Vision in anderer Form erfüllt

Der ursprünglich als Spielcasino geplante «Treffpunkt» in Herisau hat sich als Dienstleistungs-Zentrum und Freizeit-Begegnungsstätte etabliert. Beim Jubiläum zum zehnjährigen Bestehen ist mehr Freude als Wehmut zu spüren.

Lukas Pfiffner
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HERISAU. Partnerfirmen, Mieter, Vertretungen von politischer Seite und weitere Gäste fanden sich am Freitagabend zum offiziellen Jubiläums-Akt «10 Jahre Treffpunkt» im Nordtrakt des Gebäudes ein. Die Treffpunkt-Firmen hatten in einer Art Haus-Messe ihre Stände aufgestellt, Bilder aus der Planungs- und Bauzeit wurden an die Wand projiziert.

Reini Waldburger äusserte sich in doppelter Funktion vor den Besuchern – einerseits als Architekt, andererseits als Eigentümer des Gebäudes.

Er blickte in humorvollen Ausführungen auf die Entstehungsgeschichte des Treffpunkts zurück, erinnerte an die ehemaligen Häuser an der Stelle und an den speziellen Untergrund: «Unter uns ist Sand, der davonläuft. Das Haus ist deshalb auf Pfählen gebaut, die bis zum Felsen reichen.» Reini Waldburger ging auf das Bewerbungsverfahren für ein Spielcasino ein mit der hauptsächlichen Konkurrenz der Stadt St. Gallen. «Wir wussten in der Planungsphase und beim Bauen um das Risiko, die Casino-Lizenz nicht zu erhalten.

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Nicht traurig

Nein, er sei nicht traurig darüber, dass die ursprüngliche Idee des Casinos nicht habe realisiert werden können. «Meine jetzigen Mieter zahlen zwar wohl nicht so viel, wie mir ein eingemietetes Casino eingebracht hätte», sagte Reini Waldburger. Aber von den Umständen her, die ein Casino-Betrieb mit sich gebracht hätte (soziale Aspekte, riesiger Personalaufwand, Überwachung durch Kanton und Staat), finde er es jetzt ganz gut, so wie es gekommen sei.

«Ich bin glücklich, dass wir zum Teil Mieter der ersten Stunde haben und der Treffpunkt letztendlich voll geworden ist. Nachdem wir die Lizenz für das Casino nicht bekommen hatten, war klar, dass ein Wertberichtigungsbedarf besteht und nach neuen Lösungen zu suchen ist. Dies ist gelungen.» Seine Vision einer Belebung des Dorfzentrums habe sich erfüllt, wenn auch in anderer Form als einst angedacht. «Der Treffpunkt ist ein Ort, wo etwas los ist, wo die Herisauer gerne hinkommen.

Darauf bin ich auch ein wenig stolz.»

«Kultureller Hauptsponsor»

Reini Waldburger stellte die Firmen vor, die im Gebäude untergebracht sind, und dankte ihnen. Er bedankte sich auch bei der Gemeinde dafür, dass vom Moment der Baueingabe an die Unterstützung der Behörden stets zu spüren gewesen sei. Der Gebäudebesitzer ging auch kurz auf sein «Treffpunkt-Sorgenkind», den Cinetreff, ein. «Ich bin quasi kultureller Hauptsponsor geworden», meinte er schmunzelnd.

Seit der Eröffnung des Cinedomes im Westen St. Gallens rentiert das Kino im Treffpunkt nicht mehr. «Bisher habe weitgehend ich die Defizite getragen. Das Kino am Leben zu erhalten, ist das Ziel. Dies wird aber nur mit Unterstützung der Gemeinde und der kantonalen Kulturförderung möglich sein», ergänzte Reini Waldburger, bevor sich die Gäste beim Apéro wieder dem ungezwungenen Gespräch hingaben.

Die Streichmusik Edelweiss begleitete den offiziellen Festakt musikalisch. Es sei eine Freude und Ehre, zum Jubiläum die Glückwünsche des Gemeinderates zu überbringen, stellte Gemeindepräsident Paul Signer fest. Er erinnerte daran, dass vor zehn Jahren der FC St. Gallen überraschend Schweizer Meister geworden und George Bush zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden sei.

«Wenn Sie Fotos von sich aus dem Jahre 2000 anschauen, sind Sie vermutlich auch der Meinung: Ja, zehn Jahre sind eine lange Zeit.»

«Weiter das Dorfbild prägen»

Deshalb mache es durchaus Sinn, das zehnjährige Treffpunkt-Jubiläum zu feiern, sagte er in seiner Begrüssung. «Der Treffpunkt ist an prominenter Lage ein wichtiger Teil Herisaus geworden.» Der Gemeindepräsident dankte dem «Hausherrn» Reini Waldburger dafür, dass er dieses Projekt einst in Angriff genommen und nachher realisiert habe.

«Ich wünsche dem Treffpunkt nicht nur für zehn weitere Jahre, sondern für viel mehr, dass er weiter wie bis anhin das Dorfbild und das Leben hier prägen kann.»

Das Jubiläums-Wochenende war von vielfältigen Anlässen und Angeboten umrahmt. Zwei einheimische Bands und eine Gruppe aus Luzern traten auf, im Cinetreff wurde bei freiem Eintritt der Film «Panamericana» gezeigt; gestern Sonntag lud das Restaurant zum Jubiläums-Brunch ein.

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