Vier Eidgenossen als gestecktes Ziel

Vier Wattwiler Schwinger dürfen sich am «Eidgenössischen» in Burgdorf Chancen auf den Kranz ausrechnen. Das Quartett hofft, auch am zweiten Tag schwingen zu dürfen. Zu den Anwärtern auf den Titel beim «Eidgenössischen» gehört Nöldi Forrer.

Urs Huwyler
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Logo Schwingen (Bild: URS HUWYLER)

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SCHWINGEN. Die Toggenburger Schwinger dürfen mit der Einteilung am «Eidgenössischen» in Burgdorf zufrieden sein. Nöldi Forrer (Stein) trifft im Königsduell erwartungsgemäss auf Kilian Wenger. Damit kommt es zur Revanche für das Unspunnenfest 2011. Damals siegte der zwölf Jahre ältere Toggenburger, der sich wiederum ein königliches Ziel setzt: «Die Chancen stehen auch diesmal 50:50. Alle sprechen davon, zwei Tage seien für mich wegen des Alters kräftemässig zu viel. Sie sollen es glauben.» Der Käser möchte meisterlich aus dem Rückhalt angreifen. «Aber ich spüre, wie die Nervosität steigt. Bei der Konkurrenz dürfte es nicht anders sein. Eigentlich habe ich ja keinen Grund dazu. Ich bin schon König.»

Keine Niederlage

Nachvollziehbar auch der Gang zwischen Urban Götte (Stein) und dem Innerschweizer (ISV) Benji von Ah. Beide haben ein «Kantonales» und insgesamt sechs Kränze gewonnen, passen kräftemässig körperlich zusammen und gelten in ihren Teilverbänden als Co-Leader. Auf der Schwägalp trafen sie 2011 im fünften Gang zusammen und stellten. Eine lösbare Aufgabe steht dem Unspunnenzweiten Köbi Roth (Krummenau) mit Edi Kündig (ISV) bevor. Für beide verlief die Saison nur teilweise den Erwartungen entsprechend. Tendenz für die drei einheimischen Eidgenossen: keine Niederlage.

Das Trio gilt im Hinblick auf den Kranz als sicherer Wert. In Frauenfeld fehlte Urban Götte (Stein) zwar ein Viertel, zuvor gehörte Köbi Roth (Krummenau) zu den tragischen Helden, aber beide gehören zu den NOS-Hoffnungsträgern. Wenn schwingerisch nicht alles schief läuft, sie nicht durch die Einteilung gestresst werden und die Kampfrichter die Viertel richtig verteilen, müssten sie den 850 000 Franken teuren Gabentempel bekränzt besuchen dürfen.

Bern 1998: Triumph

Sollten Forrer, Roth und Götte ihr Soll erreichen, könnte wie vor 15 Jahren Geschichte geschrieben werden. Am 30. August 1998 gewann der Schwingklub Wattwil in Bern die inoffizielle Vereinswertung überlegen. Jörg Abderhalden, damals unter Alt St. Johann startend, wurde vor Heinz Suter, Adrian Käser und Thomas Sutter erstmals König und leitete eine jahrelange Toggenburger Dominanz ein.

Auf Rang vier klassierte sich sein älterer Bruder Beat. Zuerst herrschte Ernüchterung, weil die beiden Jungs das Anschwingen verloren hatten. Danach blieben sie ungeschlagen und sorgten für einen familiären Triumph. Damit nicht genug: Auch die Gebrüder Arnold (6.), König von 2001, und Christian Forrer (8.) kehrten triumphal als Eidgenossen nach Stein zurück. Christian erlitt in acht Gängen zwar drei Niederlagen in Serie, wies aber nach fünfmal 9,75 am Ende des zweiten Tages das gleich hohe Total auf wie zwei ungeschlagene Kollegen. Es führen demnach viele Wege zum Erfolg. Vier (Neu-)Eidgenossen in einem Jahr, das war ein Auftritt für die Geschichtsbücher.

Dritter Abderhalden im Bund

15 Jahre nach Beat und Jörg greift mit Urs der dritte Abderhalden nach dem Kranz. «Er kann es schaffen. Verdient hätte er es», tönt es von allen Seiten. Vergleiche mit Köbi Roth werden immer wieder laut. Auch er wurde jahrelang als Eidgenosse behandelt, obwohl er keiner war. Urs Abderhalden (Stein) bekam diese Saison beispielsweise Stefan Burkhalter (2×), Mario Thürig (2), Beni Notz (2), Edi Philipp (2), Daniel Bösch (2) oder Andy Büsser zugeteilt.

Acht Wattwiler sind dabei. Das realistische Traumresultat wäre: Abderhalden, Forrer, Götte und Roth holen wie 1998 vier Kränze. Aus dem Quartett Roman Bösch (Alt St. Johann), Beat Wickli (Ennetbühl), Bruno Näf (Hemberg) und Fabian Hollenstein (Dietfurt) kann einer alle acht Gänge bestreiten, zwei überstehen die ersten vier Gänge und einen erwischt es wohl wie viele andere Schwinger am ersten Tag. Das «Eidgenössische» wird zum letzten offiziellen Auftritt des Nordostschweizer Technischen Leiters Mathias Bleiker (Ebnat-Kappel) und der seit Jahren die NOS-Sennen und Turner versorgenden Therapeutin Liselotte Schlumpf (Wattwil). Beide ziehen sich danach zurück.