stunde transportieren. Bald einmal würden umfangreiche Sanierungen anstehen, erklärt Lüchinger. Deshalb wurde vor über einem Jahr entschieden, einen Neubau der Bahn anzupacken.

Die Vorarbeiten, die nötig sind, bis ein Baugesuch für eine Seilbahn mit Berg- und Talstation eingereicht werden kann, sind enorm aufwendig. So müssen beispielsweise Gutachten für Windverhältnisse, Geologie, Umwelt, Lawinengefährdung und so weiter erstellt werden. Die Planung der Seilbahn sowie der neuen Stationen übernahm die Bartholet Maschinenbau AG in Flums.

Kein Versorgungsunterbruch

Damit kein Betriebsunterbruch entsteht, wird die neue Anlage versetzt zur alten gebaut. Deshalb müssen 1935 m2 Wald, im Besitz der Ortsgemeinde Frümsen, gerodet werden. Das Gesuch dafür liegt bis 10. Dezember bei der Gemeinde Sennwald auf. Wird die Bewilligung für Rodung und Bau wie erhofft im kommenden Winter erteilt, soll im Frühling angefangen werden. Nach Inbetriebnahme der neuen Bahn, welche für 2017 vorgesehen ist, wird die alte samt Stationen rückgebaut und in der Schneise eine Ersatzaufforstung gemacht.

Das Berggasthaus Staubern bietet nebst dem Restaurant auch Übernachtungsmöglichkeiten. Die anfallende Wäsche werde im Tal gereinigt, da auf dem Berg sparsam mit dem Wasser umgegangen werden muss. Die Seilbahn dient somit nicht nur dem Personentransport, sondern auch zur Versorgung des Gasthauses.

Die neuen Bahnkabinen werden grösser sein, fassen acht statt wie bisher sechs Personen und, zur Erleichterung Lüchingers, können endlich auch Europaletten eingeladen werden. «Bisher mussten immer alle Lebensmittel von Hand umgeladen werden», so der Bergwirt. Auch für die Frümsner Alp und für das Lawinenverbauungsprojekt wird regelmässig Material transportiert. Im Herbst wird jeweils Wild-Buffet angeboten, im Dezember finden Weihnachtsessen statt. Es war bisher jeweils beinahe eine logistische Meisterleistung, bis alle Gäste auf dem Berg und wieder im Tal waren. «Mit der künftigen Kapazität von 71 Personen pro Stunde schaffen wir das in einer vernünftigen Zeit», so der Betreiber.

Nur halb so viele Masten nötig

Der Transport von gehbehinderten Personen mit Rollstuhl ist bisher zwar möglich, aber mühsam. Mit der neuen Bahn und einem zusätzlichen Treppenlift wird auch dies einfacher werden.

Die neue Pendelbahn wird anders als die alte mit einem Zweiseilsystem gebaut. Ein Seil dient als Tragseil, das andere als Zugseil. Dadurch sind auf der Strecke weniger Masten nötig. Aktuell sind es sieben, neu werden es noch drei sein. Dies freue die Umweltverbände, da weniger in die Natur eingegriffen wird.

Neue Parkplätze mit Strom

Wer schon mal an einem Wochenende bei typischem «Wanderwetter» auf die Staubernbahn wollte und mit dem Auto anreiste, kennt das Problem: Die Parkplätze sind schnell besetzt. Etwas Abhilfe schaffen sollen zehn zusätzliche Plätze, die mit dem Neubauprojekt realisiert werden. «Sie werden mit Strom-anschlüssen ausgerüstet, damit Elektrofahrzeuge während des Ausflugs in die Berge getankt werden können», so der umweltbewusste Lüchinger, der selbst begeisterter Tesla-Fahrer ist.

«Muss aussehen wie eine Nuss»

Wichtig ist ihm zudem, dass alle Talstationen der Alpstein-Bergbahnen gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. «Die Bushaltestelle bei der Zufahrt zu unserer Talstation wird in <Frümsen Staubern> umbenannt», freut er sich.

An den Ortseingängen von Frümsen stehen seit einigen Jahren aus Holz gestaltete Nüsse, die Besucher im «Nussdorf» willkommen heissen. Das brachte Lüchinger auf eine weitere besondere Idee: Direkt bei der Talstation möchte er eine hölzerne Walnuss als Warteraum für die Gäste realisieren. Wer das umsetzen kann und wird, weiss er noch nicht. «Wir schreiben das Projekt dann aus, und der beste Fachmann darf sich ans Werk machen». Lüchingers Forderung: Es muss innen wie aussen aussehen wie eine echte Walnuss. Er möchte damit ein Wahrzeichen für Frümsen schaffen. Zuerst müssen aber Berg- und Talstation gebaut werden.

Investition von fünf Millionen

Judith und Daniel Lüchinger haben vier Kinder, die allesamt Berufe rund ums Gastgewerbe gelernt haben. Einer Übernahme durch die nächste Generation steht also nichts im Weg. Der geplante Neubau ist somit auch eine Investition in die Zukunft des Familienbetriebs. Alles in allem werde das Projekt, das von der Familie Lüchinger getragen wird, rund fünf Millionen kosten.

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