Vielfalt im Wald bedroht

GÄHWIL. Auf der St. Iddaburg, im steil gelegenen Wald, gibt es immer weniger Ulmen. Das Ulmensterben betrifft seit längerem die ganze Schweiz. Doch der Kirchberger Förster Marco Signer vertraut der Natur, denn wo eine Ulme gestanden hat, wächst in der Regel ein neuer Baum nach.

Ramona Cavelti
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Die Ulmen auf der Iddaburg: Links ein bereits toter Baum, rechts eine Ulme mit zum Teil abgestorbenen, zum Teil treibenden Ästen. (Bilder: Ramona Cavelti)

Die Ulmen auf der Iddaburg: Links ein bereits toter Baum, rechts eine Ulme mit zum Teil abgestorbenen, zum Teil treibenden Ästen. (Bilder: Ramona Cavelti)

Gibt es für eine Baumkrankheit keine Bekämpfungsmöglichkeit, stehen die Förster vor einer schwierigen Ausgangslage. Das Ulmensterben, das seit den 1970er-Jahren nicht mehr zu stoppen ist, konfrontiert Marco Signer, Revierförster des Waldreviers Kirchberg, mit genau diesem Problem. Denn es gibt keine natürliche Gesundung der Ulme und auch keine Möglichkeit, die Infektion künstlich zu heilen.

Die Epidemie macht keinen Halt vor der St. Iddaburg in Gähwil. Der Wald, der zum grössten Teil in privatem Besitz ist, verliert laufend an Ulmen. Sind die Ulmen einmal vom Pilz befallen, sterben sie in unterschiedlicher Zeit ab. Marco Signer erklärt, woran man eine kranke Ulme erkennen kann. «Die Blätter welken frühzeitig, fallen früher vom Baum und rollen sich ein. Schält man von einem Ast die oberste Schicht weg und sieht braune Stellen, ist die Ulme krank.»

Waldvielfalt geht verloren

Da der Wald auf der St. Iddaburg vorwiegend aus Buchen, Ahorn und Eschen besteht, die Ulme also nicht die einzige Baumart im Wald ist, muss im Fall des Ulmensterbens nicht mit Hangrutschen gerechnet werden. Die Folge der absterbenden Ulmen ist, dass die Diversität in den Wäldern verloren geht. «Für einen stabilen Wald ist die Vielfalt sehr wichtig», meint Signer und erklärt dies anhand eines Beispiels: «Tritt ein Sturm auf, leiden bei einem Mischwald einige Bäume darunter, beispielsweise fallen einige Ahorne unter vielen anderen Arten, die den Sturm überstehen. Bei einer Monokultur sehen die Folgen gravierender aus. Dann fallen viele Ahorne und es bleibt keine andere Baumart zurück.» Hinzu kommt, dass seit fünf Jahren auch die Eschenwelke bekannt ist. Und, der asiatische Laubholzbockkäfer bedroht zum Beispiel die Ahorne. «Drei Schädlinge, die drei verschiedene Baumarten angreifen – das wird eine grosse Herausforderung.»

Wie die Natur es will

Die Bewirtschaftung eines Waldes, der an einem so steilen Hang wie St. Iddaburg gelegen ist, ist sehr schwierig. So gibt es trotz des Ulmensterbens keine menschlichen Eingriffe. Dies ist auch gewollt. «Die Natur regelt das selbst. Wo früher eine Ulme stand, gibt es nun zum Beispiel mehr Platz für eine Buche», sagt Marco Signer. Die Zugänglichkeit sei so schlecht, dass automatisch wenig in die Natur eingegriffen werde. Ein weiteres Problem des Baumsterbens ist, dass der Wald Zeit braucht, um sich selbst zu regulieren. Gleichzeitig stellen die Menschen hohe Ansprüche an die Qualität des Waldes, wie beispielsweise der Schutz der Häuser, der Gehwege oder die Möglichkeit, einen vollen Wald besichtigen zu können. Dies ist nicht einfach auf einen Nenner zu bringen. Doch wenn es um Bevölkerungsschutz versus «Natur leben lassen» geht, ist für Signer klar: «Wenn es wirklich notwendig ist, handeln wir und greifen in die Natur ein. Beispielsweise werden wir im Winter einen Holzschlag durchführen, da sonst der Schutz der Strasse und der Gebäude nicht mehr gegeben ist.»

Der Förster Marco Signer im Wald bei der St. Iddaburg.

Der Förster Marco Signer im Wald bei der St. Iddaburg.