«Vielen Frauen fehlt die Zeit»

HERISAU. An den Wahlen vom Wochenende haben die Frauen im Kantonsrat zwei Sitze verloren. Frau alt Landammann und alt Nationalrätin Marianne Kleiner schätzt die politische Situation in Ausserrhoden ein.

Bruno Eisenhut
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Marianne Kleiner: «Im Kantonsrat wird der Umgang aggressiver.» (Bild: Urs Bucher)

Marianne Kleiner: «Im Kantonsrat wird der Umgang aggressiver.» (Bild: Urs Bucher)

Die Frauen haben im Kantonsrat zwei Sitze verloren und sind mit rund 23 Prozent im Ausserrhoder Parlament weiterhin stark untervertreten. Was halten Sie davon?

Marianne Kleiner: Ich finde es schade, dass die Frauen derart untervertreten sind. Weil die Hälfte der Bevölkerung Frauen sind, wäre es sehr wichtig, wenn sie mitpolitisieren könnten und würden.

Die Analyse der Wahlen zeigt, dass drei Viertel der kandidierenden Frauen den Sprung ins Parlament geschafft haben. Bei den Männern waren es lediglich rund die Hälfte. Warum stellen sich trotz dieser Aussichten nicht mehr Frauen zur Verfügung?

Kleiner: Dafür gibt es aus meiner Sicht drei Gründe: Erstens ist das Thema Frau/Mann im heutigen politischen Alltag weniger wichtig als in den Zeiten nach Einführung des Frauenstimmrechts in den 90er-Jahren. Weiter sind viele Frauen mit der Herausforderung konfrontiert, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Da fehlt bei vielen Frauen schlicht die Zeit für die Politik.

Und welches ist der dritte Grund?

Kleiner: Das politische Klima. Auch im Kantonsrat wird der Umgang untereinander zusehends aggressiver. Das passt nicht allen Frauen.

Sie sprechen das politische Klima an. Wäre es nicht gerade darum wichtig, dass sich die Frauen gegen diese Entwicklung stemmen?

Kleiner: Die aggressive Art zu politisieren trifft auf einige wenige Personen zu. Nicht alle Frauen sind anscheinend bereit, sich Angriffen einzelner Personen auszusetzen.

Bei den Wahlen für die Exekutive in den Gemeinden haben die Frauen Erfolge verbucht. So haben sie in Trogen oder in Wald das Präsidium von einem Mann übernommen.

Kleiner: In Wald und in Trogen sind zwei Frauen mit politischer Erfahrung gewählt worden. Das Stimmvolk wusste dies anscheinend zu schätzen.

Von möglichen 144 Sitzen in den Gemeinderäten besetzen die Frauen 46. Wie erklären Sie sich den höheren Anteil in der Exekutive der Gemeinde als im Parlament?

Kleiner: Es gibt meines Erachtens hierzu zwei Erklärungen: Erstens packen Frauen öfters Sachen an, welche nicht sehr begehrt sind. Dazu gehört ein Mandat in einer Exekutive einer Gemeinde leider oft. Zweitens sieht man in der Exekutive schneller Resultate der politischen Arbeit.

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