Vom Strassenrand in den Untergrund

Ab 1. Juli kann der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid den Nesslauer Hauskehricht aus Unterflurbehältern leeren. Bereits sind an vier Standorten im Bühl, Brunnen und in Krummenau solche aufgestellt. Weitere fünf kommen im Sommer in Ennetbühl und Neu St. Johann hinzu.

Olivia Hug
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NESSLAU. «Die Vorteile für die Benützer liegen auf der Hand. Sie können den Abfall rund um die Uhr entsorgen», sagt Rainer Heiniger, Mitglied der Geschäftsleitung des ZAB. Werner Bollhalder, Bauverwalter in Nesslau, doppelt nach: «Schluss mit Gestank, Schluss mit Tieren, die die Säcke aufreissen. Unterflurbehälter bieten Komfort.» Damit die Säcke aus gut anderthalb Metern Tiefe aus dem Boden gehoben werden können, hat der ZAB eines seiner Fahrzeuge für 55 000 Franken mit einem Heckkran aufgerüstet. Die oberirdische Sammlung wird auf dem Einzugsgebiet des ZAB (35 Gemeinden) damit zunehmend der Vergangenheit angehören. Zwar kann es rund zehn Jahre dauern, bis das gesamte Gebiet abgedeckt ist, doch wird mit der Umstellung auf Unterflurbehälter in der Gemeinde Nesslau per 1. Juli der erste Schritt getan.

Platz für 60 Wohneinheiten

An vier Standorten – nämlich beim Volg im Bühl, bei der Bühlerbrücke, im Dorf Krummenau sowie im Brunnen – ist zwischenzeitlich je ein Unterflurbehälter (UFB) aufgestellt worden. In diesen Gebieten wird fortan die übliche Strassenrand-Sammeltour aufgehoben. Nach den Sommerferien, so Werner Bollhalder, werden ferner in der Schabegg einer sowie bei den Mehrzweckgebäuden Neu St. Johann und Ennetbühl je zwei UFB aufgestellt. «Nach dem Winter können wir auswerten, ob sich diese Standorte eignen und das Entsorgungskonzept wie vorgesehen funktioniert. Erst danach sollen weitere UFB eingerichtet werden», so der Bauverwalter. Insgesamt sind auf dem Nesslauer Gemeindegebiet 14 Unterflurbehälter-Standorte vorgesehen. 18 bis 20 Behälter sollen es gesamthaft werden, wovon jeder ein Volumen von fünf Kubikmetern fasst – was rund 80 35-Liter-Säcken oder dem Abfall aus 50 bis 60 Wohneinheiten entspricht. Die ungefähren Kosten pro Behälter einschliesslich Einbau belaufen sich auf 9000 Franken. Eingeworfen werden können nur offizielle ZAB-Gebührensäcke oder Säcke mit ZAB-Gebührenmarken.

Dass im Bühl die ersten UFB installiert werden, begründet Bauverwalter Werner Bollhalder mit den heuer vermehrt ausgefallenen Abfuhrtagen. «Bühl ist Dreh- und Angelpunkt der dort und in Aussensiedlungen Wohnhaften. Weil viele Feiertage auf Montag fielen, wurden die Container nicht geleert, welche schliesslich überfüllt waren. Das hat Tiere angelockt und die Folge davon war eine Schweinerei.» Aufgrund dessen habe man entschieden, an dieser Stelle schnell zu handeln. «Dass weitere UFB in Krummenau aufgestellt wurden, liegt daran, dass man die Gemeinde gebietsweise erschliessen will.»

Nach Verkehrsstrom ausrichten

Im Ortsteil Stein wird bereits seit mehreren Jahren Abfall in Anwendung des unterirdischen Systems entsorgt. Die dort installierten sechs UFB unterliegen seit der Gemeindefusion Anfang Jahr der Zuständigkeit des ZAB – zuvor war Stein dem Energieverbund Süd angeschlossen. Im Auftrag des ZAB wird noch bis zum 30. Juni die Buchser Stefan Zweifel AG die Entleerung ausführen. Schon am 1. Juli werden nämlich ZAB-Mitarbeitende die erste Tour mit dem aufgerüsteten Kranfahrzeug vornehmen, das auch weiterhin Container leeren kann. Vorerst wird noch kein weiteres Fahrzeug aufgerüstet oder ein Spezialfahrzeug angeschafft, wie Virgile Koster, Zuständiger für Logistik und Recycling des ZAB, erklärt. «Für Stein und Nesslau reicht eines. Unsere jetzigen Fahrzeuge sind erst vier Jahre alt, weshalb es noch nicht an der Zeit ist, bereits in neue zu investieren.» Die geänderte Entsorgungstechnik in Nesslau stellt insofern auch für den ZAB einen Pilot dar. Funktioniert hier die Logistik und das Konzept, wird nach und nach in anderen Gemeinden auf UFB umgestellt. Wie Rainer Heiniger erklärt, laufen diesbezüglich bereits Gespräche mit den Behörden in Ebnat-Kappel und Mosnang. «Eine Herausforderung ist es, insbesondere die Verkehrswege und Frequenzen in Aussensiedlungen zu bestimmen und entsprechend an optimaler Stelle einen Behälter zu installieren und diesen in den richtigen Zeitintervallen zu leeren», so Virgile Koster. Gerade in Nesslau gebe es viele solche Quartiere, wie eben Bühl, Schlatt oder Aemelsberg. Für den ZAB ergibt sich mit dem neuen System der Vorteil, dass die Fahrzeuge nicht mehr die Strecken in ein solches Gebiet zurücklegen und sie auch seltener anfahren müssen. «Das war vor allem im Winter häufig eine Schwierigkeit», weiss Virgile Koster. Dafür, fügt er an, müssen sich die Anwohner darauf umstellen, längere Bringdistanzen zum nächsten Behälter zurückzulegen. Die Möglichkeit, jederzeit Abfall zu entsorgen, sollte dies aber wieder wettmachen. Ein weiterer Vorteil sei, dass der Verkehrsfluss weniger durch die Fahrzeuge des ZAB gestört würde und auch weniger Lärm entstehe. Der heutigen mobilen Gesellschaft komme die Idee des auf einen Standort konzentrierten Entsorgens diverser Haushaltsabfälle entgegen, ist der Zuständige für Logistik und Recycling überzeugt. «Wir streben sogenannte Wertstoffinseln an, wo Kehricht wie Altglas, Altöl, Altkleider und so weiter am selben Ort entsorgt werden kann.»

Kein Zulassungssystem nötig

Keine Änderungen durch das neue System erfahren vorerst die 800-Liter-Container des Nesslauer Gewerbes. Diese werden weiterhin an die Strasse gestellt und durch den ZAB geleert. Auch wollen die Verantwortlichen auf die Einführung eines Zulassungs- und Wägesystems an den UFB verzichten. «Damit können wir technische Probleme von Anfang an vermeiden», sagt Rainer Heiniger. Dass dadurch die illegale Entsorgung – also ohne Gebühr – grösser werden könnte, befürchten die Verantwortlichen nicht. «Wir sind bereits jetzt rigoros gegen Fehlbare vorgegangen und das wird sich nicht ändern», sagt Werner Bollhalder, «grundsätzlich glauben wir aber an ehrliche Bürger.» Um das Restrisiko bestmöglich zu verringern, werden die Unterflurbehälter nicht an einer Hauptstrasse aufgestellt.

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