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Vom Leben der Village-People

Glosse
Das Olympische Dorf von Pyeongchang, wo Bob-Anschieber Alex Baumann untergebracht war. (Bild: PD)

Das Olympische Dorf von Pyeongchang, wo Bob-Anschieber Alex Baumann untergebracht war. (Bild: PD)

Das Olympische Dorf wird von einem geheimnisvollen Nimbus umwittert, weshalb es an der Zeit ist, mit einigen Mythen aufzuräumen. Erstens kann man bei einer Ansammlung von unpersönlichen Hochhäusern nicht von Dorf sprechen. 3000 Personen verteilen sich auf acht Wohnblocks, dazu ergänzen eine Kantine im Ausmass der Olma-Halle, Spielzelte und ein Krankenhaus das vom Heimatschutz eher flüchtig begleitete Dorfbild. Damit der Dorffrieden gewahrt bleibt, ist die Gemeinschaft von einem hohen Zaun umgeben und kann nur mit Ausweis durch wenige, streng bewachte, Sicherheitsschleusen betreten werden. Die soziale Randgruppe der Sportler wird also auf beengtem Raum eingezäunt. Der Begriff «olympisches Ghetto» ist dem IOC aber wohl zu wenig sexy. Ebenso passend wäre «olympische Baustelle», da immer alles auf den letzten Drücker fertig wird, wovon jede Menge Schutt und Dreck im Dorf zeugt. Jede Nation besetzt einige Stockwerke und wie üblich zeigt man die erfolgreiche Eroberung mit dem Beflaggen der Fenster an. Wir wohnen zu sechst in einem 3,5-Zimmer-Appartement und müssen die kleinen Balkone als zusätzliche Gepäckablage missbrauchen. Im Lift tappe ich wieder einmal in die Falle und versuche bekannte Gesichter mit Handschlag zu begrüssen, erfahre aber harsche Abweisung. An Olympia wäscht nämlich nicht wie häufig angenommen eine Hand die andere (zumindest bei den Athleten), sondern sie verunreinigt sie. Jeglicher Kontakt zu Mensch mit Keimen (oder sind es Keime mit Mensch?) ist ärztlich empfohlen abzulehnen oder immerhin mit ordentlich Desinfektionsmittel wegzumenschen. Was sind die abstrakten Bedrohungen durch Atommächte, Terroristen und Erdbeben im Vergleich zum unmittelbaren Sicherheitsrisiko der Keime? Das steht im Widerspruch zu den angeblich 37 verteilten Kondomen pro Athlet. Laut gewissen Medienberichten geht es im Dorf ja zu und her wie im Hamsterkäfig, und die Hälfte der Sexualkontakte muss trotzdem immer noch ungeschützt stattfinden. Aber bei den beengten Raumverhältnissen und –20 Grad im Freien müssen die Hamster ganz schön einfallsreich sein. Dass Athleten trainieren wollen, ging bei der Planung wohl vergessen, stehen doch für die gut 1000 Athleten gerade einmal zwei Kniebeugenanlagen zur Verfügung. Da bekommt der Ausdruck «Kampf ums Gewicht» eine ganz andere Bedeutung. Als Bobfahrer hat man aber in Form des Bizeps schlagkräftige Argumente und die Skispringer machen gleich einen Abflug. Auf dem Dorfplatz finden regelmässig kulturelle Veranstaltungen von den ausgegrenzten Eingeborenen für die eingegrenzten Fremden statt. Am Ende der Spiele leert sich das Dorf auf einen Schlag. So richtig haben sich die Bewohner nie mit ihrem Dorf identifiziert. Es war nur ihr Zwischenwirt («olympisches Durchgangslager?») auf dem Weg zum Erfolg. Dessen sind sich aber auch die Planer bewusst, haben sie doch alle Inneneinrichtungen (inklusive Böden) in den Apartments mit Plastikabdeckungen verkleidet. Das Dorf hat sich quasi gegen die Athleten desinfiziert. Die neuen Bewohner wünschen ein sauberes Zuhause.

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