Vom Dorf nicht losgelassen

Dass er für den Rest seines Lebens in Urnäsch bleiben würde, hätte sich Jakob Osterwalder nicht träumen lassen, als er vor 40 Jahren seine Stelle antrat.

Johannes Wey
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Urnäsch war Jakob Osterwalder schon bei der ersten Begegnung sympathisch. (Bild: jw)

Urnäsch war Jakob Osterwalder schon bei der ersten Begegnung sympathisch. (Bild: jw)

urnäsch. Als ich nach Urnäsch fuhr, das Dorf und das Panorama sah, war es mir sofort sympathisch», blickt Jakob Osterwalder zurück. Diesen ersten Eindruck von Urnäsch erlangte der Lehrer auf dem Weg zu seinem Vorstellungsgespräch. Gleich nach seiner Patentierung 1971 hatte der knapp 20-Jährige aus St. Gallenkappel eine Stelle als Abschlussklassenlehrer in Urnäsch gefunden. Ein Herisauer Studienkollege hatte ihn darauf aufmerksam gemacht. Die Sympathie scheint bis heute Bestand zu haben, denn nach 40 Jahren ist Osterwalder noch immer an der Urnäscher Oberstufe tätig. «Dass ich gleich ein Leben lang hierbleiben würde, hätte ich dennoch nicht gedacht», so Osterwalder, auch nicht, als er an der Schule seine heutige Frau kennenlernte, die ebenfalls als Lehrerin tätig war.

Traumhaus «Totehüsli»

Doch das Dorf liess ihn nicht mehr los. Als er mit dem Gedanken spielte, Urnäsch zu verlassen, bekam das Ehepaar, das inzwischen auch Kinder hatte, die Gelegenheit, das «Totehüsli» zu mieten. «Für mich war das ein absolutes Traumhaus», sagt der bald 60-Jährige: freistehend, mit viel Umschwung für die Kinder. Auch seine Stelle erwies sich als zu interessant, als dass er sie leichtfertig hätte aufgeben können: Als die alten Schulhäuser durch einen Neubau in der Au ergänzt werden mussten, konnten er und ein Kollege die Lehrerschaft aktiv in der Planungs- und Baukommission vertreten. Das neue Schulhaus wurde 1982 eingeweiht. «Wir betrachteten es dann schon als <unser> Schulhaus.» Ausserdem ist Osterwalder seit sechs Jahren Teamleiter der Oberstufe. «Ein weiterer Grund, weshalb es mir hier so gut gefällt, ist, dass wir von der Basis her viel mitgestalten können», sagt er. Die Schulleitung lässt die Lehrer ihre Meinung einbringen.

Für Osterwalder war immer klar, dass er als Lehrer arbeiten will – auch wenn er, wie er selbst sagt, ziemlich blauäugig in diesen Beruf hineingekommen sei. «Ich hatte in der Schule mit meinen Lehrern gute Vorbilder, war vielfältig interessiert und las viel – ich ging gern in die Schule.» Deshalb habe er das Lehrerseminar begonnen. Für die damalige Abschlussklasse, die heutige Sek G, entschied er sich, weil er sich so in den Fächern weniger einschränken musste und weil er den Unterricht mit den etwas schwächeren Schülern als eine grössere Herausforderung empfand.

Wesentliches blieb gleich

In 40 Jahren als Lehrer hat Jakob Osterwalder so manche Änderung hautnah miterlebt: Früher sei der Unterricht beispielsweise viel repetitiver angelegt gewesen. Heute ist er laut Osterwalder abwechslungsreicher, aber auch anspruchsvoller. «Für Schüler mit Problemen kann das schwierig sein», sagt er. Die Fremdsprachen haben erheblich an Gewicht gewonnen, dafür sind praxisorientierte Fächer wie Werken oder Hauswirtschaft/Kochen in den Hintergrund gerückt.

Allerdings sieht Osterwalder auch grosse Vorteile, allen voran dass das kooperative Modell mit der Einteilung in Sek G (grundlegende Anforderungen) und Sek E (erhöhte Anforderungen) durchlässiger sei und den individuellen Stärken und Schwächen besser gerecht werde – und natürlich haben auch die Computer Einzug ins Klassenzimmer gehalten. Das Grundlegendste, die Arbeit mit den Schülern, sei aber gleich geblieben: «Das Wichtigste ist nach wie vor, eine gute Beziehung zu den Schülern zu haben und sich für sie zu engagieren», sagt Osterwalder.

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