Vom Pfarrverweser zum Pfarrer

Nach zweijähriger Probezeit wurde Jeremias Treu am Sonntag unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung in einem feierlichen Gottesdienst in der evangelischen Kirche offiziell das Amt des Pfarrers anvertraut. Integriert sind er und Ehefrau Sigrid schon lange.

Beat Lanzendorfer
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Pfarrer Jeremias Treu (ganz rechts) stellt die Erstklässler (links), die Pfeffersterne (Mitte) sowie die Konfirmanden vor (rechts). (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Pfarrer Jeremias Treu (ganz rechts) stellt die Erstklässler (links), die Pfeffersterne (Mitte) sowie die Konfirmanden vor (rechts). (Bilder: Beat Lanzendorfer)

KIRCHBERG. Das mit der Kirche ist so eine Sache. Weil Jeremias Treu, Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Kirchberg, seine Ausbildung in Deutschland absolvierte, musste er sich nach seiner Übersiedlung in die Schweiz, die via Barcelona erfolgte, zuerst einer zweijährigen Probezeit unterziehen.

Seit Sonntag ist es amtlich: Der 53-Jährige mutiert nach Ablegung des Pflichtgelübdes nun offiziell vom Pfarrverweser zum Pfarrer. Etwas überspitzt ausgedrückt ist er ab sofort nicht mehr nur geduldet, sondern definitiv in die Gemeinschaft aufgenommen. Nach eigenen Angaben sind Jeremias Treu und Ehefrau Sigrid allerdings längst angekommen. «Wir haben den Draht zur Bevölkerung schnell gefunden und fühlen uns hier in der Gemeinde äusserst wohl.»

Weihnachten im Sommer

Für Harald Frauenfelder, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, war der Sonntag wie Weihnachten im Sommer: «Die vollbesetzte Kirche zeigt mir, dass wir heute gleich mehrere Ereignisse feiern dürfen. Zum einen ist es die Amtseinsetzung von Jeremias Treu, dann begrüssen wir unsere Erstklässler, die in dieser Woche erstmals die Schule besuchten, stellen das neue Programm der Pfeffersterne vor, heissen die Konfirmanden willkommen und geniessen am Ende des Gottesdienstes die Gemeinschaft bei Wurst und Brot vor der Kirche.»

Pfarrer Treu stellte in seiner Predigt das Salz als «Geschmack des Lebens» in den Mittelpunkt, passend dazu erhielt jeder Kirchgänger einen kleinen Salzstreuer als Geschenk. Er erinnerte aber auch an das unsägliche Leid der Flüchtlinge – speziell sprach er jene aus Syrien an. «Wir wissen gar nicht, wie gut es uns hier in der Schweiz geht. Gerade jetzt ist es wichtig, wenn wir uns solidarisch zeigen.» In diesem Zusammenhang verwies er auf die Sammelaktion vom 9. September (siehe Infokasten).

Das Licht der Welt

Das offizielle Pflichtgelübde nahm Jeremias Treu Dekan Philippe Müller, Pfarrer in Ebnat-Kappel, und als Seelsorger für das Toggenburg zuständig, im Beisein der sechs Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft ab. Symbolisch übergab er dem gewählten Pfarrer eine Taschenlampe: «Sie soll dir den Weg leuchten, wenn du nachts in der Gemeinde unterwegs bist.» Nun war die Zeit der jungen Kirchgänger gekommen. Zuerst bat Jeremias Treu die fünf frischgebackenen Erstklässler nach vorne, welche nach den Sommerferien mit viel Herzklopfen in die Schule eintraten. Dann war die Reihe an den 7.-/8.-Klässlern, den sogenannten Pfeffersternen, die in den kommenden 18 Monaten auf ihre Konfirmation vorbereitet werden. Etwas weiter sind jene 16 jungen Erwachsenen im letzten Schuljahr. Sie feiern ihre Konfirmation am 12. Juni 2016. Anfang und Ende waren dem Singtreff der evangelischen Kirche vorenthalten. Die 21 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Michael Stübi gestalteten den Gottesdienst musikalisch. Am Ende des 75minütigen Gottesdienstes nahm sich der neu eingesetzte Pfarrer am Ausgang Zeit, um die vielen Glückwünsche entgegenzunehmen. Pfarrer Albin Rutz und Pastoralassistentin Monika Oberholzer von der Katholischen Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg waren ebenfalls zugegen und überreichten Jeremias Treu einen Ginsengbaum, der für Gesundheit und Wohlbefinden steht. «Unsere Zusammenarbeit ist sehr kollegial und herzlich», erwähnte Albin Rutz, bevor die drei gemeinsam auf den Vorplatz traten und bei sommerlichen Temperaturen den Tag bei Wurst und Brot genossen.

Pastoralassistentin Monika Oberholzer und Pfarrer Albin Rutz (rechts) übergeben Jeremias Treu einen Ginsengbaum.

Pastoralassistentin Monika Oberholzer und Pfarrer Albin Rutz (rechts) übergeben Jeremias Treu einen Ginsengbaum.

Dekan Philippe Müller nimmt Jeremias Treu das Pflichtgelübde ab. Links hinten die Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft.

Dekan Philippe Müller nimmt Jeremias Treu das Pflichtgelübde ab. Links hinten die Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft.