Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Von Büschen und Brunnen

Woher stammen die typischen Toggenburger Familiennamen? Wie kamen sie zustande, was bedeuten sie und worüber geben sie Auskunft? Ein sprachhistorischer Überblick von A wie Abderhalden bis H wie Hollenstein (1. Teil).
Serge Hediger
Jörg Abderhalden, dreifacher Schwingerkönig, ist heimatberechtigt in Wildhaus-Unterwasser und Nesslau. (Bild: ky)

Jörg Abderhalden, dreifacher Schwingerkönig, ist heimatberechtigt in Wildhaus-Unterwasser und Nesslau. (Bild: ky)

REGION. Familiennamen bezeichnen mehr als nur blutsverwandte Personen. Sie geben auch Auskunft über die Berufe der Vorfahren (zum Beispiel Müller), über ihren Wohnort (Abderhalden), ihre Herkunft (Zürcher), ihr Aussehen (Gross) und andere besondere Merkmale oder über den Rufnamen des Vaters einer Person (Friedrich).

Die nachfolgenden Herkunftsangaben zu den typischen Toggenburger Nachnamen stammen aus den provisorisch erstellten Artikeln für ein Lexikon aller alten Deutschschweizer Familiennamen, an dem der Germanist Martin H. Graf, Redaktor am Schweizerischen Idiotikon, zusammen mit einer Kollegin von der Universität Zürich in seiner Freizeit arbeitet.

Abderhalden. Abderhalden ist ein sogenannter Wohnstättenname. Er steht für eine Person, die von einer Halde herkam, also am Abhang eines Hügels oder Berges zu Hause war. Im Kanton St. Gallen sind Abderhaldens in zahlreichen Gemeinden alt eingesessen.

Bleiker. Dieser Familienname ist besonders im Toggenburg verbreitet. Er geht entweder auf den Ausdruck Bleiker für Bleicher (jemand, der Leinwand bleicht) zurück oder verweist auf einen der häufigen Flurnamen Bleichi oder Bleiki als Ort, wo Leinwand gebleicht wird.

Bolt. Der Nachname Bolt (andere Schreibweise: Bold) ist in mehreren St. Galler Gemeinden alt eingesessen. Er entstand aus der Kurzform von Namen, die auf -bold oder -bolt ausgehen, wie Diebold/t oder Reinbold/t. Diese wiederum beruhen entweder auf dem althochdeutschen Begriff bald, was «kühn, mutig, tapfer» bedeutet, oder auf dem althochdeutschen waltan für «herrschen, mächtig sein».

Bösch. Die schweizerdeutschen Ausdrücke Bosch – häufig auch Bösch, Pösche(n) – stehen für «Strauch, Busch». Somit wird mit diesem Wohnstättennamen, der im Kanton St. Gallen für mehrere Gemeinden alt verbürgt ist, eine Person bezeichnet, die bei einem auffälligen Buschwerk wohnhaft ist.

Brunner. Der Nachname Brunner beruht auf dem mittelhochdeutschen Ausdruck brunne für «Quelle, Quellwasser; Brunnen» und bedeutet «bei einer Quelle, einem Brunnen wohnhaft».

Bürge. Personen mit diesem Nachnamen sind schon vor 1800 in den Toggenburger Gemeinden Bütschwil, Kirchberg und Mosnang verbürgt. Der Familienname, der in zahlreichen Varianten vorkommt (Bürgi, Bürgin usw.), stellt nach Ansicht der Forscher einen Vaternamen und seine Verkleinerungsformen dar, die zum Rufnamen Burkhard gebildet sind.

Forrer. Wer Forrer heisst, der hat seinen Wohnort in oder bei einem Föhrenwald, zumal dieser Nachnahme vom mitteldeutschen Wort vorhe für «Föhre» oder den schweizerdeutschen Begriffen Forch, Fore für «Föhre, Kiefer, auch Zwergföhre» abgeleitet ist.

Grob. Der Nachname Grob gilt im Kanton St. Gallen an mehreren Orten als alt eingesessen. Er bezeichnete als Übername zum mittelhochdeutschen grop, grob für «unfein, ungebildet» – im älteren Schweizerdeutschen auch «ungeschickt, bäurisch, unflätig» bedeutend – eine Person, der diese Eigenschaften nachgesagt wurden.

Hälg. Personen mit diesem Familiennamen besassen bereits vor 1800 beispielsweise in Flawil, Mosnang oder Oberbüren das Bürgerrecht. Hälg leitet sich ab aus dem mittelhochdeutschen Wort heilec für «heilig», das früh zu Helg für «Heiligenbild» lexikalisiert wurde. Es dürfte sich bei Hälg und der Variante Helg um einen Heiligenbildmaler handeln. Denkbar ist auch, dass damit eine fromme, möglicherweise bigotte Person benannt wurde.

Häne. Der Name Häne hat seinen Ursprung in Kirchberg. Die Varianten Hänni, Hähni, Hani oder Hänny stammen hingegen vor allem aus dem Kanton Bern. Es dürfte sich bei all diesen Namen um eine Kurz- oder Koseform des Vaternamens Johannes «Jahwe ist gnädig» handeln.

Hollenstein, Holenstein. Der Namentyp Holenstein bezieht sich auf eine höhlenahnliche Vertiefung im Gelände und ist in der ganzen Deutschschweiz verbreitet. Für die Herkunft des Familiennamens sind aber besonders die Holenstein-Örtlichkeiten im Raum Hinterthurgau/Toggenburg/Fürstenland von Bedeutung, vor allem der Hof Holenstein in der Gemeinde Mosnang, wo der Name Hollenstein bereits vor 1800 als Geschlecht belegt ist.

Der 2. Teil mit typischen Toggenburger Familiennamen vom Buchstaben L wie Looser bis zum S wie Suter folgt in einer späteren Ausgabe.

Der Gemeindepräsident von Kirchberg, Christoph Häne, nennt seinen Arbeitsort auch Heimatort. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der Gemeindepräsident von Kirchberg, Christoph Häne, nennt seinen Arbeitsort auch Heimatort. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Hemberg ist der Heimatort von Toni Brunner, Nationalrat und langjähriger SVP-Parteipräsident. (Bild: Michel Canonica)

Hemberg ist der Heimatort von Toni Brunner, Nationalrat und langjähriger SVP-Parteipräsident. (Bild: Michel Canonica)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.