Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der einzige Appenzeller in der Super League

Am Samstag empfängt der FC St. Gallen Neuchâtel Xamax. Seit diesem Sommer gehört Kemal Ademi dem Kader des Aufsteigers an. Die Eltern des 22-jährigen Herisauers kamen einst als Flüchtlinge in die Schweiz.
Jesko Calderara
Der ehemalige FCSG-Junior Kemal Ademi traf für Xamax erst im Cup. (Bild: Freshfocus)

Der ehemalige FCSG-Junior Kemal Ademi traf für Xamax erst im Cup. (Bild: Freshfocus)

Dem Klischee des typischen Appenzellers entspricht Kemal Ademi nun wahrlich nicht. Mit seinen 1,98 Metern gehört der Angreifer von Xamax zu den grössten Spielern der Super League und ähnelt von der Statur her YB-Stürmer Guillaume Hoarau. Der 22-jährige Herisauer spielt seit dieser Saison beim Aufsteiger und ist zurzeit der einzige Fussballer aus dem Appenzellerland in der höchsten Schweizer Liga.

Unterschiede in der Mentalität

Im Sommer wechselte Ademi vom Bundesligisten Hoffenheim, wo er in dessen U23-Regionalliga-Mannschaft zum Einsatz gelangte, an den Neuenburgersee. Die Umstellung ist gross, weniger auf dem Rasen als daneben. Da sind beispielsweise Unterschiede in der Mentalität. Die Westschweizer würden anders ticken als die Deutschschweizer oder die Deutschen, sagt Ademi. Auch sprachliche Hürden machen die Integration in die neue Umgebung nicht einfach. So spricht Xamax-Trainer Michel Decastel, der als Weltenbummler gilt und unter anderem in Tunesien, Katar und Abu Dhabi tätig war, kein Englisch.

Schwere Verletzung wirft Ademi zurück

Von solchen Unwegsamkeiten lässt sich Ademi allerdings nicht beirren. «Ich will mich bei Xamax durchsetzen und menschlich weiterentwickeln.» Zulegen müsse er an mentalen Fähigkeiten. Zu seinen Stärken gehören dagegen die Schnelligkeit und – bei seiner Grösse kaum verwunderlich – das Kopfballspiel. Um ein kompletterer Fussballer zu werden, studiert er regelmässig die Laufwege und Persönlichkeit seines grossen Vorbilds («von ihm weiss ich alles») Zlatan Ibrahimovic. Der schwedische Star-Stürmer und Egozentriker hat es Ademi angetan.

Aufgrund eines Muskelfaserrisses kam er in der laufenden Saison erst in sieben Meisterschaftsspielen zum Einsatz – bislang noch ohne Torerfolg. Einzig im Cup traf er einmal. Letztlich war es die Aussicht auf mehr Spielpraxis, die ihn zum Wechsel in die Schweiz bewog. Solche hatte er zuletzt nach einer schweren Verletzung ein Jahr lang keine. Im April 2017 zog sich Ademi im Training ohne fremde Einwirkung einen Kreuzbandriss zu. Das bedeutete ein halbes Jahr Trainingspause und einen Rückschritt in der Entwicklung. Dabei setzte Hoffenheim grosse Hoffnungen in sein Nachwuchstalent. Trotz allem denkt Ademi gerne an seine Zeit im Kraichgau. Einen bleibenden Eindruck hinterliess bei ihm Julian Nagelsmann. Regelmässig trainierte Ademi im Kreis des Bundesligateams der Hoffenheimer unter dem Shooting-Star der deutschen Trainer, welcher 2019 zu RB Leipzig geht. Noch heute gerät Ademi ob dessen taktischen Fähigkeiten ins Schwärmen. Dabei verwendet Nagelsmann spezielle Methoden. So wurde jede Trainingseinheit auf Video aufgenommen. Sah Nagelsmann bei seinen Spielern Defizite, sprach er diese mit Hilfe eines grossen Bildschirms neben dem Trainingsplatz umgehend an.

Keine berufliche Ausbildung absolviert

Den Schritt 2015 aus dem Nachwuchs des FC St. Gallen nach Deutschland hat Ademi trotz der zuletzt schwierigen Zeit nie bereut. Der Wechsel zu Hoffenheim kam auch dank der guten Kontakte seiner Berater Michele und Renato Cedrola von der Front Group zustande. Eine einfache Entscheidung war es dennoch nicht. Die Familie Ademi wog Vor- und Nachteile sorgfältig ab. Denn der Auslandstransfer bedeutete letztlich, dass das damals 19-jährige Talent ganz auf die Karte Fussball setzte und auf eine berufliche Ausbildung verzichtete.

Traum vom Ausland bleibt

Der Transfer zur Hoffenheim war für Ademi, der schweizerisch-deutscher Doppelbürger ist, eine Rückkehr in sein zweites Heimatland. Seine Eltern sind vor dem Krieg im Kosovo nach Villingen-Schwenningen geflüchtet. Dort kam er zur Welt, bevor die Familie nach Herisau zügelte, wo die Eltern noch heute leben. Als Junior spielte Kemal Ademi einige Jahre beim FC Herisau, später dann in der Nachwuchsabteilung des FC St. Gallen.

Am Samstagabend um 19 Uhr trifft er mit Xamax im Kybunpark auf seinen Jugendverein. «Für mich wird es ein spezielles Spiel», betont er. Zum einen kennt er einige FCSG-Spieler persönlich, zum anderen wird die Familie im Stadion sein. Sein Vertrag läuft bis Ende der Saison, Xamax verfügt jedoch über eine Option, diesen zu verlängern. Den Traum, eines Tages in einer grossen ausländischen Liga Fussball zu spielen, hat Ademi noch längst nicht begraben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.