Vollzugsmeldung mit Torflut

Während Herisau beim 3:4 gegen Balzers die fünfte Niederlage in sechs Spielen seit Ende April einsteckt, gewinnt Widnau beim 2:2 gegen Amriswil einen Punkt. Die Ausserrhoder stehen als Absteiger in die regionale 2. Liga fest.

Lukas Pfiffner
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Herisauer Enttäuschung – wie bei Nachwuchs-Verteidiger Luca Keller. (Bild: dsc)

Herisauer Enttäuschung – wie bei Nachwuchs-Verteidiger Luca Keller. (Bild: dsc)

FUSSBALL. Als der Schiedsrichter die Partie gegen Balzers abpfiff, interessierte sich herisauerseits praktisch niemand für das Resultat aus dem Rheintal. Mannschaft und Umfeld des FC Herisau hatten sich schon vorher mit dem Abstieg abgefunden. Dieser wurde am Samstag rechnerisch vollzogen: Widnau, das zur Winterpause noch mit Herisau gleichauf gewesen war und sich für den Frühling namhaft verstärkt hat, punktete im zehnten Spiel des Jahres 2010 zum siebtenmal (Herisau nur dreimal) und liegt drei Runden vor Saisonschluss zehn Punkte vor Herisau.

Vor zehn Jahren verlassen

Zwei Jahre nach dem Abstieg aus der 1. Liga und ein Jahr nach dem Ligaerhalt «am grünen Tisch» steht fest, dass der FC Herisau die nächste Meisterschaft in der regionalen 2. Liga absolvieren wird. Es sei denn, der Verband veröffentlicht per Saisonende wieder Rückzüge von einem oder mehreren Vereinen. Vor einem Jahr hatte nur der Verzicht des FC Massongex Herisau in der interregionalen 2. Liga gehalten. Der regionalen 2.

Liga hatten die Ausserrhoder zuletzt in der Saison 1999/2000 angehört, ehe sie unter dem Spielertrainer Simo Mouidi aufgestiegen waren.

Wieder frühes 0:3

Im Ebnet war am Samstag Roger Beck Mann des Spiels, der zwischen der 10. und 29. Minute einen Hattrick erzielte und in der Schlussphase noch einen Pfostenschuss verzeichnete. Dem 27jährigen Stürmer zeigte sich Herisau nicht gewachsen. Mit einfachen Mitteln liess sich die Abwehr der Gastgeber immer wieder düpieren.

Beim 0:1 wurde Beck auf links freigespielt und setzte sich im Laufduell gegen Schuler durch, beim 0:2 verwertete er eine Flanke Hanselmanns von rechts, beim 0:3 lief er zentral alleine auf das Tor zu und verwertete nach einer verzweifelten Abwehr Gysis den Abpraller selber.

Überforderte Herisauer

Der Auftritt der überforderten Einheimischen schien ein weiteres Mal unter dem Motto zu stehen: «Herisauer Jugend forscht».

Dabei wies der Gast ein Durchschnittsalter auf, das bemerkenswerterweise mehr als zwei Jahre tiefer lag als jenes der Ausserrhoder. Balzers war auf dem Weg zu einem ähnlich hohen Sieg wie im Herbst (6:0). Aber Herisau rappelte sich auf und konnte ein Desaster verhindern – auch dank Liechtensteiner Mithilfe. Nach 40 Minuten lenkte Ritter eine Hereingabe Folladors mit dem Kopf zum 1:3 ins eigene Tor.

«Nicht in den Ferien!»

Diese Ungeschicklichkeit korrigierte Aliu noch vor der Pause, als er einen Vorstoss Becks ohne Probleme im Nachschuss zum 1:4 vollendete. «Wir sind hier nicht in den Ferien!», hatte Balzers-Trainer Michael Nushör schon kurz nach Beginn gerufen. Er wollte dem Schlendrian seiner überlegenen Spieler vorbeugen.

Einmal Pfosten, einmal Latte

Trotzdem nahm es der Gast mit der Deckungsarbeit bald (auch) nicht mehr genau, und die Inspiration und das Tempo nach vorne waren nur noch teilweise vorhanden.

Anstatt sieben Tore hätte es am Pfingstsamstag gesamthaft auch ganz gut zehn oder elf geben können.

Wieland beim Stande von 0:1 und Kälin beim Stande von 1:4 trafen für die Einheimischen ebenfalls die Torumrandung, und zur Mitte der zweiten Halbzeit wehrten innert weniger Sekunden für Herisau zweimal Torhüter Gysi und einmal Wieland in extremis auf der Linie.

Herangekämpft

In den Spielen des FC Balzers fallen so viele Tore wie bei keiner anderen Mannschaft der Gruppe 5 (105 in 23 Runden). Dies zeugt von offensiven Qualitäten, aber auch von teilweise abenteuerlichem Abwehrverhalten. Letzteres begleitet auch die Herisauer saisonfüllend; neuerdings und bezüglich Ligaerhalt deutlich zu spät leben sie zudem ungewohntem Offensivgeist nach – 10:14 lautet ihre Torbilanz der vergangenen vier Runden.

Die Gastgeber beklagten am Samstag immer wieder rasche Ballverluste (und sie reklamierten ein paar Sekunden vor dem zweiten Gegentreffer vergeblich ein Strafraum-Foul Willes an Wieland), fanden aber mit bemerkenswerter Moral in die Zweikämpfe und ins Spiel zurück. Durantes schöne Einzelleistung trug das 2:4 ein (75.), Wielands Freistoss in die tiefe linke Ecke gar das 3:4 (83.).

An die anfänglich deutlichen Feldvorteile der Gäste erinnerten längst nur noch Ansätze, und bei einem Herisauer Corner in der Nachspielzeit (als sich selbst Torhüter Gysi im Strafraum aufhielt) war der Balzers-Sieg noch in Gefahr.

Aufsteiger gegen Absteiger?

Die Liechtensteiner wurden aber nicht dafür bestraft, sich einem bescheidenen Gegner punkto Rhythmus angepasst und Zielstrebigkeit wie Konzentration zur Halbzeit in der Garderobe gelassen zu haben.

Während für Balzers in der Schlussphase der Meisterschaft der dritte Platz als Ziel bleibt, spielt Absteiger Herisau möglicherweise eine sehr direkte Rolle bei den Aufstiegsfeierlichkeiten des SC Brühl: Der Tabellenführer aus dem Osten der Stadt St. Gallen kann am kommenden Samstag mit einem Heimsieg gegen Herisau die letzten Eventualitäten beseitigen.

Herisau – Balzers 3:4 (1:4) Ebnet – 105 Zuschauer – Sr. Wick. Tore: 10. Beck 0:1. 19. Beck 0:2. 29. Beck 0:3. 40. Eigentor Ritter 1:3. 44. Aliu 1:4. 75. Durante 2:4. 83. Wieland 3:4. Herisau: Gysi; Keller, Kälin, Schuler (76. N. Troccoli), Beciri (37. Jakupi); Grillo, Follador, Wieland, Durante; D. Simoglou (71. Ferati), Laimbacher. Balzers: R. Vogt; Ritter, Eberle, Kaufmann, Wille; Hanselmann (71. Bürgler), Hermann, Tinner, Aliu (81. Guerreiro); Svecak (63. Castelberg), R. Beck. Bemerkungen: Herisau ohne Kilic und Sebebli (gesperrt), Eugster, Teixeira, Fabinho, Ceka und Obrenovic (alle verletzt), ab 89. ohne Wieland (verletzt); Balzers ohne S. Beck, Polverino, Hasler, Beqiri und Piperno (verletzt). 17. Pfostenschuss Wieland, 72. Kopfball Kälin an die Latte, 81. Pfostenschuss R. Beck. Verwarnungen: 48. Grillo (Reklamieren), 64. D. Simoglou (Foul), 77. Ritter (Foul) und 80. Hermann (Foul).