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Vom Skalpell zum spitzen Stift

MASCHWANDEN ZH. Der bekannte Karikaturist Hans-Ulrich Steger stammt aus einer alten Lichtensteiger Familie. Fast 2000 Originale von Karikaturen, die er der ETH Zürich geschenkt hat, sind seit kurzem im Archiv erschlossen.
Martin Knoepfel
Hans-Ulrich Steger mit einigen seiner dreidimensionalen Karikaturen, den «Findelgrindern», die unter anderem aus alten Schuhsohlen bestehen. (Bild: Martin Knoepfel)

Hans-Ulrich Steger mit einigen seiner dreidimensionalen Karikaturen, den «Findelgrindern», die unter anderem aus alten Schuhsohlen bestehen. (Bild: Martin Knoepfel)

An den Wänden stehen die Bundesordner in Reih und Glied, wie Soldaten bei einer Inspektion. Dabei ist Hans-Ulrich Steger nicht gerade das, was man einen Militärkopf nennen würde. Das zeigt etwa sein Buch «Die Unschlachtbaren». Die Ordner bergen Fotos unzähliger Prominenter. Er habe seine Karikaturen immer nach Fotos gezeichnet, sagt der Künstler. Damals konnte man die Prominenten halt noch nicht googeln.

Auf den Tischen liegen Malutensilien, Pinsel, Farbtuben. Daneben stehen Flaschen mit Flüssigkeiten. Ein alter Holzherd dient als Heizung und spendet wohlige Wärme. Andere Wände sind geschmückt mit Kopien von Karikaturen, eigenen und fremden. Grosse Fenster lassen trotz dem Hochnebel, der wie ein gigantisches graues Laken über dem zürcherischen Maschwanden hängt, viel Licht herein.

Keine Porträts

Das Atelier des Karikaturisten Hans-Ulrich Steger ist der umgebaute Dachstock einer Scheune. In einem Nebenraum hängen Ölbilder an der Wand. Er male, aber nicht gegenständlich, weil er so andere Farben verwenden könne, sagt der Künstler. Mit diesen Bildern ist er jedoch noch nicht zufrieden. Sie seien ihm zu nah bei Grafiken, sagt der gelernte Grafiker. Porträts findet man keine. Das könne er nicht, sagt er. Die Malerei nennt er ein «Altershobby».

Das Haus, eine frühere Gerberei, hat Hans-Ulrich Steger 1960 «zu einem Spottpreis» gekauft und selber umgebaut, wie zwei andere Häuser in Frankreich und im Tessin. «Der Bau fasziniert mich», sagt Hans-Ulrich Steger. Da er keine Freude am Rechnen gehabt habe, habe er nicht als Architekt in die Fussstapfen seines Vaters treten können.

Maschwanden im Knonaueramt sei als Wohnort günstig gewesen. Er habe in Zürich und Luzern unterrichtet, sagt Hans-Ulrich Steger. Damals habe er als einer der ersten im Dorf ein Auto besessen, einen Citroën «Döschwo». «Heute werden überall die Gärten asphaltiert, für Parkplätze für die Autos», ärgert er sich. In vielen Karikaturen kritisiert er ebenfalls die Umweltzerstörung.

«Aus Verzweiflung»

Im Haus im Tessin habe er zahllose Schuhsohlen gefunden. Früher habe ein Schuhmacher dort gewohnt, sagt Hans-Ulrich Steger. Er ging mit dem Fund auf seine Weise um und verarbeitete die Schuhsohlen – sowie später Velosättel – zu dreidimensionalen Karikaturen, «Findelgrinder» genannt. Für seine Karikaturen ist Hans-Ulrich Steger bekannt geworden, von vielen verehrt, von manchen gehasst. Vom Karikaturenzeichnen habe er jedoch nicht leben können, sagt er. Den Lebensunterhalt habe er als Lehrer verdient. Karikaturen hat er zwar schon als Sekundarschüler gezeichnet. Zum Beruf des Karikaturisten ist er dennoch durch Zufall gekommen. «In der Ausbildung zum Grafiker lernt man alles, ausser wie man eine Stelle findet und Geld verdient», sagt Hans-Ulrich Steger. Aus Verzweiflung habe er dem «Nebelspalter» Karikaturen geschickt. Später öffneten sich Türen bei anderen Zeitschriften und Zeitungen (siehe Kasten).

Zwei Kinderbücher stammen ebenfalls aus Hans-Ulrich Stegers Feder. Das zweite, «Wenn Kubaku kommt», schildert eine Reise um die Welt. «In Japan wird es mehr verkauft als in Deutschland», wundert sich der Künstler. Vor kurzem hat ihm der Verlag das Belegexemplar der 17. Auflage der japanischen Übersetzung geschickt.

Aber auch «Reise nach Tripiti» verkaufe sich immer noch. Mittlerweile läsen drei Generationen Kinder seine Bücher, freut sich Hans-Ulrich Steger. Seit einiger Zeit produziert er jedes Jahr ein Büchlein mit dem Titel «Sprachmüll». Das letzte ist den vielen Anglizismen in der Gegenwartssprache gewidmet.

Fünf Generationen

In den Regalen im Atelier liegen grosse Kartonschachteln. Hans-Ulrich Steger holt zwei heraus und öffnet sie. Vorsichtig faltet er zwei weisse Blätter im Format A3 auseinander und legt sie auf einen der Tische. Es sind Fotokopien des Stammbaums der Familie, beginnend mit einem Ulrich Steger, der vor 1595 starb. Levi Steger, ein Sohn von Ulrich Steger, war Bürger von Lichtensteig und lebte von 1570 bis um 1632. Trotz der kleinen Schrift, die nicht einfach zu lesen ist, hat der ganze Stammbaum nicht auf einem Blatt Platz.

Vier Generationen später trifft man auf Johann Heinrich Steger, der 1802 Toggenburger Landammann und später 18 Jahre Bezirksstatthalter im Obertoggenburg. 1830 wurde Johann Heinrich Steger Verfassungsrat und 1831 Grossratspräsident.

Fünf Generationen später findet man den Karikaturisten im Stegerschen Stammbaum. Über Jahrzehnte seien die Stegers Chirurgen oder Ärzte gewesen, sagt Hans-Ulrich Steger. Später seien Geistliche dazugekommen. Hans-Ulrich Steger arbeitet als Karikaturist mit dem gespitzten Bleistift. Irgendwie ist das wie eine Rückkehr zur Familientradition. Hans-Ulrich Steger hat dem Archiv für Zeitgeschichte an der ETH Zürich fast 2000 Originale politischer Karikaturen überlassen. Die Sammlung wurde erschlossen und digitalisiert. Der Künstler hat auch dem Toggenburger Museum in Lichtensteig zahllose Dokumente und Bilder zur Familiengeschichte geschenkt.

www.afz.ethz.ch

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