Von der Gasse ins Schaufenster

Die Kauf AG aus Ebnat-Kappel feiert diesen Herbst ihr 111-Jahr-Jubiläum. Die Firma, ein traditioneller Familienbetrieb, ist der Geschäftsidee von einst stets treu geblieben: Herrenhemden von Qualität herzustellen. 170 Mitarbeiter versorgen den Markt heute mit Bewährtem und Innovationen.

Armando Bianco/Pd
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Halten die Erfolgsgeschichte im Herzen des Toggenburgs aufrecht: Michael und Gaby Kauf sind Firmeninhaber und Geschäftsleitung der Kauf AG in Ebnat-Kappel mit 170 Angestellten. (Bilder: pd)

Halten die Erfolgsgeschichte im Herzen des Toggenburgs aufrecht: Michael und Gaby Kauf sind Firmeninhaber und Geschäftsleitung der Kauf AG in Ebnat-Kappel mit 170 Angestellten. (Bilder: pd)

EBNAT-KAPPEL. «Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande», sagte einst Johann Wolfgang von Goethe. Das Herrenhemd, wertig produziert und richtig getragen, hat in den letzten Jahrzehnten seinen Platz in Kleiderschränken und Alltag erobert. Ein Hemd muss nicht zwingend Eleganz ausdrücken, die Wirkung dieses Kleidungsstücks reicht von betonter Lässigkeit bis hin zur rustikalen Nüchternheit – entscheidend sind immer das Modell, der Charakter des Besitzers und die Absicht, welche ein Hemd vermitteln soll.

Zeit und Optik im Gleichschritt

Ein Hemd kann des Besitzers Befinden, Status und Gefühle ausdrücken. Manschette und Kragen sind wichtige stilistische Merkmale dieses Kleidungsstücks, Farbe, Form und Stoff die Frage der Optik und des Komforts. Ein wesentliches Stilmerkmal des modernen Herrenhemds ist der Hemdkragen. Waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch Stehkragen in Mode, trägt die Männerwelt seit nunmehr gut 100 Jahren zumeist Hemden mit Umlegekragen in zahlreichen Variationen. Darüber hinaus unterscheiden sich Hemdkragen «in Bezug auf den Winkel zwischen den Kragenspitzen und gegebenenfalls die Anzahl der Knöpfe», beschreibt ein Modeblog die fachlichen Überlegungen dahinter.

Schnitt, Form, Tasche

Das Wort «Hemd» stammt von dem althochdeutschen «Hemedi» ab, was sozusagen Haut bedeutet. Im Mittelalter waren Hemden mit austauschbaren Krägen versehen und wurden zumeist als Unterhemden verwendet. Im 18. Jahrhundert wurden Hemden erstmals auch als Oberhemden getragen und zum Anfang des 20. Jahrhunderts traten Hemden dann schliesslich zum ersten Mal in der heute bekannten Form mit Knöpfen entlang der kompletten Vorderseite in Erscheinung.

Das Hemd mit festem Kragen etablierte sich und dominiert bis heute den Markt. Mit einer rückläufigen Verbreitung der Weste unter dem Anzug kam in den 60er-Jahren die Hemdtasche als Ausstattungsdetail dazu und wird seitdem in unterschiedlichsten Schnittformen verwendet.

Nachfrage bringt Wachstum

Das Toggenburger Traditionsunternehmen Kauf AG besteht seit 111 Jahren. Überzeugt hat das Unternehmen immer wieder mit neuen Innovationen, die später von anderen Firmen übernommen wurde. Im Jahr 1904 mietete Jacob Kauf in Wangen bei Olten eine Liegenschaft, seine Ehefrau Wilhelmine Kauf-Frey beschäftigte zwei Näherinnen und begann Schürzen zu verkaufen.

Bereits 1913 begann man die ersten Herrenhemden zu produzieren und die Belegschaft wuchs rasch. Der Grundstein für das Traditionsunternehmen war gelegt. Mehr als 30 Jahre später erfolgte der Umzug ins Toggenburg, dort wurde die Produktion mit Erfolg ausgebaut. Frauen standen bei der Kauf AG meist im Mittelpunkt. Als Nachfolgerin führte Anna Kauf-Ruf bis 1965 als Produktionschefin das Unternehmen – gemeinsam mit Otto Kauf-Ruf. Die Brüder Peter und Urs leiteten die Firma bis 1992, seither stehen Michael und Gaby Kauf an der Spitze.

Einzigartige Kleinigkeiten

«Viele Herrenhemden werden noch heute von Frauen gekauft. Und diese achten besonders auf die Qualität und die Langlebigkeit», sagt Gaby Kauf, Chefdesignerin der Traditionsmarke. Es sind wichtige Kleinigkeiten, die ein Hemd einzigartig machen. Da blitzen beispielsweise aus dem Kragen oder der Leiste frische Farben sowie Muster hervor. Mit sechs Stichen pro Zentimeter Naht garantiert man ein hohes Mass an Qualität.

«Die Optik der Hemden ist denjenigen Männern zuträglich, die gerne einen schlichten Anzug oder eine klassische Jeans und Jacke tragen – und dazu ein Hemd. Klassische Schnitte und Farben mischen sich mit modernen Designs und aussergewöhnlichen Kleinigkeiten», sagt Geschäftsführer Michael Kauf.

Die Firmengründer Wilhelmine und Otto Kauf.

Die Firmengründer Wilhelmine und Otto Kauf.

Blick in die einstige Produktion, hier befindet sich nun der Factory-Shop.

Blick in die einstige Produktion, hier befindet sich nun der Factory-Shop.

Die Gründungsfamilie Kauf.

Die Gründungsfamilie Kauf.

Konfektionierung in Ebnat-Kappel.

Konfektionierung in Ebnat-Kappel.

Hochbetrieb in einem Nähsaal vor rund 90 Jahren.

Hochbetrieb in einem Nähsaal vor rund 90 Jahren.

Der erste Umsatz 1904.

Der erste Umsatz 1904.