Vom Dulipp zum Action

Der in Speicher aufgewachsene Manuel Kühne kann ausüben, wozu er sich berufen fühlt. Er wirkt am Luzerner Theater als freier Schauspieler und hat im Musical «West Side Story» eine Gastverpflichtung.

Martin Hüsler
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Manuel Kühne (oben links) als Action in Bernsteins «West Side Story». (Bild: Ingo Höhn)

Manuel Kühne (oben links) als Action in Bernsteins «West Side Story». (Bild: Ingo Höhn)

LUZERN/SPEICHER. Spätsommer 2002: Im Innenhof von Trogens Fünfeckpalast wird Helen Meiers Stück «Die Vereinbarung» aufgeführt. Zum Ensemble gehört Manuel Kühne aus Speicher, der den Dulipp, Vertreter einer Baufirma, gibt. – Spätsommer 2011: Im Luzerner Theater erfährt Leonard Bernsteins «West Side Story» eine Wiederaufnahme, nachdem das Musical bereits in der Saison 2010/11 auf dem Spielplan stand. Zum Ensemble gehört der gleiche Manuel Kühne. Hier mimt er den Action, ein Gangmitglied der amerikanischen Jets, die sich mit den puertoricanischen Sharks erbittert duellieren.

Zwischen dem als Laiendarsteller verkörperten Dulipp aus dem Jahr 2002 und dem als professioneller Akteur agierenden Action aus dem Jahr 2011 liegt ein langer Weg, den zu beschreiten sich Manuel Kühne bereits als Bub gewünscht hatte. «Ich wollte schon immer Schauspieler werden», sagt er im Gespräch, das wir auf einem Balkonrestaurant hoch über der Reuss gegenüber dem Luzerner Theater führen.

Zuerst etwas «Seriöses»

Für einmal muss man das Klischee, wonach Eltern von ihren Kindern, die ihre berufliche Zukunft auf der Bühne sehen, zunächst das Setzen eines Standbeins in einen «seriösen» Beruf zur Vorbedingung machen, nicht bemühen. Irene und Robert Kühne haben allerdings nichts dagegen, dass der 1979 geborene Sohn Manuel nach der Schule eine KV-Lehre bei der Swica absolviert und dort als Sachbearbeiter einstweilen angestellt bleibt. Die Zeit zwischen Schule und Lehre hat er mit Aushilfsjobs und mit Reisen überbrückt. Das ihm grossmütterlicherseits vererbte komödiantische Gen kommt im Theater St. Gallen zum Tragen, wo Manuel Kühne als Statist bei manchen Aufführungen Einblick in jene Welt erhält, in der er heute fest verankert ist.

Studienplatz in Bern

Der Wille, Schauspieler zu werden, bleibt in all der Zeit stets wach. Manuel Kühne meldet sich bei den Schauspielschulen Zürich und Bern, erhält beidenorts einen Studienplatz zugesichert und entscheidet sich schliesslich für Bern, wo er 2002 mit dem Studium beginnt.

In seine vierjährige Studienzeit fällt der strukturelle Wandel der Ausbildungsstätte, wird doch die einstige Schauspielschule des Konservatoriums Bern 2004 als Fachbereich Theater Teil der Hochschule der Künste Bern. «Es waren stark fordernde Jahre in Bern, in denen man wirklich voll <Gas geben> musste, um ans Ziel zu gelangen», erinnert sich Manuel Kühne, der von seinen Eltern Unterstützung erhält und dem auch Stipendien vom Kanton und von Stiftungen zustatten kommen. Mit dem Diplom schliesst er 2006 die Hochschule der Künste ab.

Auf die Bühne

Schon in der Studienzeit steht Manuel Kühne auf diversen Bühnen; so im Städtebundtheater Biel-Solothurn (Lysander in «Rose und Regen, Schwert und Wunde» von Beat Fäh/William Shakespeare), im Theater an der Effingerstrasse in Bern (Alexis Woinov in «Die Gerechten» von Albert Camus) und auch bereits im Theater Luzern (Heinrich in «Jakob von Gunten» von Robert Walser). Ab 2006 wird das Theater Luzern zu Manuel Kühnes Wirkungsstätte. Nebenher laufen Verpflichtungen in Filmen und in der Werbung. So wirkt er unter anderem in der musikalischen Modeschau «Mode – was für ein Theater» mit. In der Saison 2006/07 spielt er als freier Schauspieler in drei Stücken mit, ab der Saison 2007/08 bis zur Saison 2010/11 gehört er als Festengagierter zum Ensemble.

Unterschiedlichste Typen

In zahlreichen Rollen (siehe Kasten) kann er Typen unterschiedlichsten Charakters verkörpern. «Ich liebe es, eine Rolle entwickeln zu können, wie es in kleiner besetzten Stücken eher möglich ist», sagt Manuel Kühne, der Robert Kuchenbuch als sein grosses Vorbild bezeichnet. «Ich habe ihn als Woyzeck in St. Gallen erlebt, als ich noch der Statisterie angehörte. Er hat mich in meinem Bestreben, Schauspieler zu werden, bestärkt und wesentlich dazu beigetragen, dass ich dieses Ziel auch erreicht habe.» Dass die Schauspielerei viel mit Berufung und Leidenschaft zu tun hat, macht seine Aussage deutlich, wonach sich rein vom Lohn her keine Schätze aufhäufen lassen und die Pflichten stärker zu gewichten sind als die Rechte.

Fragt man Manuel Kühne nach Rollen, die er unbedingt noch spielen möchte, so lenkt er die Frage um: «Es ist weniger wichtig, gewisse Rollen zu spielen, als vielmehr, mit gewissen Leuten zu spielen.» Das Auswendiglernen fällt ihm relativ leicht. «Ich lese ein Stück durch, lege den Text zunächst weg und lese ihn später abermals durch. Dann erst beginnt die Feinarbeit, sei es allein oder in den Proben», gibt er eine Vorstellung vom Erarbeiten einer Rolle.

Als Lehrkraft tätig

In der eben angelaufenen Saison 2011/12 ist Manuel Kühne noch elfmal als Action in der «West Side Story» zu erleben, jetzt aber in der Position eines freien Schauspielers. Danebst erteilt er, wie er das schon seit 2009 tut, Unterricht an der Musical Factory Luzern, wo er Improvisation, das Erarbeiten von Monologen und Sprecherziehung vermittelt. Und ein grosses Hobby bleibt die Musik, der er sich als Leadsänger in einer Band intensiv widmet.

Manuel Kühne auf der Reussbrücke, die zu seiner Wirkungsstätte, dem Luzerner Theater, führt. (Bild: hü)

Manuel Kühne auf der Reussbrücke, die zu seiner Wirkungsstätte, dem Luzerner Theater, führt. (Bild: hü)

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