Viele «Köche» im Jugendtreff

EBNAT-KAPPEL. Das Angebot für die Jugendlichen in Ebnat-Kappel ist vielschichtig ausgerichtet. Nebst Treffbetrieb, Talknight und «Película» liegt ein Fokus auf der aufsuchenden Jugendarbeit. Mit der Kündigung von Silvano Vescio ist die Stelle des Jugendarbeiters per sofort wieder zu besetzen.

Olivia Hug
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Junge Kräfte in der Leitung des Jugendtreffs Ebnat-Kappel: (oben, von links) René Wieser, Beat Giger, Philippe Städler; (unten, von links) Mirjam Schegg und Katharina Rosenmund. (Bild: Olivia Hug)

Junge Kräfte in der Leitung des Jugendtreffs Ebnat-Kappel: (oben, von links) René Wieser, Beat Giger, Philippe Städler; (unten, von links) Mirjam Schegg und Katharina Rosenmund. (Bild: Olivia Hug)

Ebnat-Kappel. In der Schulgemeinde Ebnat-Kappel gibt es rund 170 Oberstufenschülerinnen und -schüler. 50 bis 70 davon besuchen regelmässig den Jugendtreff an der Schafbüchelstrasse. «Diese Zahlen zeigen uns, dass die Jugendarbeit Ebnat-Kappel am richtigen Ort ist», sagt Huli Bolt, Präsident der Kirchenvorsteherschaft der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde. Diese hat auch nach der Neuorganisation der Jugendarbeit – welche seit Anfang Jahr von beiden Kirch- sowie der Politischen Gemeinde getragen wird – die operative Führung inne. Die hohe Besucherzahl im Jugendtreff zieht die nötige Strukturierung der Jugendarbeit nach sich. Neben dem Jugendarbeiter kümmert sich ein sechsköpfiges Leitungsteam um den Treff, ferner betreut ein Team um Philipp Kamm die jeden Monat stattfindende Talknight und die ehemalige Jugendarbeiterin Barbara Fischer organisiert mit einem Betriebsteam den Filmabend «Película». Das Sprichwort, wonach zu viele Köche den Brei verderben, treffe in der Jugendarbeit Ebnat-Kappel nicht zu, findet Barbara Fischer: «Im Gegenteil. Dass verschiedene Leute im Team sind und mehrere Bezugspersonen zur Verfügung stehen, kommt bei den Jugendlichen gut an.» Das Funktionieren sei auch auf die gute Kommunikation zwischen den Verantwortlichen zurückzuführen, ergänzt Teammitglied Beat Giger.

Freundschaft und Autorität

Für den Jugendarbeiter Silvano Vescio hat die Arbeit mit dem Team aber doch nicht absolut gestimmt. Der 44-Jährige hat seine Stelle, die er zu Beginn des Jahres angetreten hat, gekündigt. Die Jugendlichen, für die er «zu 40 Prozent Autoritätsperson und zu 60 Prozent Freund» gewesen sei, verlasse er zwar ungern. «Ich bin ihnen innert sehr kurzer Zeit eine erste Ansprechperson geworden, von der sie wissen, dass sie jederzeit verfügbar ist», sagt Silvano Vescio. Er erinnert sich, wie er in der Nacht von einem Jugendlichen angerufen worden ist, dessen Töffli zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel den Geist aufgegeben hat. Auch seine Idee, Hot-Dogs ohne Schweinefleisch für moslemische Jugendliche im Treff einzuführen, sei gut angekommen. «Für die Jugendlichen ausländischer Abstammung», begründet Silvano Vescio das Novum auf der «Speisekarte».

Projekte ausserhalb des Treffs

Im vergangenen halben Jahr hat Silvano Vescio viel Wert auf die Information der Eltern von Treffbesucherinnen und -besuchern sowie der Anwohnerschaft gelegt, als auch das auf Projekten basierende Arbeiten grossgeschrieben. Unter anderem organisierte er einen DJ-Workshop und einen Velo-Flick-Nachmittag. Projekt basierte Jugendarbeit, die ausserhalb der Treff-Öffnungszeiten und nicht zwingend in dessen Räumen stattfindet, gab es bis Anfang Jahr nur beschränkt. «Mit dem 20-Prozent-Pensum, das ich hatte, war das kaum möglich», erklärt Barbara Fischer, die die Jugendarbeit 17 Jahre lang leitete.

Von 20 auf 50 Prozent

Die Aufstockung des Pensums auf 50 Prozent war teil der Neustrukturierung auf Anfang Jahr. Dieses Pensum ermöglicht es, eine aufsuchende Jugendarbeit in Ebnat-Kappel zu führen. Ein Fazit aus diesen Erfahrungen könne jedoch nach der kurzen Zeit noch nicht gezogen werden, erklärt Huli Bolt. «Weil die aufsuchende Jugendarbeit aber etwas Wertvolles ist, wird sie auch der künftige Jugendarbeiter weiterführen.» Dieser sei in der Gestaltung seines Programms frei, dürfe aber kein Einzelkämpfer, sondern sollte ein teamfähiger Mensch sein. «Das Team ist nicht eingeschworen, aber nach sechsjähriger, bewährter Zusammenarbeit eben gut verwachsen», sagt Barbara Fischer.

Bild: Olivia Hug

Bild: Olivia Hug