Verzeihen – der Schlüssel zur Gesundheit

«Das verzeih ich Dir nie!» – Geschluckter Groll und Ärger, der Jahre zurückliegt, beschäftigen so manchen Menschen. Stress schadet langfristig der Körperabwehr und erhöht zum Beispiel die Infektanfälligkeit, das Ausbrechen von Tumoren oder Stoffwechselkrankheiten.

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«Das verzeih ich Dir nie!» – Geschluckter Groll und Ärger, der Jahre zurückliegt, beschäftigen so manchen Menschen. Stress schadet langfristig der Körperabwehr und erhöht zum Beispiel die Infektanfälligkeit, das Ausbrechen von Tumoren oder Stoffwechselkrankheiten. Zorn-Stress überlastet die Herzfunktion, erhöht den Blutdruck und damit das Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Bei solchen Auslösesituationen kann es passieren, dass wir die ungewohnten Gefühle nicht erkennen und plötzlich von Enttäuschung, Trauer, Wut oder Angst überschwemmt werden und nicht vernünftig damit umgehen können. Alles vergeben und vergessen? Verzeihen wirkt beruhigend auf Seele und Körper. Anstatt sich über andere zu ärgern und über deren «unverzeihliche» Gemeinheiten zu hadern, ist es zielführender, den eigenen Gefühlen auf den Grund zu gehen. Man sollte in sich gehen, um zu erfahren, was sie uns sagen wollen, wie zum Beispiel: «Ich fühle mich zu wenig beachtet, übergangen. Ich fühle mich ausgenutzt. Ich bin enttäuscht.» Das In-sich-Gehen fällt vielfach schwer. Oft lernen wir in der Kindheit, negative Gefühle wie Wut, Ärger, Enttäuschung oder Frustration zu unterdrücken. Schliesslich nehmen wir diese Gefühle nicht mehr wahr. Weder mit dem Unterdrücken unangebrachter Gefühle noch mit dem Vorsatz, um des lieben Friedens willen den Ärger zu schlucken, tut man sich oder anderen etwas Gutes.

Weshalb fällt uns das Vergeben so schwer? Verzeihen beginnt mit der Erkenntnis, dass man selbst auch Schwächen hat. Weshalb kommen ausgerechnet zu den unpassendsten Gelegenheiten – bei Familienfesten, im nebligen November – alter Groll und unterdrückte Wut hoch? Jeder will beachtet werden, wir wünschen uns Bestätigung von anderen. Prüfen Sie selbstkritisch, ob das Festhalten an Verletzung nicht auch ein Machtthema ist. Solange Sie sich auf diese Verletzung konzentrieren, hat die Person, die verletzt hat, Macht. Verzeihen hat nichts damit zu tun, erlittenes Unrecht schönzureden oder zu vergessen – es bedeutet, aus der Teufelsspirale des Unrecht-Erleidens herauszukommen. Dabei sollte man nicht nur anderen, sondern auch sich selbst gegenüber tolerant und nachsichtig sein. Verzeihen ist gesund und Verzeihen kann man lernen. Pflanzen, wie Geranium, können da helfen und unterstützen. Wer anderen Menschen und sich selber verzeihen kann, lebt gesünder und zufriedener. Wer nicht verzeihen kann, verhärtet und vereinsamt seelisch immer mehr. Seien Sie barmherzig zu Ihrer eigenen Seele. Entlasten Sie sich von der Qual, verletzt zu sein. Pflegen und lecken Sie Wunden nicht länger und suchen Sie das erlösende Gespräch. Gönnen Sie sich selbst Vergebung, auch wenn Ihnen das ungerecht erscheinen mag. Verzeihen lässt Menschen besser schlafen, Heilkräfte im Körper aktivieren, senkt den Blutdruck, lindert Rücken- und Kopfschmerzen, auch chronische Schmerzen, mindert Depression und gibt ein gutes, neues Lebensgefühl.

Cornelia Krapf-Rütimann,

Walzenhausen