Von Bartgeier über Luchs bis Wolf

Im vielseitig strukturierten Toggenburger Lebensraum fühlen sich zahlreiche Wildtiere wohl. Dies war beim Referat von Wildhüter Urs Büchler in Wort und Bild zu erfahren.

Adi Lippuner
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Adi Lippuner

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Auf Einladung des Vereins Lebenswertes oberstes Toggenburg (LOT) sprach Wildhüter Urs Büchler über «Wildtiere auf der Rückkehr ins Toggenburg – Bereicherung oder Herausforderung für uns Menschen?». In der Propstei Alt St. Johann waren am Freitagabend eindrückliche Bilder einheimischer und zugewanderter Tiere zu sehen und vom Referent viel Wissenswertes über ihre Gewohnheiten und Anforderungen an die Lebensräume zu erfahren.

Da ist einmal der Alpensteinbock: Die majestätischen Tiere werden heute auf Bergwanderungen im Churfirsten- und Alpsteingebiet angetroffen. Dass die Tiere einst ausgerottet und nur dank Schmuggel und Wiederansiedlungsprojekten wieder heimisch wurden, gehe gerne vergessen. «Heute leben im ganzen Alpenbogen rund 40000 Tiere, davon 15000 in der Schweiz, und zwar in Höhenlagen zwischen 2000 und 2500 Metern über Meer», so der Referent. Der Zuwachs beim Steinbock betrage nur elf bis zwölf Prozent, weil viele Kitze den ersten Winter nicht überleben.

Das Gesetz des Stärkeren gilt in der Natur

Am Beispiel des Steinadlers, dort wird bei Bruterfolg in der Regel der stärkere Nachwuchs gefüttert, zeigte Urs Büchler auf, wie das Leben in der Natur funktioniert. «Es gilt immer das Gesetz des Stärkeren. Wer schwach ist, kann nicht überleben oder wird Beute eines grösseren Tiers. Aus Sicht der Menschen mag dies grausam erscheinen, die Natur funktioniert aber so.» Steinadler sind heute im ganzen Churfirsten- und Alpsteingebiet heimisch. Auch der Bartgeier hat sich den Lebensraum zurückerobert und kann in der Region beobachtet werden. Auch Raufusshühner wie das Birkhuhn und der Auerhahn finden in der Toggenburger Landschaft ihre Lebensräume. «Der Auerhahn ist bei uns, als einem der letzten Gebiete der Schweiz, noch heimisch, und deshalb haben wir hier eine besondere Verantwortung», so der Appell des Wildhüters.

Der Rothirsch, die grösste einheimische Säugetierart, war in den 1940er-Jahren ausgestorben, wanderte aber wieder zu. Urs Büchler bezeichnet diese Tierart als «erfolgreichen Rückwanderer, er ist aber nachtragend», wurde erklärt. Konkret: «Sobald die Rothirsche Störungen durch die Jagd spüren, machen sie sich unsichtbar. Sie sind dem Jäger ständig eine Nasenlänge voraus.»

Schwierig zu bejagen und oft grosse Schäden hinterlassend, so werden Wildschweine in der ­Öffentlichkeit wahrgenommen. «Eigentlich sind es Tieflandbewohner, doch sie halten sich auch auf den Alpen und in Buchenwäldern auf. Büchler zeigte auf, dass vor allem während harter Winter der Bestand drastisch reduziert wird. «Doch sie haben einen Zuwachs bis 200 Prozent, und deshalb erholen sie sich rasch.»

Der Luchs ist eine Konkurrenz zum Jäger

Während der Biber, er hat sich den Lebensraum an der Thur zwischen Krummenau und Wattwil erobert, in der Region noch wenig zu reden gibt, scheiden sich die Geister, wenn es um Luchs und Wolf geht. Der Luchs wurde über das Projekt Luna angesiedelt und fühlt sich in der Region sichtlich wohl. Als Pirschjäger holt er sich Rehe und Gämsen, aber auch Hasen oder Murmeltiere. «Mit einem Bedarf von 50 bis 60 Beutetieren pro Jahr ist er eine Konkurrenz zum Jäger».

Geht es um den Wolf, wird der Herdenschutz zum Thema. «Bisher hatten wir bei uns durchwandernde Tiere auf der Suche nach einem neuen Lebensraum. Das Verhalten des Wolfes ist beim Beuteschlagen ähnlich wie bei den Menschen im Supermarkt. Wenn ein grosses Angebot vorhanden ist, wird mehr eingekauft, als sofort benötigt wird.»

Das Gleiche geschehe auch beim Fuchs oder Marder. Für Büchler ist klar, dass der Wolf die Landwirte zum Umdenken zwinge, und dies koste Zeit und Geld. Aus seiner Sicht ist der Wolf nicht ­gefährlich. «Es müssen aber drei Grundregeln eingehalten werden: Nie füttern, bei Begegnungen mit Wölfen diese nie verfolgen und die Wurfhöhle mit Jungtieren niemals aufsuchen.»