Vom Skalpell in meiner Aura

In Gais arbeiten zwei Aura-Analytiker. Sie tasten die Auren ihrer Kunden ab, stossen dabei oft auf Widerstände und lösen diese von Hand oder mit chirurgischem Werkzeug. Eine abenteuerliche Behandlungsmethode, die aber wirken soll.

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GAIS. Die hellorange Schrift ist gut zu erkennen: «Naturheilpraxis Kerngesund». Das gelbe Haus liegt direkt an der Hauptstrasse, schräg gegenüber dem Gaiser Bahnhof. Noch wähnt sich der Besucher auf dem Weg in eine «normale» Naturheilpraxis, erst die Werbe-Folie auf der zum Parkplatz hin gerichteten Scheibe verrät mehr: «Institut für Aura-Analyse». Spätestens jetzt ist die Neugier geweckt.

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«Guten Tag Herr Züst, setzen Sie sich doch hin», begrüsst Heilpraktiker Rudolf K. Kern mich in seiner Praxis im Erdgeschoss. «Haben Sie Schmerzen oder ein Leiden?», fragt er. «Eigentlich nicht», antworte ich. Heute wird meine Aura analysiert. Zuerst aber wird mir Blut abgenommen, aus meinem Zeigefinger. Unter dem Mikroskop schauen wir es uns an. «Nicht schlecht», meint Rudolf Kern, «die roten Blutkörperchen sind meist einzeln und können so genug Sauerstoff transportieren.»

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Im Erdgeschoss des gelben Hauses befindet sich die Praxis von Heilpraktiker Rudolf Kern, die er zusammen mit seiner Frau Manuela führt. Im ersten Stock arbeitet an drei Tagen pro Woche der Mann, der das Leben von Rudolf Kern veränderte, der Liechtensteiner Gerhard Klügl. Er lehrte den Ausserrhoder die Aura-Analyse. Heute behandelt Rudolf Kern nach der Methode von Gerhard Klügl, er tastet die Aura seiner Kunden ab, stellt Probleme aus dem jetzigen oder früheren Leben fest und löst sie, von Hand oder mit chirurgischen Instrumenten.

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«Legen Sie die Hand auf die Brust. Genau so. Sagen sie jetzt <Ja>. Hat es Sie nach vorne oder hinten gezogen?» Die Frage verwirrt. Ich wiederhole das Experiment und versuche zu erspüren, ob es mich nach hinten oder vorne zieht. «Nach hinten», antworte ich zögernd. Nachdem wir dasselbe mit dem Wort «Nein» getestet hatten – offensichtlich zog es mich nach vorne –, kann ich laut Rudolf Kern nun als menschliches Pendel fungieren. Wann immer ich in Zukunft nicht weiss, ob mir etwas gut oder schlecht tut, brauche ich bloss daran zu denken, die Hand auf die Brust zu legen, und ich werde die Antwort «auspendeln». Praktisch.

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Im Jahr 2009 besuchte Rudolf Kern ein Seminar von Gerhard Klügl. Er war begeistert. Der Liechtensteiner mit deutschen Wurzeln fühlt in den Auren seiner Kunden Widerstände, die meist auf ein Problem hindeuten. Mit symbolischen Operationen an der Aura löst er diese dann auch gleich. Dabei kann es sich beispielsweise um ein Joch um Hals und Handgelenke handeln, das einem entfernten Verwandten in einem vergangenen Jahrhundert angelegt wurde. Dies beeinflusse den heute Lebenden laut Gerhard Klügl und Rudolf Kern in manchen Fällen durchaus, da sich unsere Gene, unser Wesen, unsere Persönlichkeit, unsere «Software» aus den Informationen vieler zurückliegender Generationen zusammensetzt.

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Endlich geht es los. Ich stehe in der Mitte von Rudolf Kerns Behandlungsraum und mache nichts. Der Heilpraktiker stellt sich neben mich, im 90-Grad-Winkel mir zugewandt. Er hebt die Arme über meinen Kopf, lässt sie gleichzeitig im Abstand von rund 30 Zentimetern an meinem Körper hinuntergleiten, den einen Arm hinter, der andere vor mir. Auf Höhe meiner Brust stoppt er. «Spüren Sie hier etwas, wenn ich so mache?», fragt er und bewegt seine rechte Hand vor meiner Brust vor und zurück. In der Tat, ich spüre etwas.

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Mit den Eingriffen in den Auren ihrer Kunden sollen Informationen übermittelt werden, denn am Anfang jedes Heilungsprozesses steht laut Gerhard Klügl die Information. In seinem Buch «Quantenland – Ein Leben als Aurachirurg» ist von unglaublichen Behandlungserfolgen zu lesen, allen voran die Geschichte von Josefine Steininger. Nach einer einmaligen Behandlung ihrer Aura senkte sich nicht nur ihr massiv erhöhter Blutzucker erstaunlich schnell, einige Jahre später stellte eine Frauenärztin auch fest, dass ihr vor langer Zeit entfernter linker Eierstock nachgewachsen war. Während der Behandlung hatte Gerhard Klügl in der Aura von Josefine Steininger operiert, ihr Löcher im Unterleib zugenäht. Doch auch kleinere Leiden können die beiden Aura-Analysten kurieren. Nimmt der Kunde beispielsweise das Model einer menschlichen Wirbelsäule in die Hand, verbindet es sich mit seiner Aura. Nun können Gerhard Kühl und Rudolf Kern direkt am Modell der Wirbelsäule «operieren», um Informationen an die Aura zu schicken. So bekämpfen sie beispielsweise hartnäckige Rückenschmerzen.

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«Ein leichtes Kribbeln im Nacken», antworte ich. «Drehen Sie den Kopf bitte erst nach rechts, dann nach links. Geht beides gleich gut?» Ich folge den Anweisungen. «Ich denke, nach rechts geht weniger gut.» «Aha», meint Kern. Er löst einige Schrauben in der Luft und nimmt mir symbolisch ein Joch ab. «Versuchen Sie es noch einmal. Besser?» Ich drehe den Kopf nach rechts. «Geht das jetzt besser», frage ich mich. «Ich denke es geht besser, ja.», sage ich.

Timo Züst