Die prägende Figur der Schule Herisau sagt Adieu 

Sie hat das Schulmodell Neigung eingeführt, die Schulleitung reorganisiert und sich für das Ansehen der Lehrer eingesetzt. Nach 13 Jahren verlässt Annette Joos den Gemeinderat Herisau – nicht aber bevor sie Bilanz gezogen hat.

Alessia Pagani
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Annette Joos-Baumberger beim Schulhaus Landhaus, das sie einst selbst besucht hat. (Bild: Alessia Pagani)

Annette Joos-Baumberger beim Schulhaus Landhaus, das sie einst selbst besucht hat. (Bild: Alessia Pagani)

«Ich wollte nie Vollblutpolitikerin sein, dafür bin ich einfach zu freiheitsliebend», sagt Annette Joos-Baumberger an diesem schönen Morgen in einem Café im Dorfzentrum. Das Ansehen von Gemeindepolitikern sei zwar nicht allzu gross, aber ihr habe die Tätigkeit immer Freude bereitet.

«Man ist nahe bei den Leuten und kann viel bewegen.»

Während 13 Jahren war Annette Joos-Baumberger Gemeinderätin in Herisau. Von Beginn weg stand sie dem Ressort Schule vor. Nun verlässt sie die Exekutive auf eigenen Wunsch. Man müsse wissen, wann es genug sei, so Joos-Baumberger. Für sie sei es nun so weit. Von Wehmut ist keine Spur, wenn die 60-Jährige diese Worte spricht.

«Es ist ein guter Zeitpunkt für mich, um mir die Frage zu stellen: Was möchte ich noch von meinem Leben.»

Im Kantonsrat wird sie weiterhin politisieren, zudem wird sie sich öfter in ihrem Mediationsbüro in St. Gallen engagieren. «In der frei werdenden Zeit möchte ich mich ein wenig kreativ beschäftigen.»

Als Gemeinderätin beliebt

Von Behörden über Kollegen bis hin zu Privatpersonen – der zweifachen Mutter wurden nicht zu Unrecht stets Wohlwollen und Ansehen entgegengebracht. Dies mag nicht zuletzt an ihrer pragmatischen Art liegen, die manche hie und da als forsch abgetan haben dürften. Annette Joos-Baumberger ist allerdings eine ruhige und besonnene Gesprächspartnerin. Wenn sie etwas sagt, hat dies Hand und Fuss. «Herisau hat sich in den vergangenen Jahren zum positiven entwickelt. Im baulichen Bereich sind wir aber noch nicht am Ziel.» Allerdings sei vieles aufgegleist. Die Abwahl von Gemeindepräsident Renzo Andreani, bedauert Annette Joos-Baumberger.

«Er war immer sehr kollegial und teamfähig und hat eine gute Arbeit geleistet. Die Kommunikation der positiven Aspekte ist uns als Gemeinderat hie und da nicht gelungen. Wir haben nicht immer geschafft, gewisse Bevölkerungsschichten zu erreichen.»

Ihre eigene wohl grösste Niederlage hat die langjährige Politikerin im Jahr 2011 verkraften müssen, als sie im parteiinternen Kampf um den Ständeratssitz dem unerfahreneren und unbekannteren Andrea Caroni den Vorzug hatte geben müssen.

Das Ansehen der Lehrer stärken

In die Amtszeit von Annette Joos-Baumberger fiel die Planung sowie Einführung des Oberstufenmodells Neigung, welche mit Lernlandschaften die Selbstverantwortung steigern soll, oder die Reorganisation der Schulleitung mit der Auflösung der Schulkommission und der Aufstockung der Schulleitung um eine Person. Was sich Annette Joos-Baumberger als Schulvorsteherin auf die Fahne geschrieben hatte, war nicht zuletzt das Ansehen der Lehrpersonen zu stärken.

«Erst wenn man hinter deren Arbeit sieht, merkt man, wie viel sie leisten. Dies braucht ein riesiges Engagement, davor habe ich grossen Respekt.»

In den vergangenen 13 Jahren habe sich nicht nur die Schule verändert, sondern mit ihr auch die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern. Das Arbeitsumfeld sei schwieriger geworden, die Ansprüche der Eltern grösser und die Heterogenität der Klassen ausgeprägter. «Die Neuausrichtung der Oberstufe ist so weit abgeschlossen. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich der Veränderungsprozess in der Mittelstufe entwickelt», sagt die Tochter von alt Ständerat Hans Ulrich Baumberger.

Annette Joos-Baumberger ist mit sich im Reinen, schaut zuversichtlich in die Zukunft. «Ich habe ein gutes Gefühl, und Vertrauen, dass meine Nachfolgerin ihre Arbeit gut machen wird.»