Viel Spass, keine Verletzte

Das 18. Saugumpe ist reibungslos über die Schanze gegangen. Gut 80 Teilnehmer sind am Samstag von der Schanze in der Kollersweid gesprungen – unter den Augen prominenter Helfer.

Barbara Anderegg
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Wildhaus. Ein bisschen nervös sei er schon, gibt der neunjährige Roman Giezendanner aus Unterwasser zu. Auch wenn er bereits seit etwas mehr als zwei Jahren Skispringen trainiert, das sei nicht dasselbe wie beim Saugumpe. «Es kommt einem vor, als ob man mit den Bigfoots fahren würde. Die Alpin-Skies sind viel kürzer als die Sprung-Skies und flattern daher stärker», sagt der drittjüngste Saugumpe-Teilnehmer nach den Trainingssprüngen und er gibt zu: «Ein bisschen Angst habe ich jeweils schon, wenn ich da oben stehe.» Aber dann heisse es einfach hinstehen und runter.

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Das bisschen Angst des kleinen Saugumpers ist durchaus nachvollziehbar angesichts der steilen, 30 Meter langen Schanze. Die erwachsenen Saugumper springen gar über die 40-Meter-Schanze. Vater Köbi Giezendanner aber macht sich keine Sorgen. Als Mitglied des OK des Saugumpe ist er überzeugt, dass es weniger gefährlich sei, als wenn die Kinder auf der Piste über irgendeine Schanze springen.

Vor dem Sprung bleibt auch noch Zeit, sich etwas zu sammeln. Während es eindunkelt, sorgen vor dem Raclettezelt im Zielbereich Guggenmusiken beim Publikum für Stimmung. Dann ist es dunkel, das Springen kann losgehen.

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Während Roman seine Skies den Hang hinaufträgt, flitzen die erwachsenen Teilnehmer bereits die Schanze hinunter und versuchen unter dem Jubel der zahlreichen Zuschauer so weit wie möglich zu fliegen und sicher auf den Füssen zu landen. Den meisten gelingt's, aber auch einige Stürze gibt es zu sehen.

Glücklicherweise sind alle harmloser als sie aussehen. Die Samariter vor Ort bleiben den ganzen Abend über «arbeitslos». Viel zu tun haben währenddessen die Helfer auf der Richtertribüne. Dort sitzt unter anderem Franz Egle, der die Resultate der Saugumper sofort in den Computer eingibt, auswertet und sofort auf die Leinwand im Zielraum übermittelt.

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Roman ist inzwischen am Start der 30-Meter-Schanze angelangt. Zusammen mit 22 anderen Junioren wartet er dort bis die Snowboarder ihre Sprünge absolviert haben. Angst hat er nun keine mehr, aber: «Ich bin schon aufgeregt, darum habe ich auch die Skies so früh angezogen.» Endlich kann der junge Skispringer an den Start. Unter höchster Konzentration macht er sich bereit und wartet auf das Zeichen. Und los geht's! Bei seinem ersten Sprung fliegt Roman 21,5 Meter weit.

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Seinen Sprung verfolgen nicht nur die Eltern im Zielraum. Daniel Stricker, einer der Trainer des OSSV-Skisprung-Teams, steht neben der Schanze und schaut seinem Schützling zu. Er ist aber nicht nur hier, um seine eigenen Teammitglieder zu beobachten. Vielmehr nutzt er die Gelegenheit, um nach jungen Talenten Ausschau zu halten. «Für uns ist das Saugumpe eine perfekte Plattform, um Leute zu finden, die Talent haben», sagt er.

Es sei alles andere als einfach, für den Skisprungsport Nachwuchs zu finden, trotz der Schnuppertrainings, die sie immer wieder anbieten. Das Saugumpe sei darum die Gelegenheit, denn wer auch nur ein wenig Interesse am Skispringen habe, der komme hierhin, sagt der Trainer.

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Zwischenzeitlich haben auch alle Junioren den ersten Sprung hinter sich. Nun muss wegen der relativ hohen Temperaturen die Schanze wieder präpariert werden.

Um sie auf Vordermann zu bringen, ziehen sich die Weitenmesser ihre Skies an und stampfen den Schnee wieder fest und füllen Löcher auf. Unter den «Stampfern» ist auch Martin Künzle zu finden. Der Trainer des Schweizer Skisprungnationalteams freut sich, dass er wieder einmal am Saugumpe dabei sein kann. In den letzten Jahren seien immer Weltcup-Springen gewesen und er habe daher nicht mehr in Wildhaus sein können.

In diesem Jahr sei es endlich wieder einmal möglich, da sie das Weltcup-Springen haben ausfallen lassen, damit Simon Ammann und Andreas Küttel bereits nach Kanada reisen konnten und er selbst erst am Montag nachreisen werde. Martin Künzle erinnert sich, dass er bereits als Kind, als das Saugumpe noch in Unterwasser durchgeführt wurde als Zuschauer anwesend gewesen sei. Später habe er jeweils selbst teilgenommen und das bis vor etwa vier Jahren. «Es war immer eine harte Konkurrenz unter uns Kollegen», erzählt er lachend.

Heute würde er allerdings nicht mehr mitspringen. Langsam habe der Respekt dann doch zugenommen. Er würde heute nicht mehr voll da rausspringen wollen, gibt er zu.

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Die jungen Teilnehmer machen derweil genau das im zweiten Durchgang und feuern sich gegenseitig an. Den weitesten Sprung unter den 47 Teilnehmern legt dabei André Huser aus Unterwasser an den Tag.

Mit zwei Sprüngen von je 35 Metern Weite fliegt er bei den Herren der Kategorie Alpinski auf Rang eins. Bei den acht Snowboardern erreicht der Nesslauer Marco Schuchmann mit total 46.5 Metern den ersten Rang. Bei den Damen und bei den Snowboard-Junioren war der Sieg von Anfang an klar, da nur je eine Teilnehmerin überhaupt gestartet war.

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Und bei den Junioren? Roman hat sich bei seinem zweiten Sprung noch verbessert. Er ist 22 Meter weit geflogen. Für das Podest reicht es knapp nicht. Den ersten Rang unter den 23 Junioren erreicht Sandro Hässig aus Wildhaus. Roman landet auf Platz vier. Dennoch ist er zufrieden. Natürlich sei gewinnen schön, aber mitmachen sei alles, sagt er und strahlt angesichts der Medaille, die alle Junioren erhalten. Noch breiter wird sein Lachen als Trainer Daniel Stricker ihm gratuliert. Dieser ist auch zufrieden: «Als drittjüngster den vierten Rang zu erreichen ist spitze.

» Und Roman weiss jetzt schon: Nächstes Jahr ist er wieder dabei. Vorerst geht er aber nach Hause, während die erwachsenen Springer in die Bunkerbar zügeln, um den Tag mit einer Party ausklingen zu lassen.

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