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«Viele Kinder sind schon Eltern»: Hilfsprojekt-Gründer Rolf Straub aus Wienacht über die prekäre Situation im Norden Madagaskars

Der Verein «Société Malagasy Suisse» leistet Entwicklungshilfe in Sainte Marie, einer Insel nahe der Ostküste Madagaskars. Gründer Rolf Straub aus Wienacht-Tobel erzählt, warum besonders die Frauen gebildet werden müssen und warum im Landbesitz der Schlüssel für die Zukunft liegt.
Claudio Weder
Znünipause im Kindergarten: Dank des Engagements des Vereins «Société Malagasy Suisse» soll Kindern im Norden Madagaskars ein normales Leben ermöglicht werden. (Bild: PD)

Znünipause im Kindergarten: Dank des Engagements des Vereins «Société Malagasy Suisse» soll Kindern im Norden Madagaskars ein normales Leben ermöglicht werden. (Bild: PD)

Madagaskar wird gemeinhin mit traumhaften Stränden, einer reichhaltigen Flora und Fauna sowie einem ebenso reichhaltigen Fundus an Riten, Erzählungen und Glaubensgemeinschaften in Verbindung gebracht. Doch die Insel im Indischen Ozean hat auch eine andere, weniger paradiesische Seite: So reich sie an Pflanzen, Tieren, Bergen, Hügeln und Stränden sein mag, so reich ist sie auch an Korruption – und vor allem an Armut.

Gerade die kleine, der Ostküste vorgelagerte Insel Sainte Marie gilt als ein neuralgischer Punkt. Die Menschen in den Dörfern im Norden leben in ärmsten Verhältnissen, haben weder Strom, noch Toiletten, noch fliessend Wasser. Auch die nötigen Informationen über Hygiene und Gesundheit fehlen. «Eine prekäre Situation, die für uns kaum vorstellbar ist», sagt Rolf Straub aus Wienacht-Tobel. Der 56-Jährige ist Präsident des Vereins «Société Malagasy Suisse», der seit seiner Gründung im Jahr 2015 die Menschen in Sainte Marie ideell und wirtschaftlich unterstützt.

Erwachsenenbildung ist gefragt

Seit Straub das Hilfsprojekt ins Leben gerufen hatte, reist er zwei Mal im Jahr für mehrere Wochen auf die Insel, um den Fortschritt der Projekte vor Ort zu begutachten, neue Projekte zu planen und die Beziehungen zu den Einheimischen zu pflegen. Vor rund zwei Monaten kam Straub von seinem letzten, fünfwöchigen Aufenthalt zurück. Sein Fazit:

«Es muss noch einiges getan werden.»

Nichtsdestotrotz zieht er, über den gesamten Zeitraum hinweg blickend, eine positive Bilanz: «Seit Beginn unserer Arbeit konnten wir schon etliche Projekte verwirklichen: Ein Kindergarten konnte eröffnet werden, zudem wurden erste Toiletten und Trinkwasserbrunnen gebaut und in Betrieb genommen.» Ebenso konnte die Bevölkerung durch lokale Veranstaltungen auf die hygienischen, medizinischen und sozialen Missstände hin sensibilisiert werden.

Rolf Straub, Sozialarbeiter und Gründer des Vereins «Société Malagasy Suisse». (Bild: PD)

Rolf Straub, Sozialarbeiter und Gründer des Vereins «Société Malagasy Suisse». (Bild: PD)

«Tausende, wenn nicht Millionen von Madagasys sitzen Tag für Tag an den Überlandstrassen. Irgendwie perspektivlos», sagt Straub. Darunter seien viele Kinder, die bereits Eltern sind. Allein im vergangenen Jahr kamen in Madagaskar 600000 Neugeborene zur Welt. Um dem explosionsartigen Wachstum entgegenzuwirken, braucht die Bevölkerung berufliche Perspektiven. «Dazu ist Erwachsenenbildung gefragt – vor allem für die Frauen», sagt Straub.

Der Verein will Hilfe zur Selbsthilfe leisten

Durch eine zufällige Begegnung mit einer einheimischen Austernverkäuferin ist Rolf Straub während einer fünfmonatigen Afrikareise erstmals mit der Bevölkerung von Sainte Marie in Kontakt gekommen. Straub, der gerne und oft auf Reisen ist, bezeichnet sich selbst nicht als Weltverbesserer, aber als Realist. Überall dort, wo er Möglichkeiten sieht, Menschen zu animieren, sich aktiv für die Verbesserung ihrer Lebenslage einzusetzen, ist er zur Hand – nicht nur in der Schweiz, wo er als Sozialarbeiter Familien berät. Auch den Verein «Société Malagasy Suisse» gründete er mit dem Ziel, «Hilfe zur Selbsthilfe» zu leisten.

«Unser Verein versucht die Menschen in Sainte Marie zu befähigen, ihre Zukunft vor Ort selber mitzugestalten, um somit ihre Existenz langfristig eigenhändig sichern zu können.»

Um dieses nachhaltige Ziel zu erfüllen, sei es nicht nur wichtig, dass die Projekte von den Menschen vor Ort realisiert werden. Ebenso wichtig sei es, den jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen und ihnen Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. «Es zeigt sich jetzt schon ab, dass die Menschen, welche zwar über Land, jedoch nicht über flüssige Mittel verfügen, grosse Flächen an der Küste an Chinesen, Inder, Europäer und Südafrikaner verkaufen.» Oftmals deswegen, um die Schulen der Kinder auf der Hauptinsel finanzieren zu können. «Damit geben sie aber einen Schlüssel zur gelingenden Zukunft aus der Hand.» Aus diesem Grund plant der Verein auch, Land zu erwerben. Dieses soll der Bevölkerung von Sainte Marie künftig als Grundlage für sanften Tourismus dienen, um daraus eigene finanzielle Mittel zu generieren.

Investitionen von 50000 Franken geplant

Der Verein «Société Malagasy Suisse» finanziert sich über Spenden von Privatpersonen. Hinzu kommen Einnahmen aus Benefizkonzerten sowie dem Verkauf von Materialien aus Sainte Marie. Für die Realisierung der anstehenden Projekte ist der Verein auch in Zukunft auf Spenden angewiesen. Für die kurz -und mittelfristigen Projekte wie den Ausbau des Kindergartens oder den geplanten Landerwerb sind Investitionen von rund 50 000 Franken budgetiert. Längerfristig soll auch eine Berufsschule sowie ein Altersheim entstehen. Doch alles Schritt für Schritt. Oder, wie die Einheimischen sagen: «moura moura».

Hinweis Am Freitag, 22. März, lädt der Verein «Société Malagasy Suisse» um 18.30 Uhr zur Mitgliederversammlung an die Rosenbergstrasse 42a in St. Gallen ein. Die Veranstaltung ist öffentlich. Weitere Infos unter www.malagasy.ch

Die Insel Sainte Marie

Sainte Marie ist eine 49,2 Kilometer lange und zwei bis sieben Kilometer breite Insel mit 16000 Einwohnern, wenige Kilometer von der madagassischen Ostküste entfernt. Die Hauptstadt der Insel ist Ambodifotatra. Die vielerorts prekäre Situation in den Bereichen Ernährung und Bildung lässt sich nur schwer verbessern, solange mit einer Verdopplung der Bevölkerung von gut 20 Jahren gerechnet werden muss. Es gibt nur wenige Länder, die rascher wachsen als Madagaskar; fast die Hälfte der Bevölkerung ist noch nicht 15 Jahre alt. Die materielle Armut ist weit verbreitet, rund drei Viertel leben unter der absoluten Armutsgrenze, das heisst mit weniger als einem Dollar pro Tag. Sauberes Wasser und elektrische Energie sind ein Luxus.

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