Verwaltung ist nicht entscheidend

250 Personen haben an einer zweiten Umfrage der IG Starkes Ausserrhoden teilgenommen. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass sich das persönliche Wohlbefinden nicht an den politischen Strukturen orientiert. Es zählt anderes.

Roger Fuchs
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Die knapp dreissig Anwesenden verteilen Punkte für alternative Modelle und Strukturen in Appenzell Ausserrhoden. Einige könnten sich sogar eine einzige Verwaltungseinheit über den ganzen heutigen Kanton vorstellen. (Bilder: rf)

Die knapp dreissig Anwesenden verteilen Punkte für alternative Modelle und Strukturen in Appenzell Ausserrhoden. Einige könnten sich sogar eine einzige Verwaltungseinheit über den ganzen heutigen Kanton vorstellen. (Bilder: rf)

TEUFEN. Alle, die am Freitagabend der Einladung der IG Starkes Ausserrhoden zur Präsentation der Ergebnisse einer zweiten Umfrage folgten, haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind überzeugt, dass der Kanton mit den heutigen Strukturen (20 Gemeinden) keine Zukunft hat. Dies zeigte sich in einer Blitzumfrage in der Pause. Auf einem Plakat konnten Klebepunkte für andere Modelle vergeben werden. Als Favoriten kristallisierten sich zwei Varianten heraus: eine Fusion zu sechs Gemeinden und eine Fusion zu drei Gemeinden wie im Kanton Glarus. Einige markierten sogar das Modell mit einer Einheitsverwaltung über den gesamten Kanton.

Wohlbefinden der Menschen

Nur: Was braucht es, damit Fusionen mehrheitsfähig werden? Während die IG Starkes Ausserrhoden in einer ersten Umfrage die Meinung der Bevölkerung zu den politischen Strukturen abgeholt hatte, standen in einer zweiten Umfrage die persönlichen Bedürfnisse und Werte im Fokus. 14 Fragen wurden gestellt, 250 Antworten gingen ein. IG-Präsident Roger Sträuli zog am Freitag namens des Vorstandes folgende Quintessenz daraus: Eine Verwaltung vor Ort hat auf das Wohlbefinden der Menschen keinen Einfluss. Vielmehr zählten ein in unmittelbarer Nähe vorhandener öffentlicher Verkehr, die Primarschule, Einkaufsmöglichkeiten oder nahe gelegene ärztliche Dienstleistungen. Gemeindeverwaltung und Kirche befinden sich am Schluss der Rangliste. Bezüglich Kirche hielt Sträuli allerdings ergänzend fest, dass dies wohl auch mit dem Alter der Personen zu tun habe, die an der Umfrage teilgenommen hätten. Die Mehrheit war zwischen 40 und 60 Jahre alt.

Interessant sind auch die Merkmale, mit welchen die Befragten den Charakter von Gemeinden skizzieren. Es finden sich Stichworte wie verkehrsfreie Begegnungszonen, Dorfbeiz, Dorf- und Vereinsanlässe oder Quartiervereine. «Die Bevölkerung will sich vor Ort begegnen», so Roger Sträuli. Auch bei Fusionen müsse dieser Dorfcharakter bleiben, was entsprechende Infrastrukturen voraussetze.

Die Bedeutung der Steuern

Die an die Präsentation anschliessende Diskussion war dann primär geprägt vom Thema Steuern. Nicht alle zeigten sich mit Sträulis Aussage zufrieden, wonach die Steuern im Zusammenhang mit der Thematik ziemlich unbedeutend wären. Wenn man allgemein über Fusionen spreche, möge dies so sein, sagte SP-Nationalratskandidat Jens Weber. Sobald Fusionen aber konkret würden, seien Steuern sehr wohl ein Thema. Auch Andreas Zuberbühler, Präsident der Ausserrhoder Parteiunabhängigen, will den Schluss nicht wagen, dass die Steuern keine Rolle spielten. Man solle sich aber durchaus nicht nur von der monetären Frage leiten lassen. Der Herisauer FDP-Präsident Markus Brönnimann meldete sich ebenfalls: Steuern hätten eine Bedeutung, allerdings keine ausschlaggebende. «Sonst würden ja alle in Teufen wohnen», so Brönnimann.

Keine Initiative

Auf eine Initiative will die IG zum jetzigen Zeitpunkt verzichtet. Roger Sträuli wertet es als erfreulich, dass der Regierungsrat im neuen Regierungsprogramm das Theme Strukturen umfassend angehen will. So hätten auch Themen wie die Sek in der Diskussion Platz.

Die detaillierten Ergebnisse der 1. und 2. Umfrage können eingesehen werden unter: www.starkes-ar.ch

Roger Sträuli Präsident IG Starkes Ausserrhoden

Roger Sträuli Präsident IG Starkes Ausserrhoden