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Vom Gemeindeschreiber zum Geschäftsführer: Marcel De Tomasi ist der neue Mann an der Spitze der Tosam-Stiftung in Herisau

Acht Jahre lang war er Gemeindeschreiber in Uzwil, nun wird Marcel De Tomasi Geschäftsleiter der Tosam-Stiftung in Herisau. Für den 39-Jährigen eine Herausforderung: Denn die Chefrolle ist Neuland für ihn.
Claudio Weder
Der neue Geschäftsführer der Tosam-Stiftung Marcel de Tomasi auf dem Hof Baldenwil. (Bild: Thomas Hary)

Der neue Geschäftsführer der Tosam-Stiftung Marcel de Tomasi auf dem Hof Baldenwil. (Bild: Thomas Hary)

Alles kommt, wie es kommen muss, sagt ein Sprichwort. Oder wie es der Zufall will. Letzterer hatte im beruflichen Leben von Marcel De Tomasi bestimmt schon das eine oder andere Mal seine Hände im Spiel. Der 39-Jährige macht es ihm aber auch leicht, ist er doch immer wieder darum bemüht, dem Zufall bewusst Raum zu geben. Ob es nun ein Zufall war, dass sich Marcel De Tomasi in diesem Frühjahr augenblicklich von der Stellenausschreibung der Tosam-Stiftung angesprochen fühlte, sei den Philosophen überlassen. Doch eines steht fest: War es tatsächlich einer, so war es bestimmt ein guter.

Eine akute berufliche Veränderungsabsicht habe De Tomasi nicht verspürt, sagt er. Dennoch sei der Stellenwechsel irgendwie schon vorprogrammiert gewesen. «Ich sagte mir von Anfang an, dass ich den Job als Ratsschreiber etwa zehn Jahre lang ausüben werde.» Was danach kommen sollte, wusste De Tomasi damals, als er die Stelle in Uzwil antrat, noch nicht. Nun steht fest: Am 1. Mai 2019 wird er in die Fussstapfen von Martin Grob treten, welcher der Tosam-Stiftung während dreissig Jahren als Geschäftsführer vorstand und kommendes Frühjahr in Pension geht.

Dass De Tomasi nach acht Jahren, also etwas früher als prognostiziert, die Uzwiler Gemeindekanzlei verlässt, habe letztlich nichts damit zu tun, dass ihm die Tätigkeit nicht mehr gefalle. Vielmehr sei der Stellenwechsel einem Bedürfnis entsprungen, sich beruflich weiterzuentwickeln. Die Zeit als Gemeindeschreiber von Uzwil habe er positiv in Erinnerung: «Ich schätzte das dynamische Umfeld, die inspirierenden Menschen und Aufgaben.»

Ein «freifliegender Mensch»

Trotzdem komme ihm der Tapetenwechsel gelegen: «Ich bin froh, dass ich von der eher passiven Rolle als ‹Gemeindesekretär› in eine aktivere Rolle als Geschäftsführer wechseln kann», sagt De Tomasi. «Ich freue mich auf mehr Gestaltungsraum und Entscheidungskompetenz.»

Auch im Privaten legt De Tomasi, der gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Henau wohnt und sich in seiner Freizeit mit Theologie beschäftigt, Wert auf Freiraum. «Ich bin ein freifliegender Mensch. Ich mag keine absoluten Konstanten, sondern liebe die ungebundene Projektarbeit.» Aus diesem Grund sei er wohl kein klassischer Vereinsmensch, wie er zugeben muss, obwohl er sich als Vereinspräsident in der Jugendmusik Uzwil engagiert.

In beiden Welten zuhause

Doch auch im Berufsleben bezeichnet sich De Tomasi als freifliegend. Ein Blick auf seinen Lebenslauf bestätigt das. Er habe zwar immer das klare Ziel vor Augen gehabt, eine Aufgabe mit hohem Sinngehalt und grossem Gestaltungsspielraum innezuhaben, aber nie ein konkretes Stellenziel verfolgt.

Nach der kaufmännischen Lehre folgten verschiedene berufliche Stationen: Er arbeitete im Callcenter, später auf dem Steueramt, bevor er als Gemeindeschreiber zunächst in Horn, dann in Uzwil amtete. Dabei stets im Hinterkopf: das Ziel, sich beruflich weiterzuentwickeln. So folgten auf das berufsbegleitende Studium der Betriebsökonomie an der HTW Chur zwei Weiterbildungen im Management-Bereich; aktuell absolviert der 39-Jährige einen Master an der ZHAW Winterthur in Public Management.

Als neuem Tosam-Chef liegt De Tomasi vor allem die positive Entwicklung der Stiftung am Herzen. «Als Auffangbecken für Leute, die es schwierig haben, eine Anstellung zu finden, ist die Tosam-Stiftung eine ausserordentlich wichtige Institution.» In diesem sozial-humanitären Rahmen einen Beitrag leisten zu können – und zwar einen für die betroffenen Menschen nachhaltigen – stehe bei ihm an oberster Stelle.

Nicht zuletzt will der zweifache Familienvater, der sich selbst als offenen, zugänglichen, konstruktiven und lösungsorientierten Menschen beschreibt, ein guter Ansprechpartner sein, sowohl intern als auch extern. «Bei der Tosam-Stiftung haben wir viele gegenläufige Interessenlagen. Die Herausforderung wird darin bestehen, weder die Interessen der Klienten noch diejenigen der Auftraggeber zu bevorzugen. Ich will, dass beide Parteien profitieren. Ich bin weder Sozialarbeiter noch habe ich einen radikal betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Aber ich kenne beide Welten und glaube, dass ich damit gute Voraussetzungen mitbringe.»

Ein Lebenswerk weiterführen

Bis Ende April wird De Tomasi der Gemeinde Uzwil als Ratsschreiber erhalten bleiben. Auf den Jobwechsel vorbereiten könne er sich aber nur bedingt: «Ich lasse alles auf mich zukommen», sagt er. Was nicht bedeute, dass er den bevorstehenden Stellenwechsel auf die leichte Schulter nehmen werde, denn schliesslich sei alles Zukünftige Neuland für ihn, sowohl die Branche als auch die Rolle. «Es ist ein Unterschied, ob man als ‹rechte Hand› in die Führungsstruktur eingebunden ist oder ob man selbst an der Spitze steht.»

An die aktive Rolle als Geschäftsführer müsse sich De Tomasi daher zuerst gewöhnen. Folglich werde er seiner neuen Aufgabe auch mit dem nötigen Respekt begegnen – nicht zuletzt deshalb, weil er in die Fussstapfen von Martin Grob tritt und damit ein 30-jähriges Lebenswerk weiterführt: «Es ist nicht bloss ein Job, den man annimmt, sondern ein Erbe, das man antritt.»

Die Stiftung Tosam

Die Stiftung Tosam wurde 1989 mit Sitz in Herisau gegründet. Mit dem Ziel, parallel zum ersten Arbeitsmarkt auch im alternativen Arbeitsmarkt ein möglichst vielfältiges Angebot an Arbeitsplätzen zur Verfügung zu stellen, hat sie sich seither stets weiterentwickelt. Heute gehören elf Betriebe in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen zur Stiftung: darunter etwa der Hof Baldenwil in Schachen bei Herisau, der Win-Win-Markt Herisau oder die Brockenhäuser in Flawil und Degersheim. Die Institution finanziert sich durch Erträge aus den Betrieben, Beiträge der öffentlichen Hand sowie durch Spenden und Legate. (wec)

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