Vom Bankdirektor zum dubiosen Geschäftsmann

TROGEN. Gegen einen 76-jährigen Consultant aus Teufen läuft eine Strafuntersuchung der Ausserrhoder Staatsanwaltschaft wegen Betrugs. Im gleichen Fall trafen sich dieser Berater und ein deutscher Investor in einem Zivilprozess vor dem Kantonsgericht.

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Die Forderung lautet auf 125'600 Franken. Nach der Verhandlung am Montag wurde kein Urteil gefällt. Das Gericht will neue Beweise erheben und Zeugen einvernehmen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Vorwürfe des Klägers lauten auf Betrug, Veruntreuung und Urkundenfälschung. Die Staatsanwaltschaft stellte das Strafverfahren vor einem Jahr ein. Begründung: Der Investor habe sich leichtsinnig verhalten.

Für Obergericht war es Arglist
Das Obergericht war anderer Meinung. Es hiess die Beschwerde des Investors teilweise gut und wies den Fall an die Staatsanwaltschaft zurück. Zwei Betrugsvorwürfe sah es wegen Arglist als begründet an. Deshalb trafen sich die Kontrahenten nun zuerst im Zivilprozess.

Der Finanzfachmann aus Teufen war von 1980 bis 1992 Direktor einer Bank gewesen. Der Kläger tätigte mit dem Consultant Geschäfte. Ein Darlehen von 70'000 Franken für Investitionen im Kosmetikbereich endete mit Totalverlust. An dieser Firma war der Berater mit einer seiner Firmen mit 20 Prozent beteiligt.

Zwei ominöse "Stammanteile"
Über seine Consulting-Firma war der Teufner Finanzberater an einer Handelsgesellschaft in Sulgen beteiligt. Der Kläger gewährte ein Darlehen von 70'000 Franken. 45'000 sollten für die Übernahme von zwei Stammanteilen von je 7000 Franken an der Gesellschaft in Sulgen verwendet werden.

25'000 Franken waren für die Finanzierung des Verkaufs der neuen Generation der Kreditkartenterminals und Schulungsräume vorgesehen. Vereinbart wurden 8 Prozent Zins. Zur Sicherung diente ein Inhaberbrief auf ein Haus. Der Consultant habe einen Strohmann als Darlehensnehmer vorgeschoben, sagte der Anwalt des Klägers.

"Riesenschwindel"
Als die Rückzahlung fällig wurde, forderte der Kläger wiederholt vergeblich die Zahlung; vom Strohmann erhielt er eine Schuldanerkennung, die Zession einer angeblichen Forderung gegenüber einer Polstermöbelfabrik sowie zwei Stammanteile der Sulgener Handelsgesellschaft. Das − so der Anwalt des Klägers − habe sich als Riesenschwindel entpuppt, die der Consultant inszeniert habe: Dieser habe alle Stammanteile für sich und seine Firma beansprucht.

Bordell mit Wasserfall
Später kam heraus: Die Kreditkartenfirma wusste von nichts. Die Schulungsräume entpuppten sich laut dem Anwalt des Klägers als verfallener Stall mit Gerümpel; im Haus war ein Bordell (Club 7) mit Solarium, Sauna, Getränke, Snacks, Girls, finnische Sauna mit Kaltwasser-Pool und Wasserfall, so der Anwalt. Das Strafverfahren habe ergeben: Der Consultant habe das Geld für sich selber, eine seiner Firmen und Unbekannte verwendet. Die Liegenschaft sei massiv überlastet.

Der Vorwurf des Anwalts des Investors: Der Consultant habe die Darlehen behändigt. Der völlig überschuldete Strohmann sei nur williges Werkzeug gewesen. Der Anwalt des Beklagten verlangte Abweisung der Klage, Aufnahme neuer Beweise und Beizug aller Akten des Strafverfahrens. Er bestritt alle Vorwürfe.

Das Obergericht sei von einer falschen Unterstellung ausgegangen. Der Investor habe möglichst hohe Zinsen erzielen wollen und sich mehr als nur leichtsinnig verhalten. Der Kläger habe mit dem Strohmann Millionendinge drehen wollen. Der Teufner habe nichts davon gehabt, ausser Ärger. Er habe sich nicht persönlich bereichert. (sda)

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