Vom Probelokal zum Kulturort

Aus einem Bandraum wurde ein Club für Livebands: Heute fördert der Verein Pontem die Kultur. Das Team steht während der Saison fast jedes Wochenende im Einsatz. «Es ist ein Hobby», sagt Präsident Florian Schneider.

Ueli Abt
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Die Sommerpause nutzt das Team für Um- und Ausbauten im Konzertlokal – Präsident Florian Schneider im Club Pontem auf dem GIZ–Hölzli-Areal. (Bild: ua)

Die Sommerpause nutzt das Team für Um- und Ausbauten im Konzertlokal – Präsident Florian Schneider im Club Pontem auf dem GIZ–Hölzli-Areal. (Bild: ua)

HERISAU. Es liegt wohl an den Platzverhältnissen in den meisten Bandräumen, dass die Musiker während der Proben jeweils in einem Kreis zu stehen pflegen.

Florian Schneider und seine Bandkollegen hatten das Glück, dass sie vor einigen Jahren auf dem Areal des Gewerbe- und Industriezentrums Hölzli ein grosszügig bemessenes Lokal mieten konnten. Der Kreis macht keinen Sinn, dachte sich Schneider im Hinblick auf spätere Auftritte. So baute er im Raum zunächst einmal eine Bühne ein. Es kam eine Bar hinzu, und bald kam die Idee auf, im Bandraum im ersten Stock des ehemaligen Fabrik-Nebengebäudes ein paar Konzerte zu veranstalten. «Wir merkten schnell, dass es uns Spass macht», sagt Schneider – damit sei klar geworden, dass die Bandmitglieder das Probelokal zum Club für Livemusik ausbauen wollten.

Mehr Arbeit, gleich viele Helfer

Das Programm des «Metalvetia Metalclub» blieb zunächst auf Bands beschränkt, die sich dem harten Rock verschrieben hatten; von Dezember 2008 bis Juni 2012 gingen 80 Events mit 60 Formationen über die Bühne. Ab 2012 weitete sich das Spektrum, was man mit der Umbenennung in «Pontem – Kultur am Viadukt» im September 2012 signalisierte.

Laut Schneider fanden seither 75 Events mit 130 Künstlern statt. Die Intervalle zwischen den Konzerten verkürzten sich dabei immer mehr, ohne dass sich aber die Zahl der Mitarbeiter erhöhte: Nach wie vor steht den jeweils vier Mitgliedern des Vorstands ein Team von 15 Freiwilligen zur Seite.

«Wir wollen Newcomerbands eine attraktive Plattform und einen Auftrittsort bieten, wo sie zu fairen Konditionen auftreten können», sagt Schneider. So spielte beispielsweise diesen Frühling vor dem Auftritt der Schweizer 80er-Rockgrösse «China» die Band Pieronero, deren Mitglieder aus Herisau und Gossau stammen.

Das Interesse seitens der Bands an einem Auftritt sei sehr gross: Praktisch täglich gibt es laut Schneider Anfragen von Agenturen oder Newcomer-Formationen. Inzwischen standen auch schon einige Bands aus dem Ausland, etwa aus den USA, auf der Pontem-Bühne. «Amerikanische Bands lieben die Atmosphäre», so Schneider. Die Grösse des Raumes – er fasst maximal 150 Gäste – erlaube jenes bestimmte Clubfeeling, das man auf einer grösseren Bühne nicht haben könne.

Finanzielle Unterstützung bekam Pontem bislang von der Ausserrhoder Kulturförderung und von privaten Stiftungen. Den Ausbau des ehemals kargen Raums finanzierten die Mitglieder zudem aus eigenen Mitteln sowie aus Einnahmen von Konzerten. Künftig kann Pontem auch Gelder aus dem Pool der Appenzeller Kulturkonferenz beantragen, welcher Pontem seit vergangener Woche angehört.

Noch professioneller

Wenn die vier Vorstandsmitglieder künftig als Veranstalter noch professioneller werden wollen – kommerziell soll und kann das von einem Verein betriebene Clublokal niemals werden. Allfällige Gewinne sollen auch weiterhin reinvestiert werden – etwa in die Erneuerung des Equipments. «Es ist und bleibt ein Hobby», sagt Schneider. Praktisch jedes Wochenende stehe man während der Saison von September bis Anfang Juni am Wochenende im Einsatz. Die eigene Metal-Band habe sich denn auch längst aufgelöst: «Fürs Proben fehlt uns heute die Zeit.»

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