VOLTIGE: Bedürfnis verhindert Goldmedaille

Voltige Lütisburg gewinnt an der Europameisterschaft im österreichischen Ebreichsdorf die Silbermedaille hinter Deutschland. Nadja Büttiker sorgt für die erste Einzelmedaille in der Vereinsgeschichte.

Urs Nobel
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Nach der ersten Enttäuschung über entgangenes Gold kam Freude und Stolz über den Gewinn der Silbermedaille auf. (Bild: Marina Koller)

Nach der ersten Enttäuschung über entgangenes Gold kam Freude und Stolz über den Gewinn der Silbermedaille auf. (Bild: Marina Koller)

Urs Nobel

urs.nobel@wilerzeitung.ch

Im österreichischen Ebreichsdorf gewann das Team Lütisburg auf dem zwölfjährigen Westfalenwallach Rayo de la Luz an der Longe von Monika Winkler-Bischofberger die EM-Silbermedaille. Die Toggenburger zeigten sich zuerst enttäuscht darüber, dass es nicht zu Gold reichte, freuten sich dann aber doch über die Silbermedaille. Vor dem abschliessenden Kürdurchlauf lagen Nadja Büttiker, Ramona Näf, Aline Koller, Kyra Seiler, Elisabeth Bieri und Samira Koller noch in Führung, mussten sich dann aber noch auf der Zielgeraden vom deutschen Team abfangen lassen. Die Differenz zum Sieger betrug winzige zwölf Tausendstelpunkte. Das Bedürfnis (Darmentleerung) von Rayo könnte diese Differenz ausgemacht haben. Der dunkle Wallach, der erst knapp vier Monate im Besitz der Lütisburger ist, verfiel nämlich im ungünstigsten Moment vom Galopp in den Trab. Der Longenführerin Monika Winkler-Bischofberger waren die Hände gebunden. Sie konnte Rayo nicht vorantreiben, weil in jenem Moment drei Voltis auf dem Pferd turnten und die Gefahr eines Absturzes zu gross gewesen wäre. «Anfänglich machte ich mir schon Vorwürfe deswegen, dass ich nicht reagierte. Die Gesundheit meiner Schützlinge war mir aber wichtiger.»

Schweizer als Spielverderber der Schweizer

Kurt Bischofberger, der Vereinspräsident, sah die Differenz zu den Deutschen aus einem anderen Aspekt: «Wir hätten in der Pflicht ein grösseres Polster auf die Konkurrenz haben müssen. Köln verzeichnete seine Vorteile in der Kür im artistischen Bereich.» So gewann das deutsche Team mit einer Note von 8,419 Gold auf Danny Boy. Pikant: das deutsche Team wurde vom St. Galler Patric Looser, dem Einzelweltmeister von 2010, an der Longe geführt. Mit der Note 8,407 blieb für die Ostschweizerinnen wie schon an der EM 2015 in Aachen «nur» der zweite Platz. Das Team hatte sich das hohe Ziel gesetzt, die Goldmedaille zu gewinnen.

Erstmals Einzelmedaille in der Vereinsgeschichte

War die Silbermedaille für das Team anfänglich eine Enttäuschung, so war die Freude über die Bronzemedaille im Einzel von Nadja Büttiker im Frauen-Einzel riesig. «Erstmals in unserer Vereinsgeschichte gewann eine Einzelvoltigiererin von uns eine Medaille. Sie schaffte es in der Einzelwertung erstmals bei einem kontinentalen Championat auf das Podest.» Nadja Büttiker startete auf Keep Cool und wurde von ihrer Trainerin Monika Winkler-Bischofberger an der Longe geführt.

Die 24-jährige Toggenburgerin lag in der Qualifikation nach der Pflicht in Führung, um in der Kür einen Rang zu verlieren. Im Finaldurchgang lag sie nach dem Technikprogramm zwischenzeitlich auf Rang 5, um mit der Kür wieder Boden gutzumachen und Bronze zu gewinnen. Mindestens so erfreulich ist der achte Rang von Ramona Näf an ihrem ersten internationalen Championat. Kurt Bischofberger dazu: «Bereits der Einzug in die Finalrunde muss als Erfolg gewertet werden.»

Die zwei gewonnenen EM-Medaillen der Lütisburgerinnen wurden noch mit einer Medaille an der Junioren-WM aufgewertet. Der RV Tösstal, bei dem auch die ausgeliehene Lütisburgerin Daria Gallo startete, wurde überraschend Bronzemedaillengewinner mit dem Team. Daria Gallo startete zudem im Junioren-Einzel, schaffte den Finaleinzug aber nicht. Der St. Galler Lukas Heppler schaffte die Medaillenränge nicht und wurde Vierter.