Vom Junker zum Hauptmann

Wendelin Mock ist im wahrsten Sinne des Wortes mit der Rhode Gonten gross geworden. Erst war er Junker, dann Fähnrich und am 26. April führt er zum zweitenmal als Hauptmann durch die Gontner Rhodsgemeindeversammlung.

Rosalie Manser
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2013 löste Wendelin Mock (rechts) Thomas Baumann (links) als Rhodshauptmann von Gonten ab. (Bild: pd)

2013 löste Wendelin Mock (rechts) Thomas Baumann (links) als Rhodshauptmann von Gonten ab. (Bild: pd)

HASLEN/GONTEN. Auch wenn Wendelin Mock praktisch schon sein Leben lang im Dienste der Rhode Gonten steht, ist er – zumindest was sein Wohnsitz anbelangt – Gonten untreu geworden. An diesem Abend trifft sich die Rhodskommission am Esstisch in Wendelin Mocks Wohnhaus in Haslen. Das dreiköpfige Gremium bespricht kurz den Ablauf der bevorstehenden Rhodsgemeindeversammlung am Landsgemeindesonntag. «Wir sind eine Rhodskommission, welche die Aufgaben ziemlich locker und unbürokratisch angeht», hält der 32jährige Rhodshauptmann fest. Das Gesellige soll an der Rhodsgemeinde im Vordergrund stehen. Dazu finden sich jeweils rund fünfzig Personen ein. «Das sind dann meistens richtige Familientreffen», freut sich Wendelin Mock.

Gereimte Rede

Der selbständige Maschinenmechaniker hat die ganze Rhoden-Hierarchie durchlaufen. Als Primarschüler diente er als Junker, später war er Fähnrich. 2008, ein Jahr, bevor er Vater wurde, gab er dieses Amt ab. «Obwohl eigentlich nur festgelegt ist, dass ein Fähnrich ledig sein muss, von kinderlos steht nirgends etwas», scherzt Wendelin Mock. 2013 wählte ihn die Rhodsgemeinde schliesslich zu ihrem Hauptmann. Seine erste Versammlung im vergangenen Jahr leitete er mit einer speziellen Rede ein: einem Gedicht. Darin stellte er beispielsweise die aktuellen Junkerbuben und den Fähnrich vor und auch kleine, nicht wirklich ernstgemeinte Seitenhiebe gegen andere Rhoden durften nicht fehlen: «Dromm wemme jetzt au ke Zyt velüüre ond tüend zögig dö die Rhodsgmeend stüre. I hoffe, e heiid de Apéro möge veliide. Get Rhode, die tüend ös do drom beniide!» Auch wenn die Rhode Gonten mit 20 000 Franken das kleinste Vermögen verwaltet, lassen es sich die Verantwortlichen nicht nehmen und offerieren den Anwesenden vor der Rhodsgemeinde alljährlich ein Gläschen Wein.

Laut sprechen wegen Schwende

Die Gontner finden sich traditionell für ihre «Gmeend» auf dem Landsgemeindeplatz ein, vor dem ehemaligen Wohnhaus der verstorbenen Künstlerin Sibylle Neff. «Dabei müssen wir ziemlich laut werden, damit wir von unseren Mitgliedern verstanden werden. Schliesslich hat die Schwendner Rhodskommission ein paar Meter weiter das Privileg, via Mikrophon vom «Stuhl» zu ihren Genossen sprechen zu dürfen», sagt Wendelin Mock. Bei Gonten rhodszugehörig können Personen mit den Namen Baumann, Broger, Fuchs, Hersche, Kegel, Mock oder Müller sein. Bei den Fässlers, Klarers, Peterers und Rechsteiners zählen nur bestimmte Spitznamenträger dazu.

Rhodsfahne an Hochzeit

An der diesjährigen Rhodsgemeindeversammlung müssen zwei neue Kommissionsmitglieder gefunden werden. Raffael Mock, Kassier, hat ebenso demissioniert wie die Aktuarin Judith Brülisauer, die vor einigen Monaten geheiratet hat. Obschon sie auch künftig bei der Gontner Rhodsgemeinde teilnehmen könnte, wird sie sich der Rhode ihres Mannes, der Schlatter, anschliessen. «Wohl die meisten Frauen, die bereits ledig ein Rhodsrecht besassen, nehmen nach der Heirat an den Versammlungen der Rhode des Mannes teil, damit die ganze Familie dieselbe Rhodszugehörigkeit besitzt», so Judith Brülisauer. Bei der einen oder anderen Rhode dürfte ihre Hochzeit für rote Köpfe gesorgt haben: «Fähnrich und Junker standen mit der Rhodsfahne während der Trauung vorne beim Altar. Was mich und meinen Mann sehr gefreut hat, rief andernorts Missbilligung hervor», weiss Judith Brülisauer. Der Grund: Die Rhodshauptleutekonferenz beriet sich 2012, dass der Fähnrich mit Fahne nur an Beerdigungen ehemaliger oder aktueller Rhodshauptmänner teilnimmt und bei Kommissionsmitgliedern, die im Amt sterben. «Wir dachten uns aber, dass ein Kommissionsmitglied mehr davon hat, wenn wir zu Lebzeiten mit der Fahne Präsenz markieren, und entsenden deshalb unseren Fähnrich und die Junker auch an Hochzeiten», erläutert Wendelin Mock.

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