Vom Leben reich beschenkt

Überrascht, fast ungläubig reagierte Paul Giger, als er im März den Ausserrhoder Kulturpreis erhielt. Der Violinist und Komponist erinnert sich noch heute an dieses Gefühl. Natürlich habe er sich über den Preis gefreut.

Michael Genova
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Paul Giger Violinist und Komponist, Ausserrhoder Kulturpreisträger (Bild: Michel Canonica)

Paul Giger Violinist und Komponist, Ausserrhoder Kulturpreisträger (Bild: Michel Canonica)

Überrascht, fast ungläubig reagierte Paul Giger, als er im März den Ausserrhoder Kulturpreis erhielt. Der Violinist und Komponist erinnert sich noch heute an dieses Gefühl. Natürlich habe er sich über den Preis gefreut. Ihm sei aber auch bewusst, dass es im Kanton viele Kulturschaffende gebe, die den Preis genauso verdient hätten. Giger sieht sich als Glücklichen, dem im Leben vieles zugefallen sei. «Ich musste meine Werke nie durch Leiden gebären.»

Glückliche Fügungen

Paul Giger ist kein Künstler, der einen Preis entgegennimmt und dann weitergeht, als wäre nichts geschehen. «Verdiene ich es wirklich?», fragte er sich. Vielen Künstlern sei gemeinsam, dass sie ein Leben lang dranblieben. «Mit allen Selbstzweifeln», wie Giger sagt. Er habe auf seinem Weg immer viel Bestätigung erhalten. «Andere mussten viel mehr kämpfen und ihre Ellbogen einsetzen.» Der gebürtige Herisauer erinnert sich an einen glücklichen Moment, der seine Karriere als Musiker und Komponist früh beeinflusste. Ende der 1980er-Jahre lancierte der Violinist das Soloprojekt Chartres. Als die Aufnahmen beendet waren, schrieb er mehrere Plattenfirmen an und erhielt von ECM Records eine Zusage. Die Veröffentlichung machte Giger auf einen Schlag bei einem internationalen Publikum bekannt. Mittlerweile sind im renommierten Plattenlabel für zeitgenössische Klassik sechs Aufnahmen unter seinem Namen erschienen.

Nachts in den Träumen

Vor einer Woche, pünktlich vor Weihnachten, ist Paul Gigers nächstes Projekt fertig geworden. Es ist ein Kompositionsauftrag für das Sinfonieorchester St. Gallen. «Die fertigen Noten sind nun in der Druckerei.» Das neue Werk heisst «Rauhnächte» und wird am 4. Februar in der Tonhalle St. Gallen uraufgeführt. Die Komposition ist Teil der «Œuvres Suisses», einer Initiative von Pro Helvetia zur Förderung neuer Schweizer Orchesterwerke. In den Jahren 2014 bis 2016 geben elf Schweizer Orchester je drei neue Werke bei Schweizer Komponistinnen und Komponisten in Auftrag. «Das ist eine tolle Sache für Komponisten und Orchester, die sonst nicht so oft zeitgenössische Musik aufführen», sagt Giger. Der kreative Prozess für «Rauhnächte» begann vor anderthalb Jahren. Um Ruhe zu finden, verliess Giger zeitweise sein Zuhause in Rehetobel. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis er die erste Note auf Papier brachte. In solchen Phasen begleiten Giger seine Ideen Tag und Nacht. «Ein grosser Teil der Arbeit spielt sich in meinen Träumen ab.»

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