Volksmusik der anderen Art

An der Jubiläumsgala zur Eröffnung des Appenzeller Ländlerfests kamen nicht nur Traditionalisten auf ihre Kosten. Die vier Formationen verbanden geschickt Althergebrachtes mit Moderne, Einheimisches mit Fremdem. Dieses Programm traf den Nerv des Publikums.

Johannes Wey
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appenzell. Der Andrang auf den Gala-Abend zur Eröffnung des 15. Appenzeller Ländlerfests war gross: Zeitweise standen am Freitag an die 50 Leute vor den Rathausbögen in Appenzell Schlange, um eingelassen zu werden. Um das Warten zu erleichtern, wurde ihnen der Apéritif bereits im Freien serviert. Mit dem Gala-Abend wollten die Organisatoren den Ländlerfreunden zum Jubiläum etwas Besonderes bieten, wie im Programmheft zu lesen war. So verpflichteten sie für diesen Abend vier Formationen, die die hiesige Volksmusik nicht bloss konservieren, sondern mit anderen Musikströmungen kombinieren und weiterentwickeln. Angesichts des vollen Festzelts (die 186 Plätze waren restlos besetzt) und des begeisterten Publikums lässt sich sagen, dass die Rechnung des 15köpfigen Organisationskomitees aufgegangen ist.

Jodler auf fremden Pfaden

DRS-Musikwelle-Moderator Sämi Studer führte durch den Abend und rief den Appenzellern als Erstes die Niederlage im «Donnschtig-Jass» gegen Hundwil in Erinnerung: «Seit gestern wissen wir, dass man hier besser im Organisieren von Festen ist als im Jassen», sagte Studer und stellte fest, dass sich offensichtlich kein Hundwiler an diesen Anlass getraut habe. Damit leitete er über zum musikalischen Teil des Abends, der von einer Ausserrhoder Formation, den Teufner Säntis Jodlern, eröffnet wurde. Deren Repertoire an diesem Abend umfasste Lieder aus mehreren Jahrhunderten: Sie starteten mit der «Appenzeller Rundschau» aus dem Jahr 1857 und gaben bei ihrem zweiten Auftritt, kurz bevor das Essen serviert wurde, originelle A-cappella-Versionen von Polo Hofers «Kiosk» und Liedern der Spider Murphy Gang zum Besten – inklusive Luftgitarreneinlage. Der zweite Auftritt des Abends wurde von der Formation «Follchlore» aus dem Bernbiet bestritten. Die vier Musiker verbinden Schweizer Ländlermusik aller Couleur mit Volksmusik aus ganz Europa bis nach Irland und Skandinavien. Dabei verwenden sie sowohl traditionelle Schweizer Instrumente als auch fremdartige Klänge, beispielsweise aus einer irischen «Thin Whistle», einer Flöte.

Staunen über Studierende

Ein Höhepunkt der Jubiläumsgala war zweifellos der Auftritt von «Alpini Vernähmlassig». Die «Hausformation» der Hochschule Luzern verband mit technischem Können traditionelle Volksmusik mit modernen und klassischen Einschlägen und brachte das Publikum zum Staunen. Den musikalischen Abschluss des Abends bildete das Appenzeller Echo, dessen Repertoire ebenfalls «artfremde» Melodien beinhaltete. Das Fest an sich dauerte jedoch noch bis in die frühen Morgenstunden.

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