Von alten Livestreams

Brosmete

Philipp Langenegger
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Die Digitalisierung ist in aller Munde. Vorgestern fand der erste nationale Digitaltag statt. Bundespräsidentin Leuthard Doris hob ihn aus der Taufe.

Mit Livestreams konnte man die verschiedenen Brennpunkte hautnah miterleben. Spannend finde ich, dass bereits vor 127 Jahren die Digitalisierung von einem Mann vorausgesagt wurde. Im Rahmen von meinem aktuellen Programm «Vo Heeme» durfte ich in der Kantonsbibliothek im Nachlass vom Chemifeger Bodenmann stöbern. Da bin ich auf einen interessanten Bericht gestossen. Er beschreibt eine Begegnung mit einem sonderbaren Gesellen aus Schaffhausen, einem gewissen Samuel Waldvogel, der seherische Fähigkeiten hatte. Diese Zeilen verfasste Bodenmann 1890. Er schildert darin, wie Samuel auf das Telefon zu sprechen kam. Demnach erklarte dieser, dass in Schaffhausen heute schon eine sogenannte «Fernsprechstelle» mit einer Centrale existiere, welche die Sprecher miteinander verbinde. Aber das sei erst der Anfang auf diesem Gebiet. Es wird mit den Jahren soweit kommen, dass man ohne Drahte sprechen kann. Man könne dann Reden, Gesange und Musik, uberhaupt alles, was Schall und Ton von sich gebe, weitergeben. Diese Erfindung konnte der Menschheit zum grossten Segen werden; aber sie werden, wie mit allem Heiligen, Missbrauch treiben. Seichte Unterhaltung und die Weisheit dieser Welt würden die Vorhand haben.

Vorgestern, am ersten nationalen Digitaltag, konnte man in verschiedenen Zeitschriften lesen: Das Smartphone wird zum Unfallrisiko Nr. 1.Während weniger Tote auf das Konto von Rasern und Betrunkenen gehen, gibt es mehr Unfälle, weil Lenker auf ihr Handy schauen.

Philipp Langenegger