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Vielbeschäftigt, aber nicht gestresst

Der katholische Pfarrer Josef Manser schätzt seinen Beruf. Würde er dies nicht tun, wäre er kaum in so vielen Gemeinden als Pfarrer tätig. Um dies alles unter einen Hut zu bringen, braucht es eine gute Terminplanung. Grund für die hohe Arbeitsbelastung ist der Priestermangel.
Matthias Giger
Pfarrer Josef Manser ist mobil – das muss er auch sein, denn er betreut neun Pfarrgemeinden. (Bild: Matthias Giger)

Pfarrer Josef Manser ist mobil – das muss er auch sein, denn er betreut neun Pfarrgemeinden. (Bild: Matthias Giger)

Bütschwil. Pfarrer Josef Manser ist vielbeschäftigt, aber nicht gestresst. In den sechs Pfarrgemeinden Bütschwil, Ganterschwil, Lütisburg, Mosnang, Libingen und Mühlrüti ist er Pfarrer. Hinzu kommen die Pfarrgemeinden Wattwil, Hemberg und Ricken, wo er Pfarradministrator ist. Zudem leitet er das Pastoralteam der Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg, ist als Internet-Seelsorger tätig und hat weitere, mit der Kirche verbundene Ämter inne.

Doch wie bringt er dies alles unter einen Hut? «Durch die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden, gute Selbstorganisation sowie hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität», sagt er. Zu der guten Selbstorganisation gehöre das exakte Führen der Pfarreiagenda und der persönlichen Agenda, also auch, dass er die Freizeit in die Planung einbezieht. «Ich könnte rund um die Uhr arbeiten, aber klug wäre dies nicht. Die Arbeit würde mich auffressen. Erholungsphasen zu haben, ist mir wichtig», meint Josef Manser. Er schätze es, selbständig arbeiten zu können, die grosse Abwechslung und die Nähe zu den Menschen, die sein Beruf mit sich bringt. «Das alles gibt mir Energie», sagt er.

Gründe für Priestermangel

Grund für die vielen Pfarreien, die er betreue, sei, dass mehr Pfarrer in Rente gehen als nachkommen. Die Zahlen sind dramatisch. In zehn Jahren werden im Bistum St. Gallen nur noch rund dreissig Priester im Erwerbsleben tätig sein. «Eine einzige Ursache für den Mangel an jungen Pfarrern gibt es nicht», hält Josef Manser fest. Vielmehr seien es verschieden gelagerte Gründe. «Einer ist, dass die Kirche in den Köpfen vieler etwas Altes oder Erstarrtes ist. Das ist vielleicht auch ein Vorurteil», meint der Pfarrer. Die Gesellschaft habe sich verändert. Früher gab es mehr Grossfamilien und für gewöhnlich ergriff jemand aus der Familie einen kirchlichen Beruf. Heute sei es zudem so, dass man eher den Beruf wechselt und nicht mehr ein Leben lang das bleibe, was man gelernt hat.

Pflichtzölibat schreckt viele ab

Im Pflichtzölibat sieht Pfarrer Josef Manser einen weiteren Grund. «In der heutigen Gesellschaft ist es schwierig, so eine grosse Pflicht für ein Leben lang einzugehen», sagt er. Die Mehrheit jener, die heute einen kirchlichen Beruf ergreifen, seien Quereinsteiger. «Diese sind vor die Wahl gestellt: Entweder sie verpflichten sich zum Zölibat – das schreckt viele ab – oder sie wissen von Anfang an, dass sie immer von der Teamfähigkeit eines Pfarrers abhängig sind und nie die Hauptverantwortung für eine Pfarrei tragen können», führt er aus. Allerdings gibt es einige interessante Ansätze (siehe Kasten). Nicht zu vergessen seien die Frauen. Anders als in der evangelischen Kirche sind Frauen bei der katholischen Kirche von der Priesterweihe ausgeschlossen. «Ich bin der Meinung, dass die katholische Kirche das Pflichtzölibat aufheben sollte und ich finde es mutig und erfreulich, dass sich Bischof Markus Büchel im St. Galler Pfarrei Forum, dem Pfarrblatt des Bistums St. Gallen, für Frauen im Priesteramt ausspricht», sagt Pfarrer Josef Manser. Er verweist auf die aktuelle Diskussionen zu den Themen Pflichtzölibat und Frauenpriestertum, die in der Religionswissenschaft und Theologie geführt werden. Während Papst Johannes Paul II. die Diskussion über Priesterinnen verbot, lässt sie Papst Benedikt XVI. zu.

Reformstau der Kirche

Die katholische Kirche leidet in Josef Mansers Augen unter einem Reformstau: «Die Ideen, wie sich die Situation des Priestermangels entschärfen liesse, sind da. Aber die katholische Kirche tut sich bei der Umsetzung noch schwer.» Wenn Diakone zu Priestern geweiht werden könnten, auch wenn sie verheiratet sind und eine Familie haben, wäre schon viel gewonnen, ist sich Pfarrer Josef Manser sicher. In seinem Team habe es nämlich viele gute Leute. Die Hürde der Priesterweihe ist nicht fachlicher, sondern formaler Natur. In allen übrigen Aufgaben, nebst den priesterlichen, wird Pfarrer Josef Manser schon jetzt von einem Netz aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt. Es bestehe aus vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aus drei Sekretärinnen, aus Sakristanen und Sakristaninnen, Katechetinnen und Katecheten, Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, Diakonen sowie pensionierten Priestern. «Ohne sie wäre die Arbeit unmöglich zu bewältigen», hält er fest.

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