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Viel Aufwand für 6 Deziliter «Kaviar»

Mindestens so wertvoll wie die als Kaviar bekannten Fischeier des Störs sind die goldgelben Eier, die am Dienstag von Äschen in Bazenheid gewonnen werden konnten – zumindest aus ideeller Sicht. Damit lässt sich auch der hohe Aufwand erklären, den engagierte Fischer dafür betreiben.
Mehr als die Hälfte der Äschenweibchen konnten abgestreift werden – die Feder dient der sanften Vermengung.

Mehr als die Hälfte der Äschenweibchen konnten abgestreift werden – die Feder dient der sanften Vermengung.

Eigentlich könnte der pensionierte, kantonale Fischereiaufseher Mario Rova ja irgendwo in der Sonne liegen und seinen Ruhestand geniessen. Stattdessen kommt er mit seinem Nachfolger Christoph Birrer an jedes der vereinbarten Treffen mit engagierten Mitgliedern des Fischereivereins Thur. Erklärtes Ziel des Aufmarsches bei der 2011 in Betrieb genommenen Hälteranlage des Fischereivereins Thur (Bild unten) ist es, befruchtete Fischeier zu gewinnen und diese in der kantonalen Fischbrutanlage in Rorschach brüten zu lassen.

Die Vorbereitungen

Drei Mal haben sie es schon versucht. Sie fischen die Bretter bei den beiden Becken mit einem langen Stab heraus, in denen in den vergangenen zwei Jahren kleine, in der freien Wildbahn der Thur gefangene Äschen zur Geschlechtsreife heran gewachsen sind. So, dass der Wasserstand im Becken langsam sinkt. Gleichzeitig füllen weitere Helfer Kessel und eine Wanne mit Wasser, die sie auf dem Leiterwagen, der dem Transport dient, bereit stellen. Dann steigt einer von ihnen die Leiter hinab ins Becken, bewaffnet mit einem Netz an einem langen Stab, um genügend Fische einzufangen. Oben fischen der kantonale Fischereiaufseher Christoph Birrer und sein Vorgänger Mario Rova sich einige Weibchen aus der Wanne – mit einem Tuch, das verhindert, dass der Fisch aus der Hand rutscht. Mit dem Daumen überprüfen sie, ob die Fische laichreif sind. Nein, nein, nein, Übung halt, heisst es an drei späten Nachmittagen. 45 Minuten bis eine Stunde später ist alles wieder auf Anfang. Nicht so beim vierten Versuch, zwei Wochen nach dem dritten.

Das Abstreifen

Jetzt heisst es: «Weibchen reif! Männchen reif!» und Christoph Birrer giesst die bereit gestellte Mischung auf pflanzlicher Basis in die Wanne, die den Äschen vorübergehend ihre Beweglichkeit nimmt, damit die nun folgende Prozedur nicht unnötig Stress verursacht. Die beiden Fischereiaufseher nehmen erst ein Weibchen und streichen ihm sorgfältig über den Bauch. Wenn es reif ist und die goldgelben Eier ins blaue Becken flutschen, ist gleich danach ein Männchen an der Reihe, das dieselbe Prozedur über sich ergehen lassen muss. Die Zeit eilt, denn die Eier sind, einmal ausgeschieden, nur gerade bis zu zwei Minuten fruchtbar. Dann schliesst sich die Ei-Hülle. Sie wird hart. Die Spermien wären ausgesperrt. Das hat die Natur so vorgesehen, denn in freier Wildbahn werden die Eier vom Weibchen mit Kies per Schwanzflosse zugeschaufelt, einige Minuten nachdem das nebenher schwimmende Männchen seinen Samen abgegeben hat. Wären die Eier nicht widerstandsfähig, würden sie zerquetscht. Behutsam rührt Christoph Birrer Eier und Samen mit einer Vogelfeder um. «Reif, reif Männchen, nicht reif, Weibchen, nicht reif, Männchen», sagen die beiden Fischereiaufseher. Godi Mazenauer schreibt mit. Er führt Protokoll und wird später feststellen, dass über die Hälfte der Äschen aus der Hälteranlage laichreif war. Denn die befruchteten Eier sind so wertvoll, dass die Äschen in einer Woche oder so nochmal «gestreift» (so nennt sich die Prozedur der Ei-Gewinnung) werden. Mario Rova und Christoph Birrer entfernen die feinen Kotfädelchen aus dem Gemisch und waschen die nun befruchteten Eier mit Wasser. Nicht befruchtete Fischeier entfernen sie mit ruhiger Hand. Diese erkennen sie an der weissen Farbe, die sich nach wenigen Minuten einstellt.

Der Weg zur Kinderstube

Mit einem Deckel verschliesst Mario Rova den Kessel mit den knapp 6 Dezilitern (rund 15 000 Eier) der wertvollen Fracht und fährt sie in die kantonale Fischbrutanlage in Rorschach. Vor Ort gibt er sie in ein Glas, neben die Eier der in der Fischbrutanlage gross gezogenen Thuräschen. Dort wächst nun eine neue Generation heran, deren Nachkommen den Bestand in Thur und Necker sichern sollen. Matthias Giger

Nach jedem Weibchen ist ein Männchen dran, da die Eier nur rund zwei Minuten befruchtet werden können. (Bilder: Matthias Giger)

Nach jedem Weibchen ist ein Männchen dran, da die Eier nur rund zwei Minuten befruchtet werden können. (Bilder: Matthias Giger)

Mario Rova gibt den Lohn der Arbeit in ein Zugerglas in der kantonalen Fischbrutanlage, wo die befruchteten Thuräscheneier heran reifen.

Mario Rova gibt den Lohn der Arbeit in ein Zugerglas in der kantonalen Fischbrutanlage, wo die befruchteten Thuräscheneier heran reifen.

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