Von der Backstube an die Fashion Week

Das Appenzellerland ist dieses Jahr an der Fashion Week Paris vertreten: Evelyne Koch aus Weissbad arbeitet dort ab heute während einer Woche für verschiedene Modelabels als Make-up Artist, was einem beruflichen Ritterschlag gleichkommt.

Rosalie Manser
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«Zwanzig Minuten reichen für mein Make-up, manchmal erledige ich die <Feinarbeit> im Zug nach Zürich» – Visagistin Evelyne Koch. (Bild: rom)

«Zwanzig Minuten reichen für mein Make-up, manchmal erledige ich die <Feinarbeit> im Zug nach Zürich» – Visagistin Evelyne Koch. (Bild: rom)

WEISSBAD. Verzierte und garnierte Evelyne Koch während sechs Jahren die Gesichter von Schokoladen-Osterhasen, sind es heute die Gesichter von Models oder Kundinnen und Kunden ihres Zürcher Arbeitgebers, die unter ihren Händen herausgeputzt werden. Die 26-Jährige aus Weissbad ist ausgebildete Visagistin. Doch dieser Beruf war keineswegs ein Kindheitstraum. «Ich wusste lange Zeit nicht, was ich lernen soll», sagt Evelyne Koch. Geliebäugelt habe sie mit dem Vorkurs an der Kunstgewerbeschule. Zweimal sei sie an einem entsprechenden Infoabend gewesen. «Aber ich dachte dann, dass ich zu wenig kreativ und meine schulischen Leistungen zu schwach dafür sind», blickt Koch zurück.

Dank einer Laufbahnberaterin entdeckte sie den Beruf des Konditor Confiseur für sich. Nach dem Lehrabschluss blieb sie ihrem Lehrbetrieb während drei Jahren treu und leitete die Confiserie. Als sie nach einem Auslandaufenthalt in Kalifornien wieder zurück in Appenzell an ihrem Arbeitsplatz war, suchte sie nach einer beruflichen Herausforderung, bei der sie ihre Kreativität noch mehr ausleben konnte.

Da sie sich auch direkten Kundenkontakt wünschte, entschloss sich Evelyne Koch nach reiflicher Überlegung zu einem Branchenwechsel. «Auf der Suche nach meinem neuen Beruf besann ich mich auf meine Hobbies, ich modelliere und male gerne abstrakte Bilder. Schliesslich absolvierte ich die Ausbildung zur Visagistin im aargauischen Dintikon», beschreibt Evelyne Koch ihren Weg zur beruflichen Neuorientierung.

Lange Tage, viel Motivation

Viele Visagistinnen sind nach ihrer Ausbildung vergeblich auf der Suche nach einem Job in der Branche. «Vollzeitstellen als Make-up Artist sind in der Schweiz dünn gesät. Ich hatte deshalb riesiges Glück, dass ich nur vier Monate nach meinem Abschluss bereits einen Job bei einer renommierten, international tätigen Kosmetikfirma erhielt», sagt Evelyne Koch.

Da ihr Freund in Chur studiert, wohnt das Paar in St. Gallen, und so pendelt die 26-Jährige täglich zwischen ihrer Wohnung und ihrem Arbeitsort Zürich. Die Arbeitstage sind lang. Umso mehr ist die Begeisterung für ihre Tätigkeit im Gespräch mit der jungen Visagistin spürbar. «In unserem Beruf hat man nie ausgelernt. Durch die verschiedenen Modeströmungen, verändern sich auch die Make-up-Trends alle paar Monate.» Da gelte es, die eigene Kreativität immer wieder unter Beweis zu stellen. Aber auch die tägliche Arbeit, sei es nun bei der Beratung oder beim Schminken der Kundinnen und Kunden, findet sie nach wie vor spannend.

Anderer Ton als in Backstube

«In der Anfangszeit als Visagistin musste ich meine Umgangsformen aber ziemlich anpassen. In der Kosmetikbranche mit direktem Kontakt zu den Kundinnen und Kunden wird ein anderer Ton angeschlagen als in einer Backstube», hält Evelyne Koch lachend fest. Sie dürfe Teil eines harmonierenden, aufgestellten Teams sein. «Zickereien sind bei uns keineswegs an der Tagesordnung», betont sie. Besonders bemerkenswert ist diese Tatsache, wenn man weiss, mit welch harten Bandagen teils um Jobs an grossen Events gekämpft wird. Da braucht es Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und einen Hang zum Perfektionismus, um in dieser Branche nicht unterzugehen. Charakterzüge, die Evelyne Koch durchaus ihr eigen nennt.

Eiltempo auf der Karriereleiter

Die Weissbädlerin hat sich schnell im neuen Metier eingelebt und scheint besonders talentiert zu sein, denn nach nur drei Jahren Berufspraxis hat sie Ende Februar die grosse Chance, als Make-up Artist an der Fashion Week in Paris im Einsatz zu stehen. Wie ihre Tage während der Fashion Week aussehen werden, weiss Evelyne Koch nicht konkret. «Ich weiss nur so viel, dass wir täglich über unsere Einsätze informiert werden. Während dieser Briefings erfahren wir jeweils, für welchen Designer wir schminken und was die jeweilige Botschaft sein soll, die mit der Mode und nicht zuletzt auch mit dem Make-up vermittelt werden soll.»

Für welche Modelabels sie arbeiten wird, weiss Evelyne Koch noch nicht. Für die begeisterte Guggenmusikerin ist dieser Auftrag auf jeden Fall ein grosses berufliches Sprungbrett. Dafür lässt sie sogar die Appenzeller Fasnacht sausen. «Und das will was heissen», fügt das treue Mitglied der «Emil's Gugge» lachend an.

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