Nicht nur der Schwägalp-Schwinget: Auch das Eidgenössische Jubiläums-Schwingfest könnte ohne Zuschauer stattfinden

Während diverse Sportanlässe wieder vor Tausenden Zuschauern ausgetragen werden dürfen, könnte sich das Organisationskomitee des Schwägalp-Schwinget für ein «Geisterschwinget» entscheiden. Präsident Niklaus Hörler will dies aber um jeden Preis abwenden. So geht es auch Hans Sollberger vom eidgenössischen Jubiläums-Schwingfest in Appenzell.

Miguel Lo Bartolo
Merken
Drucken
Teilen
2019 waren die Ränge beim Schwägalp-Schwinget noch randvoll.

2019 waren die Ränge beim Schwägalp-Schwinget noch randvoll.

Bild: Urs Bucher

Wie diverse sportliche Grossanlässe blieb auch der Schwägalp-Schwinget dieses Jahr nicht vom Coronavirus verschont. 2021 soll der Traditionsanlass zwar mit Schutzkonzept wieder durchgeführt werden können. Während etwa in Fussballstadien wieder rund zwei Drittel der Sitzplätze besetzt werden dürfen, ist die Zuschauerfrage auf der Schwägalp indes ungeklärt. Wie OK-Präsident Niklaus Hörler auf Anfrage mitteilt, sei gar eine Durchführung ohne Zuschauer nicht auszuschliessen.

Diese Woche hat der eidgenössische Schwingerverband dem Organisationskomitee des Schwägalp-Schwingets seine Richtlinien und Empfehlungen zur Durchführung des Schwingfestes kommuniziert, wie Hörler sagt. Der Verband setzt sich dafür ein, dass der Schwinget unter Einhaltung eines spezifischen Schutzkonzeptes «zu 100 Prozent stattfindet».

Die Priorität des Verbandes ist auch jene Hörlers: Die Aktiven sollen wettkampfmässig Schwingen dürfen – unabhängig davon, ob der Anlass mit oder ohne Zuschauer ausgetragen wird. Stand heute müssen gemäss Schutzkonzept folgende Kriterien erfüllt werden:

  1. Es besteht generelle Maskenpflicht 
  2. Die Festwirtschaft findet nur sitzend statt.
  3. Es dürfen nur zwei Drittel aller Sitzplätze besetzt werden. Diese müssen ausserdem nummeriert sein. Stehplätze gibt es keine.

Angst vor Unmut bei den Abonnenten

Niklaus Hörler, OK-Präsident des Schwägalp-Schwinget.

Niklaus Hörler, OK-Präsident des Schwägalp-Schwinget.

Bild: Urs Bucher

In den letzten Jahren hat der Schwägalp-Schwinget zwischen 10'000 und 15'000 Besuchern angezogen. Im Sommer 2021 sollen nur noch die rund 8000 Sitzplätze besetzt werden. Für Hörler stellt sich damit eine unangenehme Frage: Wie sollen denn die begrenzten Sitzplätze vergeben werden? Die 8000 Stehplätze sind alle abonniert. Wenn nur zwei Drittel davon besetzt werden dürfen, fallen rund 2700 Sitzplätze weg. Hörler:

«Wie sollen wir unseren Abonnenten erklären, dass sie leider nicht ausgelost wurden?»

Die Sitzplätze zu erweitern, sei aufgrund der topografischen Lage der Schwägalp leider nicht möglich. Wie man's auch dreht und wendet, Hörler wird es wohl kaum allen recht machen können. Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der generellen Planungsunsicherheit zu Coronazeiten ist ein Schwägalp-Schwinget ohne Zuschauer die «einfachste» Lösung.

Diese will Hörler aber nach Möglichkeit vermeiden. «Mein Ziel ist es, das Fest in der herkömmlichen Form durchzuführen», sagt er. Natürlich sei die Machbarkeit vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängig, doch «die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht arbeitet die Zeit ja für uns.»

Am Montag, 26. Oktober 2020, wird Hörler mehr wissen. Dann setzt sich das Organisationskomitee des Schwägalp-Schwingets nämlich mit einem Vertreter des kantonalen Arbeitsinspektorates zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Auch das Eidgenössischen Jubiläums-Schwingen hat zu kämpfen

«Bei uns sieht es nicht anders aus», sagt Hans Sollberger, Geschäftsführer des Eidgenössischen Jubiläums-Schwingen in Appenzell. Auch dieses Schwingfest droht 2021 ohne Zuschauer stattzufinden. Und selbst wenn der Anlass mit zwei Drittel der Besucher abgehalten werden könne, müsse man sich überlegen, wie man das finanzielle Defizit wettmacht. Sollberger sagt:

«Wenn wir nicht mehr Sponsoren oder Gönner finden, müssen wir über eine Eintrittspreiserhöhung
nachdenken.»
Hans Sollberger, Geschäftsführer des Eidgenössischen Jubiläums-Schwingen.

Hans Sollberger, Geschäftsführer des Eidgenössischen Jubiläums-Schwingen.

Bild: PD

Denn im Gegensatz zu den anderen Schwingfesten im Appenzellerland stehen den Organisatoren des Jubiläums-Schwingen keine Reserven zur Verfügung. Aber auch diese Taktik habe ihre Schwachstellen. Die Sitzplätze sind bereits alle ausgebucht. Und für Sollberger wäre es äusserst unangenehm, rückwirkend eine Preiserhöhung zu kommunizieren, wie er sagt. Genauso wenig wolle er dem unglücklichen Drittel erklären, warum ihm trotz Buchung kein Einlass ins Festgelände gewährt wird.

«Wir stehen vor einer grossen Herausforderung», sagt Sollberger. Schon die Verschiebung des «grössten Schwingfests in der Geschichte von Appenzell Innerrhoden» habe nämlich am Budget gezehrt. Laut Sollberger sei man indes sogar mit einem blauen Auge davon gekommen: «Wir haben glücklicherweise weder Helfer noch Sponsoren verloren.»

Im Moment bleibe den Organisatoren nichts anderes übrig, als nach vorne zu schauen, und darauf zu hoffen, dass sich die Lage entspannt.