Von der Emaillepfanne zum modernen Herstellungsverfahren

EBNAT-KAPPEL. Vor 80 Jahren wurde die Firma Biokosma gegründet. Die Marke hat den Kosmetikmarkt erobert, und die in Ebnat-Kappel hergestellten Produkte sind weit über den einheimischen Naturkosmetikmarkt hinaus ein Begriff.

Adi Lippuner
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So sieht Biokosma heute aus.

So sieht Biokosma heute aus.

EBNAT-KAPPEL. Vor 80 Jahren wurde die Firma Biokosma gegründet. Die Marke hat den Kosmetikmarkt erobert, und die in Ebnat-Kappel hergestellten Produkte sind weit über den einheimischen Naturkosmetikmarkt hinaus ein Begriff.

Die Firmengeschichte über den Pionier der Reformbewegung, Rudolf Müller, liest sich wie ein Weihnachtsmärchen: Am Rennweg in Zürich wurde schon 1929 das erste Reformhaus der Schweiz eröffnet. Der Gründer, Rudolf Müller, heilte sich, dank «neuzeitlicher Ernährung», wie das vegetarische Essen damals genannt wurde, von einer schweren Krankheit.

Vom überzeugten Vegetarier Rudolf Müller gegründet und seit 1945 in Ebnat-Kappel hergestellt, ist Biokosma heute ein vielgefragtes Kosmetikprodukt.

Vom überzeugten Vegetarier Rudolf Müller gegründet und seit 1945 in Ebnat-Kappel hergestellt, ist Biokosma heute ein vielgefragtes Kosmetikprodukt.

Zitrone erobert Zürcherinnen

1935 legte der Pionier dann den Grundstein für die Biokosma AG. Rudolf Müller wollte seiner Kundschaft nicht nur gesunde Ernährung, sondern auch natürlich hergestellte Kosmetikprodukte anbieten. Unvergessen das allererste Produkt: Eine Zitronengesichtscreme, die schon bald die Herzen der Zürcherinnen eroberte.

Bald stiess Max Steidle zum jungen Unternehmen. Nach Kriegsende, also im Jahr 1945, übernahm er die Firma, und die Produktion wurde nach Ebnat-Kappel, in die Gebäude einer ehemaligen Stickerei verlegt. «Damals wurde in Emaillepfannen über Gasbrennern produziert», ist in der Firmengeschichte festgehalten. «Im Wissen um die Kraft der Natur wurde von Anfang an auf den Einsatz von Paraffinölen verzichtet», so das Credo des Unternehmens.

Ein Schwenk in die heutige Zeit beweist: Aus Erdölderivaten hergestellte Kosmetikprodukte stehen immer wieder in der Kritik, denn diese verstopfen die Poren und trockenen die Haut aus. Mit dem heute vorhandenen Wissen und dem Blick auf die vor 80 Jahren begonnene Erfolgsgeschichte, waren Rudolf Müller und Max Steidle weitsichtige Pioniere in der Kosmetikbranche. Der Erfolg der Produkte verlangte schon bald nach mehr Platz, die vorhandenen Räumlichkeiten wurden mehrmals erweitert. Im Jahr 1979 konnte ein Neubau – auch da wieder weitsichtig geplant mit Sonnenkollektoren und Wärmepumpen – bezogen werden.

Verzicht auf Tierversuche

Was der damalige Pionier der Schweizer Naturkosmetik lancierte, hat bis heute in der Firmengeschichte einen hohen Stellenwert. Aluminiumtuben, Moschusverbindungen und Parabene sind absolut tabu. Letztere stehen immer wieder in der Kritik, weil ihre antimikrobielle und fungizide Wirkung mit der Auslösung von Allergien in Verbindung gebracht wird.

Pionier waren die Naturkosmetikhersteller aus Ebnat-Kappel auch bezüglich der umfassenden Produktedeklaration: Bereits seit 1992 können die Konsumentinnen auf jeder Verpackung genau nachlesen, welche Inhaltsstoffe verwendet werden. Gesetzlich vorgeschrieben ist die umfassende Deklaration erst seit 1998. Und dass von Anfang an auf Tierversuche verzichtet wurde, ist bei der Gründung des Unternehmens durch einen überzeugten Vegetarier nur naheliegend. Für die Entwicklung neuer Produkte ist der Standort im Toggenburg, also mitten in einer intakten Bergwelt, wichtig, wie von Seiten der Verantwortlichen betont wird. «Wir knüpfen damit an die erfolgreiche Zeit des Wirkens von Max Steidle an und nehmen uns auch heute die Natur zum Vorbild.»

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Einheimische Pflanzen

Hanspeter Steidle, der Sohn des Firmenmitbegründers, lässt sich in der schriftlich festgehaltenen Firmengeschichte wie folgt zitieren: «In der Naturkosmetik muss die Entwicklung stetig weitergehen.» Weitergegangen ist auch die Firmengeschichte. Neue Produkte, die Verbesserung bestehender Linien, aber auch der Verkauf an die Melisana, ein Unternehmen der Klosterfrau-Gruppe, prägen die Firmengeschichte. Und was steckt nun in den vielgelobten Produkten «Made in Ebnat-Kappel»? Von A wie Apfel und Aprikosen bis Brennnesseln, Gurken, Hirtentäschchen, Honig und Rosskastanien bis Z wie Zitronenmelisse gibt die Natur Kostbarkeiten her, welche vor Ort zu hochstehender Naturkosmetik verarbeitet werden.

Legende (Bild:)

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Seit 1945 werden Biokosma-Produkte in Ebnat-Kappel hergestellt. Das Bild zeigt das Labor aus den Anfangszeiten, als Max Steidle die Firma übernahm. (Bild: pd)

Seit 1945 werden Biokosma-Produkte in Ebnat-Kappel hergestellt. Das Bild zeigt das Labor aus den Anfangszeiten, als Max Steidle die Firma übernahm. (Bild: pd)