Vertraue nie dem Navi

Brosmete

Roger Fuchs
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Keine Frage, ich liebe Technisches. Einfach so hätte ich mir im Verlauf der Jahre wohl kaum ein kleines Tonstudio zu Hause eingerichtet. Genauso faszinierend finde ich aber auch technische Entwicklungen bei den Smartphones oder in der Autoindustrie. Ob dieses Interesse vom Geschlecht herrührt, lasse ich jetzt dahingestellt. Nicht verheimlichen will ich aber, wie schnell einen die Technik in die Irre führen kann.

Dabei begann alles so freudvoll: Richtig stolz war ich, als wir während der Sommerferien an einem Tag ins Verkehrshaus reisten und ich dazu dank der guten alten Landkarte herausgefunden hatte, wie man auch ohne mitten durch Luzern zu kurven das Ziel bequem erreichen kann. Um auch den Weg wieder zügig nach Hause zu finden, vertraute ich diesmal voll und ganz auf das Navigationssystem. Dass dies bestimmt kein Fehler sein kann, dachte ich mir spätestens, als das Navi zu verstehen gab, dass wegen Verkehrsbehinderungen die Route neu berechnet würde. Einfach genial, dieses kleine Ding. Kinder und Frau gönnen sich einen Schlaf, während ich das Fahrzeug nach Hause lenke. Doch welche Verkehrsbehinderung hat das Navi wohl gemeint, frage ich mich mit der Zeit? Es rollt doch so wunderbar. Bereits tauchen die ersten Schilder mit «Zürich» auf. Toll. Was ich leider, leider in diesem Moment nicht ernsthaft regis­trierte – weil ich eben voll und ganz dem Navi vertraute –, war, dass auf den Schildern, denen ich folgte, noch ein Zusatz stand: «Zürich – City». Erst als hinter einer Mauer auf einer Parallelfahrbahn St. Gallen aufleuchtet, werde ich ziemlich stutzig. Doch es ist bereits zu spät. Keine zwei Minuten später folgt ein Schild, welches das Ende der Autobahn signalisiert und mich vollends im Feierabendverkehr von Zürich hinten anstehen lässt. Fast eine Stunde lang krieche ich durch Zürich, längst hat mein Fluchen den Rest der Familie wieder geweckt.

Was um Himmels willen hat mein Navigationsgerät nur berechnet, ärgere ich mich. Mitten durch Zürich zu lenken – so ein Schrott. Bestimmt bin ich in diesem Moment um zwei, drei Jahre gealtert. Aber auch weiser geworden: Vertraue nie blindlings einem Navi!

Roger Fuchs