Vertrag trotz Verletzungspause

Radprofi Patrick Schelling kann aufatmen. Er wird die nächsten beiden Jahre für das neu gegründete IAM Cycling-Team fahren dürfen. Damit steigt er auf der Karrierenleiter auf die zweithöchste Stufe.

Urs Huwyler
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RADSPORT. Marcello Albasini, der Vater von Radprofi Michael (Schweizer Captain am Sonntag an der Strassen-WM), weilt derzeit mit dem amerikanischen U23-Nationalteam an der WM in Limburg (Ho). Nächste Saison betreut der Thurgauer aus Lanterswil die neue IAM Cycling-Sportgruppe, die wie «Cofidis» oder «Europcar» über eine Pro Continental-Lizenz verfügt und damit zum Thema für die Tour de Romandie oder Tour des Suisse wird. «Patrick Schelling gehört zu den insgesamt 23 verpflichteten Fahrern. Er erhält einen Zweijahresvertrag. Ich wollte ihn im Team haben», erklärt Marcello Albasini. Die Resultate des Hembergers weckten das Interesse des früheren Nationaltrainers. Schelling sei keiner, der durch grosse Sprüche auffalle, sondern Leistung zeige, fügt Marcello Albasini an. «Weil sich Patrick als ruhiger und bescheidener Typ zurück hält, musste genau hingeschaut werden, damit er entdeckt wird. Dass ihm wegen einer Verletzungspause aktuell die Resultate fehlen, spielt keine Rolle. Es wird nicht so ein, dass wir von ihm bereits Spitzenergebnisse erwarten.» Dafür sollen in erster Linie Teamkollegen wie Sebastian Hinault, Henrik Erik Larsson und Thomas Löfkvist oder die Schweizer Johann Tschopp, Martin Elmiger oder Marcel Wyss sorgen.

Zwei lange Monate

Patrick Schelling trainiert seit drei Wochen wieder mit gedrosselten Motoren. Am 2. Juli war er in Brigels im Trainingslager mit dem U23-Nationalteam gestürzt. «Ich fuhr hinten in einer Gruppe und konnte einen auf der Strasse liegenden grösseren Stein nicht sehen», erinnert sich der Bergspezialist mit Zeitfahren-Qualitäten an den Abflug mit anschliessendem Aufenthalt im Spital Ilanz. Das verstauchte Handgelenk sollte ihm mehr Sorgen bereiten als erwartet. Zehn Tage nach dem Sturz wurde ein Bruch im Handgelenk festgestellt. Weitere drei Wochen Pause waren angesagt. Über einen Monat nach dem Unfall stellte sich die erhoffte Besserung trotz Gipsschiene nicht wirklich ein. Eine Operation wurde unumgänglich. «Eine nächste Ruhigstellung war die Folge. Vor allem im Kopf bereitete mir die immer länger werdende Pause einige Mühe. Es war nicht ganz einfach. Vor allem weil alles viel länger dauerte als erwartet», schaut er inzwischen aber mit einem Lächeln zurück. So wie es derzeit aussieht, wird er im Oktober das eine oder andere Rennen bestreiten können.

Glück gehabt

Im August/September kämpft eine Vielzahl von Radprofis um neue Verträge. Umso wichtiger sind die Herbst-Resultate als Visitenkarte. «Vor einem Jahr hätte eine Verletzungsphase wie jetzt dazu führen können, dass ich Ende Saison ohne Vertrag da gestanden wäre», sagt der 23jährige Universiade-Medaillengewinner. Für ihn kommt der Karrierensprung zum richtigen Zeitpunkt. Die U23-Zeit ist zu Ende, nun heisst es gegen die absolute Weltelite fighten. Ein weiteres Jahr im Vorzimmer des Profi-Radsports hätte irgendwann auch zu finanziellen Konsequenzen geführt. Mit dem neuen Engagement lässt es sich jedoch als Profi leben. Die bisherigen Comeback-Trainingstests sind positiv verlaufen. «Ich bin schmerzfrei, kann schon ziemlich voll belasten. Wichtig ist nun, mit der nötigen Schonung noch möglichst viele Rennkilometer abzuspulen.» Die neuntägige Tour of Hainan in China Ende Oktober könnte ein Wiedereinstieg mit positiven Resultaten sein.