Viehzucht aus der Dose

BÜTSCHWIL. Die technische Entwicklung macht auch vor der Viehzucht nicht halt. Im Labor wird die Güte der Gene untersucht und Stiersperma in weibliche und männliche Samen aufgetrennt.

Katharina Rutz
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Bild: Katharina Rutz

Bild: Katharina Rutz

Ein Katalog liegt vor dem Landwirt auf dem Tisch. Er kratzt sich am Kopf und studiert die Zahlen: Fett + 36, Eiweiss +33, Zellzahlen tief, Melkbarkeit schnell, Nutzungsdauer lang. Eine schwierige Entscheidung, welcher Stier am besten zu seiner besten Kuh im Stall passt. Am Morgen hat er festgestellt, dass sie brünstig ist und den Besamer von Swissgenetics bestellt.

Glücklicherweise weiss dieser Rat. «Rund die Hälfte der Bauern wissen genau, was sie wollen, die andere Hälfte lässt sich beraten», erklärt Andreas Widmer, Regionalleiter Swissgenetics in Bütschwil. Der Samen ist in Döschen in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad gelagert. Der Besamer hat immer bis zu 200 verschiedene Stiersamen von 35 Rassen dabei, darunter auch Wasserbüffel oder Hochlandrinder. Allein bei Swissgenetics in Bütschwil stehen 210 Stiere.

Der Erfolg der künstlichen Besamung ist rund 12 bis 24 Stunden nach Beginn der Brunst am besten. «Um dies zu gewährleisten, arbeiten wir 365 Tage im Jahr», so Andreas Widmer.

Alibaba im Trend

Sieben von zehn Besamungen sind erfolgreich. «Im Moment liegt der Braunvieh-Stier Alibaba bei den Landwirten im Trend», verrät Andreas Widmer.

Doch auch wenn man die beste Kuh mit dem besten Stier kreuze, habe man noch lange keine Garantie für den Zuchterfolg, sagt er.

Die technische Entwicklung arbeitet jedoch auf eine noch höhere Sicherheit in der Zucht mit künstlicher Besamung hin. So wird heute das Erbgut eines Stiers im Labor entschlüsselt, um herauszufinden, wie gut er bestimmte Eigenschaften auch an seine Nachkommen vererbt. Dies kann schon bei einem Stierkalb gemacht werden.

Bisher mussten mindestens 100 Töchter des Stiers bewertet werden, um einen Grad der Vererbung zu ermitteln, der relativ sicher ist. «Dies ist allerdings auch heute noch die sicherere Methode», sagt Andreas Widmer.

Kuhkalb auf Bestellung

Die zweite Neuheit in der Viehzucht sind die sogenannten gesexten Samendosen. In einem komplizierten Verfahren werden die weiblichen und männlichen Samen des Stierspermas getrennt. Dazu reisen die Stiere nach Frankreich.

Ein Züchter kann diese «Selexion»-Dosen für die künstliche Besamung kaufen, wenn er unbedingt ein Kuhkalb will. Bei neun von zehn erfolgreichen «Selexion»-Besamungen klappt dies auch. «Heute werden 1,6 Prozent aller Besamungen in der Schweiz mit gesexten Samen durchgeführt. Die Nachfrage ist somit relativ klein», so Andreas Widmer.