Vom Land der modernen Nomaden

Das Kulturmagazin «Saiten» widmet die Juli/August-Ausgabe dem Appenzellerland – einem «Ort des Kommens und Gehens».

Drucken
Teilen

HERISAU. Alpsteinstrasse statt Alpstein – das Kulturmagazin «Saiten» bringt in der neuesten Ausgabe den Feierabendstau in Herisau aufs Titelblatt. Die Ausgabe ist dem Appenzellerland gewidmet – beziehungsweise dem Lebensgefühl der hier lebenden oder von hier stammenden Menschen. Weggehen, dableiben, Anziehung und Abstossung, diese Hin- und Herbewegung ist nach Ansicht der Redaktion fürs Appenzellerland besonders typisch.

Geschickte Vermarktung

So reflektieren denn auch in einem Skype-Doppelinterview die beiden weggezogenen Kulturschaffenden Ueli Alder und Karin Enzler ihr Verhältnis zur alten Heimat sowie das Selbstbild der Appenzeller im Spannungsfeld zwischen echtem Heimatgefühl und cleverer Selbstvermarktung: «Wenn'd gnueg wiit fort goscht, bisch irgendwenn wieder of em Heeweg» – diesen Obertitel für eine Fotoserie habe er bei Tom Waits gefunden, sagt Fotograf Ueli Alder im Interview. Obwohl er das immer wieder betont habe, gelte heute das Song-Zitat als altes Appenzeller Sprichwort.

Dann geht es im Heft aber auch ganz konkret um den Pendelverkehr von Ausserrhoden nach St. Gallen werktags und um die gegenläufige Bewegung der Wanderfreunde ins Innerrhodische am Wochenende.

Geschickte Formulierung

Weiter werden Kulturschaffende porträtiert, die auf der Ledi-Bühne auftreten, sowie Mitwirkende im Hundwiler Festspiel. Im «Saiten»-Magazin kommt ausserdem der Ausserrhoder SP-Präsident Yves-Noël Balmer zu Wort; er hält Fingerspitzengefühl für eine notwendige Voraussetzung, um im Kanton mit linker Politik erfolgreich zu sein. So spricht er lieber vom «Ortsansässigen-Stimmrecht», wenn er das Ausländerstimmrecht meint – Politik sei eben halt auch Verpackung. (ua)