«Verstehen Sie Spass?» im Hallenbad Herisau

Wir haben es gemerkt! Derzeit lässt man im Hallenbad Herisau die Erfolgssendung «Verstehen sie Spass?» wieder aufleben. Die ahnungslosen Kundinnen und Kunden werden dazu in den Umkleidekabinen mit einem völlig neuen Schliesssystem konfrontiert.

Roger Fuchs
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Der rote Balken muss nach vorne geklappt werden – doch zuerst die Flügeltüren nach aussen drücken… (Bild: rf)

Der rote Balken muss nach vorne geklappt werden – doch zuerst die Flügeltüren nach aussen drücken… (Bild: rf)

Wir haben es gemerkt! Derzeit lässt man im Hallenbad Herisau die Erfolgssendung «Verstehen sie Spass?» wieder aufleben. Die ahnungslosen Kundinnen und Kunden werden dazu in den Umkleidekabinen mit einem völlig neuen Schliesssystem konfrontiert. Um nicht mogeln zu können, wurden die alten Verschlüsse demontiert. Das Ziel von «Verstehen Sie Spass»? geht vollends auf: Die Leute greifen sich an den Kopf und fluchen.

Statt die beiden Flügeltüren wie bisher einzeln verriegeln zu können, finden die unfreiwilligen Opfer auf der Sitzbank eine rot-markierte Holzlatte. Diese kann nach vorne gekippt werden, sobald man die beiden Türen links und rechts ganz nach aussen in die Schliessposition gedreht hat. Aber dies, liebe Fernsehzuschauer, ist gar nicht so einfach. Hier kommt auch schon unser erstes Opfer.

*

Schnell leuchtet ihm das System ein. Doch hoppla, diese «Scheisstüren» wollen irgendwie nicht in der nötigen Position verharren. Kaum hat der Mann eine Türe nach aussen gestossen, fällt sie wieder zurück. Zweiter Versuch, der Kunde lernt schnell: Er streckt seine beiden Arme aus und bringt die Türen gleichzeitig in die richtige Position. Doch wie kriegt er jetzt noch diesen Balken runter? Gott sei Dank ist der Mann jung und kann auf einem Bein stehen. Beim dritten Versuch spielt er wie früher in der Schule den Storch: Oberkörper nach vorne kippen, die Türe mit einer Hand nach aussen drücken, gleichzeitig mit dem einen Bein nach hinten ausschlagen und dasselbe tun. Mit der freien Hand den Balken herunterklappen. «Autsch» – kurz ausgerutscht, und schon ist der Finger unter der Latte eingeklemmt.

Unser zweites Opfer ist noch ein Kind. Dessen Körpergrösse macht es unmöglich, die beiden Flügeltüren gleichzeitig nach aussen zu drücken. «Verdammt, wie soll ich mich in solch einem Hallenbad nur umziehen können», sagt es leise. Doch welch Glück: Die grosse Schwester ist in der Kabine nebenan und gibt Anweisungen: Eine Türe nach aussen bewegen, den Rucksack vorne hinstellen, die Seite wechseln, zweite Türe drehen, Balken herunterklappen. Geht doch.

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Jetzt aber wird es für die Fernsehzuschauer besonders lustig, eine ältere Dame kommt. Die neueste Technik interessiert sie nur wenig, Hauptsache sie kann endlich die Tasche auf die Sitzbank in der Kabine legen. Doch genau das wird ihr noch leid tun. Die ganze Tasche kippt auf den Boden, kaum hat sie den Balken umgekippt. Zu diesem Ärger kommt hinzu, dass sie weder den Storch spielen noch kombinieren kann wie ein Kind. Nun, ihre Augen schauen nach einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter. Da diese beim neuen Schliessmechanismus nicht mehr wie früher einzelne, vergessene Türen entriegeln müssen, sollten sie doch viel freie Zeit haben – Zeit, um nun beim Verschliessen zu helfen. Doch nein, ein Langfinger nutzt die unverschlossene Aussentüre und greift sich in einem unbeobachteten Moment das Portemonnaie.

Unerhörte Szenen, welche die versteckten Kameras derzeit im Hallenbad Herisau einfangen. Das Schwimmen wird hier geradezu zweitrangig. Fehlt nur noch das Schild beim Eingang: «Suchen Sie sich eine Partnerin oder einen Partner. So gelangen Sie mit einem Lächeln bis ins Bad.» Wenn es dann richtig sommerlich ist, können sich die zwei, die sich finden, auch gleich noch beim Hallenbadeingang unter die Palmen legen. Aus den Boxen trällert Peter Kent: «It's a real good feeling…»

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