Von «Big Brother» zum Surrealen

Für das portugiesische Fernsehen hat er früher «Big Brother» produziert. Davon hat er genug. Artur de Sousa hat sich ganz auf die Malerei verlegt. In Lichtensteig malt er seit zwei Jahren – bisher im Verborgenen. An den Kunsttagen stellt er erstmals aus. Heute abend ist Vernissage.

Hansruedi Kugler
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Artur de Sousa vor dem grotesken Gemälde «Dame mit Katze», das zusammen mit einem Dutzend anderen Werken in der Kalberhalle hängt. (Bild: Hansruedi Kugler)

Artur de Sousa vor dem grotesken Gemälde «Dame mit Katze», das zusammen mit einem Dutzend anderen Werken in der Kalberhalle hängt. (Bild: Hansruedi Kugler)

LICHTENSTEIG. Der Gegensatz könnte nicht grösser sein: Nach ein paar Jahren PR-Filmerei in Macau und China sowie sechs Jahren Regie beim portugiesischen «Big Brother» musste ein Wechsel her. «Die technische Herausforderung bei <Big Brother> war gross, der Inhalt aber leer und langweilig», sagt Artur de Sousa. Nun malt der 49-Jährige surreal, emotional abgründig, zwielichtig – wie beim Gemälde «Dame mit Katze». Es erinnert an Francis Bacons einsame, zerfliessend-verzweifelte Figuren. Artur de Sousa bestätigt: Bacon sei einer seiner Vorbilder – auch er ein Autodidakt, der spät zum Malen gefunden habe, auch er einer, der sich nicht um kunsthistorische Kategorien kümmerte, sondern aus der eigenen Emotion heraus kraftvoll malte und seinen eigenen Weg finden musste. «Dame mit Katze» zeigt in einem streng geometrischen, aber leeren Raum eine in sich versunkene Person – einfarbig rosa, unförmig, ohne klare Gesichtszüge. Eine blosse Hülle, gespenstisch anzusehen. Das Bild ist zwar wegen seiner formalen Nähe zu Francis Bacon nicht typisch für de Sousas Gemälde. Die sind sonst wilder, chaotischer, bunter. Typisch aber ist das Albtraumhafte, Surreale in seinen Landschaften, Märchen, Porträts.

«Hier kann man noch atmen»

Seit drei Jahren lebt und arbeitet Artur de Sousa in Lichtensteig. Hierhin ist er zu seiner Lebenspartnerin gezogen. Als Fernsehproduzent arbeitet er nicht mehr – zu spärlich sind seine Deutschkenntnisse. Neben diversen Gelegenheitsjobs kennt er vor allem eine Tätigkeit: Das Malen. In der kleinen ehemaligen Textilfabrik an der Austrasse in Lichtensteig, einem Schopf, der seit Jahren leer stand, hat er sich ein grosses Atelier einrichten können. Hier drin ist vieles improvisiert: Die Staffelei für seine grossformatigen Gemälde hat de Sousa selbst gezimmert. Aber hier in Lichtensteig fühle er sich «unglaublich wohl», sagt er. Wieder erwähnt er den grösstmöglichen Gegensatz: «Macau hat die grösste Bevölkerungsdichte der Welt, hier im Toggenburg kann man noch atmen. Und es hat neben der Landschaft ein vielfältiges Kultur-Angebot mit Musik, Museen und Theater und dazu noch viele tolle, aufgeschlossene Menschen.» Der Maler ist fast nicht zu bremsen: «Ich bin auch, im Gegensatz zu meiner Partnerin, vom Jodeln total begeistert.»

Zwei Atelierbesuche genügten

Gemalt habe er schon sein seiner Jugend. In allen Wohnungen habe er ein Atelier eingerichtet gehabt, sagt Artur de Sousa. Ausgestellt habe er aber noch nie. Den Kontakt zur Galeristin Mirjam Hadorn hat er selbst hergestellt. Ein paar Male war er an Vernissagen auf dem Goldenen Boden, man kam ins Gespräch und ein Atelierbesuch war die Folge: «Ich sah sofort, dass da einer mit sehr viel Emotion und Energie am Werk ist. Aber beim ersten Besuch waren viele Bilder noch nicht fertig», sagt Mirjam Hadorn. Nach dem zweiten Besuch war ihr dann klar, dass sie ihn an den Kunsttagen ausstellen will. Die grossformatigen Gemälde seien tiefsinnig, grotesk und expressiv.

Vielfältige Motive

Artur de Sousa versammelt mit seinen Bildern eine Reihe von Motiven: Da ist ein lasziv-blutrünstiges «Rotkäppchen und der Wolf», ein abstraktes «Gähnen», ein symbolistisches Landschaftsgemälde mit kniendem, weissem Mann («Spiegel»). Es sind Bilder, die sich nicht gleich auf den ersten Blick erschliessen. Farblich ungestüm und in zerfliessenden Formen sind sie blosse Andeutungen von Symbolik, Ahnungen von Träumen. Die Ausstellung in Lichtensteig soll ein erster Schritt in die weitere Öffentlichkeit sein. Nächstes Jahr möchte er ein Wochenende lang das Atelier öffnen und dieses Jahr bereits hat er Arbeiten für die Ausstellung «Heimspiel» in St. Gallen eingereicht.

Artur de Sousa, Haviva Jacobson: Kunsttage, Kalberhalle Lichtensteig, bis 22. September. Vernissage heute Mittwoch, 18 bis 22 Uhr.