Vom Illustrator bis zur Flamencotänzerin: Ausserrhodische Kulturstiftung verleiht Werkbeiträge in der Höhe von 90'000 Franken

Neun Kunstschaffende erhalten in diesem Jahr einen Werkbeitrag der Ausserrhodischen Kulturstiftung. Zudem werden zwei Artist-in-Residence-Stipendien verliehen. 

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Jährlich vergibt die Ausserrhodische Kulturstiftung Werkbeiträge an Kunstschaffende, die in Appenzell Ausserrhoden wohnhaft sind, das Bürgerrecht des Kantons besitzen oder einen besonderen Bezug zum Kanton nachweisen können. Die Stiftung ermöglicht durch ihre Beiträge das künstlerische Schaffen und fördert die Entwicklung von Begabungen. Im Jahr 2019 werden Werkbeiträge im Gesamtbetrag von 90000 Franken verliehen.  

Die Arbeitsgruppe Kunst und Architektur vergibt drei Werkbeiträge an Kunstschaffende höchst unterschiedlicher Ausrichtung. Anna Diehl (Jahrgang 1986), aufgewachsen in Teufen, schafft Malerei, Objekte und Installationen. Die Jury ist beeindruckt, in welch kurzer Zeit die junge Künstlerin im komplexen Feld der Malerei eigene Strategien entwickelt und ausformuliert hat. Der zweite Werkbeitrag geht an die in Herisau aufgewachsene Zeichnerin Beatrice Dörig (1968). Sie hat raumgreifende Arbeiten entwickelt, die laut Jury Mut zur Grösse mit Genauigkeit und einer akribischen Arbeitsweise verbinden.

Thomas Stüssi (1978), wohnhaft in Teufen, erhält nach 2009 zum zweiten Mal einen Ausserrhoder Werkbeitrag. Stüssi forscht an unterschiedlichen Materialien und deren sozialgeschichtlichen Zusammenhängen. In seinem aktuellen Projekt «Diamonds by Diamonds» überführt er dieses Interesse in eine komplexe Recherche zu Rohstoffen, Reisen, alchemistischen Wertumwandlungen und Befragungen des Kunstmarkts.

Zwei Illustratoren und ein Jazzpianist ausgezeichnet  

Schwerpunkt der diesjährigen Jurierung in der Fachgruppe Angewandte Kunst und Design ist Illustration. Dario Forlin (1992), aufgewachsen in Teufen und Trogen, hat seinen Stil konsequent weiterentwickelt, ebenso sein Arsenal abenteuerlicher Figuren, ob menschlich, pflanzlich oder maschinell. Die zweite Illustratorin, Pascale Osterwalder (1979) aus Speicher, überzeugte die Jury mit ihrem humorvollen und immer liebevollen Blick auf den menschlichen Alltag und dessen fast unmerklichen Absurditäten.

Jazzmusiker Claude Diallo. (Bild: Urs Bucher)

Jazzmusiker Claude Diallo. (Bild: Urs Bucher)

In der Sparte Musik wird mit Claude Diallo (1981) ein Jazzmusiker ausgezeichnet, der internationales Renommee geniesst. Diallo ist nach Jahren in den USA und zahlreichen Gastspielen in Asien heute in Trogen wohnhaft. Weniger im öffentlichen Fokus steht die Arbeit des Bassisten und Klangtüftlers Ruedi Tobler. In Niederteufen aufgewachsen, wirkt Tobler als E-Bassist in diversen renommierten Bands mit und unterrichtet. Daneben entwickelt er sein Soloprojekt «playmob.il», eine Recherche mit Zubehör von «historischen» Computern und Synthesizern.

Flamencotänzerin Bettina Castaño. (Bild: Michel Canonica)

Flamencotänzerin Bettina Castaño. (Bild: Michel Canonica)

Einen Werkbeitrag in der Sparte Literatur erhält die in Schwellbrunn aufgewachsene Eva Roth (1974). Die Autorin ist mit ihrem Roman «Blanko» (2015) bekannt geworden. Zudem schreibt sie Kürzestgeschichten, Gedichte und Kinderbücher. Ein zweiter Werkbeitrag in dieser Sparte geht an die in Teufen aufgewachsene und in Sevilla lebende Tänzerin Bettina Castaño-Sulzer (1965). Ihre internationale Karriere verzeichnet bisher rund 50 eigene Bühnenprogramme, welche die Flamenco-Tradition mit Musik aus anderen Kulturen in Dialog bringen.

Stipendien für Aufenthalte in Beirut und Hamburg

Neben den Werkbeiträgen vergibt die Kulturstiftung auch zwei Artist-in-Residence-Stipendien. Finanziert wird damit eine projektbezogene Auszeit an einem selbst gewählten, künstlerisch plausiblen Ort, wobei die Ergebnisse des Auslandaufenthalts anschliessend im Kanton präsentiert werden müssen.

Die in Gais aufgewachsene Künstlerin und Kuratorin Caroline Ann Baur (1986) reist nach Beirut und knüpft an der dortigen Webkunst an. Ausgehend von der Textilkünstlerin Etel Adnan will sie die gesellschaftlichen Verflechtungen und Potenziale der Stadt Beirut erforschen. Ziele sind ein Essayfilm und ein Künstlerbuch.

Auch die in Trogen lebende Malerin und Zeichnerin Sonja Hugentobler (1961) erhält ein Stipendium. Sie geht während eines Aufenthalts in Hamburg dem Schiffsverkehr und den Spuren des Schiffsthemas in der eigenen Familiengeschichte nach und setzt sie in ihre bildnerische Sprache um. Dabei sollen auch Appenzeller Auswanderergeschichten in den Blick kommen.

Hinweis: Die Vergabe der Werkbeiträge und Stipendien findet am Mittwoch, 11. Dezember, um 19 Uhr im Krombachsaal der Psychiatrischen Klinik Herisau statt.