Von 151 auf 197 und von 27 auf 44: Die Neuansteckungen im Appenzellerland haben rasant zugenommen

Das Appenzellerland galt lange als vom Coronavirus verschont. In Ausserrhoden gab es fast immer nur vereinzelte, in Innerrhoden lange überhaupt keine Neuansteckungen. In den letzten Wochen zeichnete sich aber ein vergleichsweise starker Aufwärtstrend der Infektionszahlen ab. Die kantonalen Gesundheitsämter klären auf.

Miguel Lo Bartolo
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Als Ursache für die jüngste Zunahme der Coronaneuinfektionen gibt das Gesundheitsamt Ausserrhoden unter anderem zwei grössere Ausbrüche - in einer Schule und in einem Unternehmen - an.

Als Ursache für die jüngste Zunahme der Coronaneuinfektionen gibt das Gesundheitsamt Ausserrhoden unter anderem zwei grössere Ausbrüche - in einer Schule und in einem Unternehmen - an.

Symbolbild: Nicole Nars-Zimmer

Der schweizweite Anstieg der Neuinfektionszahlen bildet sich auch im Appenzellerland ab. Seit dem letzten Bericht der «Appenzeller Zeitung» vom 16. September diesbezüglich ist im Kanton Appenzell Ausserrhoden die Zahl der kumulierten Neuinfektionsfälle von 151 auf 197 gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von etwas über 30 Prozent. In Innerrhoden ist die Situation ähnlich. Sprach man Mitte September noch von 27 laborbestätigten Fällen, sind es diese Tage schon 44 – was einem Anstieg von rund 60 Prozent gleichkommt.

Das Departement Gesundheit und Soziales Ausserrhoden führt den Anstieg unter anderem auf einzelne grössere Cluster zurück. Dabei wird konkret auf zwei Ausbrüche – in einer Schule und einem Unternehmen – hingewiesen, die jeweils mehrere Folgeansteckungen mit sich brachten. Auch Einzelansteckungen und kleinere Cluster, wie etwa Übertragungen in der Familie und im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in Clubs, Bars oder Vereinen, hätten zum aktuellen Bild beigetragen.

«Saisonale Komponente» darf nicht ausser Acht gelassen werden

Um auch in den kommenden Wochen und Monaten die epidemiologische Entwicklung bestmöglich kontrollieren und diesem Aufwärtstrend entgegenwirken zu können, müsse man laut Gesundheitsamt auf verschiedenen Stufen ansetzen. So sei beispielsweise eine erneute und verstärkte Sensibilisierung der Bevölkerung zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln zentral. Aus dem Gesundheitsamt heisst es weiter:

«Im Herbst und Winter ist zudem wichtig, die Zahl der respiratorischen Infekte gesamthaft gering zu halten, um die verfügbaren Coronatestkapazitäten gezielt einsetzen zu können.»

Deswegen sei insbesondere in Situationen, in denen enge Kontakte nicht vermieden werden können, das Tragen von Masken wichtig, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren.

Aktuell stecken sich gemäss Gesundheitsamt in Ausserrhoden wie auch im Rest der Schweiz vor allem jüngere, sozial aktive Personengruppen an. Die Neuansteckungen, die sich seit Mitte September ereignet haben, betreffen Personen im Alter zwischen 13 und 61 Jahren. Der Altersmedian liegt bei 38 Jahren, wie das Gesundheitsamt festhält.

Entwicklung der Infektionszahlen

in Appenzell Inner- und Ausserrhoden
Anzahl laborbestätigte Fälle Ausserrhoden (kumuliert)
Anzahl laborbestätigte Fälle Innerrhoden (kumuliert)
MärzMärz2AprilApril2MaiMai2JuniJuni2JuliJuli2AugustAugust2SeptemberSeptember2Oktober050100150200

Weil sich mit der weiteren Verbreitung des Virus indes auch das Ansteckungsrisiko für Personen erhöht, die der Risikogruppe angehören, will das Ausserrhoder Gesundheitsamt sein Augenmerk auch auf deren Schutz legen. Dies soll unter anderem mit Unterstützungsmassnahmen für Alters- und Pflegeheime erreicht werden. Als Beispiel listet das Gesundheitsdepartement etwa die Optimierung der Testvoraussetzungen in den Institutionen auf. Dass der Schutz der Risikogruppen zu einem akuten Problem wird, will man um jeden Preis verhindern.

Unter den 46 Neuansteckungen seien mehrere schwere Krankheitsverläufe zu verzeichnen, die eine stationäre Überwachung und Therapie nötig machten. In konkreten Zahlen ausgedrückt, mussten seit Mitte September acht Personen vorübergehend hospitalisiert werden. In zwei Fällen sei gar eine intensivmedizische Behandlung notwendig gewesen.

«In Innerrhoden steigt die Kurve eher flach»

Seit September wurden im Kanton Appenzell Innerrhoden 18 Personen positiv auf Covid-19 getestet, wie Mathias Cajochen, Departementssekretär des Gesundheitsamtes auf Anfrage hin mitteilt. Davon seien 65 Prozent zwischen 20 und 40, 22 Prozent zwischen 41 und 65 und drei Personen zwischen 65 und 73 Jahre alt. Hospitalisiert wurde in dieser Zeit eine Person. Die Kurve der infizierten Personen steige laut Cajochen auch in Appenzell Innerrhoden. Er ergänzt: «Sie steigt bisher aber noch eher flach.»

Entsprechend würden sich mehrheitlich milde Krankheitsverläufe zeigen. Vor diesem Hintergrund seien unmittelbar keine einschneidenden Massnahmen nötig, zumal die Bevölkerung laufend bezüglich Hygienemassnahmen sensibilisiert werde.