Vivaldissimo trifft Hollywood

Im Rahmen der Jubiläumskonzerte für «il mosaico» und die Big-Band der Kanti Wattwil war die Reihe an Vivaldissimo. Die jugendlichen Musiker der dritten Stufe intonierten dabei gleich gewandt alte Meister wie moderne Filmmusik.

Peter Küpfer
Drucken
Teilen
Zeigten ihr Können von Klassisch bis Modern: Das Ensemble Vivaldissimo unter der Leitung Hermann Ostendarp. (Bilder: Peter Küpfer)

Zeigten ihr Können von Klassisch bis Modern: Das Ensemble Vivaldissimo unter der Leitung Hermann Ostendarp. (Bilder: Peter Küpfer)

WATTWIL. Eine Viertelstunde vor Konzertbeginn war der eine oder andere Sitz in der geräumigen Halle der Kanti noch zu haben. Das änderte sich schnell, so dass eiligst eine weitere Reihe von Stühlen angesetzt wurde. Das Interesse an den Toggenburger Jugendorchestern ist ungebrochen. Auch der Anlass vom Samstagabend war ein Mehrgenerationenereignis: Man bemerkte im angeregten Publikum nicht nur Eltern der musizierenden Jugendlichen, sondern auch Grosseltern, Geschwister, Freunde und auch manchen Vertreter der ganz jungen Generation.

Lebendige Kanti Wattwil

Mit ihren Jubiläumskonzerten möchten die Jugendorchester zeigen, was alles möglich ist, wenn der Rahmen stimmt, sagte Hermann Ostendarp bei der Begrüssung. Der Dirigent und Leiter des Orchesters Vivaldissimo wies einmal mehr auf die Wichtigkeit hin, dass es im Toggenburg eine lebendige Kanti Wattwil gibt mit ihren vielfachen Möglichkeiten, gerade auch im Bereich der Musik. Ostendarp leitete das ganze Konzert übrigens nicht mit dem Dirigentenstab, sondern mit und über seine unterstützende und Akzente setzende Violine.

Einmal mehr absolvierten die jugendlichen Musiker ein gigantisches Pensum. Im ersten Teil stand nicht nur das Concerto grosso in D-Dur von Corelli auf dem Programm, sondern auch ein Konzert für zwei Celli von Vivaldi sowie höchst anspruchsvolle Werke von Bach, darunter die d-Moll-Toccata in einer Bearbeitung für vier Klarinetten. Dabei spielte das Ensemble seine inzwischen überall bekannten und anerkannten Trümpfe voll aus: Schwung und Leichtigkeit bei hoher technischer Beherrschung der Instrumente. Schon in den ersten Takten von Corelli zeigte sich einmal mehr die grosse Konzentration und Präzision der Spielenden. Vivaldis Konzert in g-Moll für zwei Celli bot nicht nur den beiden Solisten rasante Passagen, sondern auch dem gesamten Ensemble. Es brausten ähnlich turbulente Winterstürme durch die Halle wie diejenigen aus den «Vier Jahreszeiten». Der erste Teil endete mit einem Höhepunkt, dem Bachkonzert in C-Dur für zwei Klaviere. Im Solopart brillierten Carmen Haas, ehemalige Schülerin der Kanti Wattwil und jetzige Studentin am Zürcher Konservatorium, sowie ihre junge Kollegin Haruhi Untersander (Kanti Wattwil). Das Ensemble zeigte sich auch hier dem anspruchsvollen Niveau gewachsen und gab den beiden Solistinnen reiches Echo.

Seelenbotschaften

Nach der Pause wurde das Publikum in die Aula gebeten, um dort den zweiten Programmteil zu geniessen. Entsprechend dem Titel des Konzertes, «Vivaldissimo goes Hollywood» war nun Filmmusik angesagt. In imposanten Arrangements, in denen Violinen und Klarinetten in höchsten Tönen jubilierten, gab es viel Seelenbotschaft. Diese wurde durch die entsprechenden Videoausschnitte von Hollywood-Erfolgen auf Grossleinwand noch verstärkt. Wer könnte bei den Liebesszenen zwischen Jack und Rose hoch oben auf dem Bug der Titanic unberührt bleiben, wo man doch weiss, wie tragisch das alles zwischen treibenden Eisschollen enden wird. Der Klangteppich der vielen Streichinstrumente erreichte zeitweise symphonische Dimensionen und heizte mächtig ein. Auch dieses Genre leistete Vivaldissimo glänzend. Es liess sich ohne Schwierigkeit von den zeitweilig echt swingenden Bassinstrumenten und angefeuert vom rassigen Schlagzeug problemlos in Big-Band-Sphären entführen.

Das Publikum bedankte sich mit anhaltendem Beifall für das abwechslungsreiche Konzert, das nicht nur musikalisch, sondern auch ton- und videotechnisch viele Klippen meisterte.

Vivaldissimo mit Carmen Haas und Haruhi Untersander am Klavier. (Bild: alttoggenburger)

Vivaldissimo mit Carmen Haas und Haruhi Untersander am Klavier. (Bild: alttoggenburger)

Aktuelle Nachrichten