Verschwiegene Volkskrankheit

Depression ist eine Volkskrankheit, deren Ausmass gerne verschwiegen wird. Urs Braun, Leitender Psychologe der Kantonalen Psychiatrischen Dienste Wil, referierte über das Thema an der Herbsttagung der SP Toggenburg.

Sylvia Baumann
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Bruno Facci, SP Präsident Bütschwil-Ganterschwil, (rechts) bedankt sich bei Psychologe Urs Braun für das sehr interessante Referat über die Volkskrankheit «Depression». (Bild: Sylvia Baumann)

Bruno Facci, SP Präsident Bütschwil-Ganterschwil, (rechts) bedankt sich bei Psychologe Urs Braun für das sehr interessante Referat über die Volkskrankheit «Depression». (Bild: Sylvia Baumann)

LICHTENSTEIG. Grosses Interesse für das Thema Depression bescherte am Mittwochabend der einladenden Partei, der SP-Toggenburg, einen vollen Saal im Restaurant Bodega Noi. Bruno Facci, Präsident der SP Ganterschwil- Bütschwil, hiess Psychologe Urs Braun herzlich willkommen. «Depression ist ein schweres Thema, über das diskutiert werden muss, denn psychisch erkrankte Menschen haben in der Regel keine Lobby», betonte der Referent zu Beginn. Urs Braun ist seit 20 Jahren Psychotherapeut. Es herrsche beispielsweise eine frappante Ungleichheit bei der Prävention gegen die Depression im Vergleich zu jener von Unfällen im Strassenverkehr. Die tödlichen Unfälle konnten durch Kampagnen gesenkt werden auf heute 300 bis 400 Verkehrstote, dies im Vergleich bei rund 1400 Suiziden jährlich.

Angststörung zu Beginn

«Was ist überhaupt Depression», fragte Urs Braun, um in der Folge auf wichtige Punkte wie das Erkennen, Erklären, auf Hauptrisiken (Suizid) und die Behandlung der Krankheit einzugehen. «Typische Symptome sind Interessensverlust, niedergedrückte Stimmung, Unentschlossenheit, Schlafstörungen, Freud- und Antriebslosigkeit, sowie innere Unruhe und Erschöpfung», erklärte der Referent. Dauern diese Symptome länger als zwei Wochen an, kann man von einer Depression sprechen. Anhand eines Fallbeispieles erklärte er den Werdegang einer typischen schweren Erkrankung bis zum Suizid. Ein attraktiver junger Mann, 18jährig, litt unter Versagensängsten und Panikattacken. Er begann mehrere Ausbildungen und brach diese immer wieder ab. Nach mehreren Klinikaufenthalten beging er schliesslich mit 27 Jahren Selbstmord. «Das Fazit», so der Psychotherapeut: «Wie der junge Mann haben depressive Menschen in 70 Prozent der Fälle, vorher eine Angststörung». Diese zu behandeln wäre viel einfacher, als die Depression, nur würde die Angststörung meistens zu spät erkannt. Unsere Pflicht sei auch, Personen mit typischen Symptomen anzusprechen, das könne übrigens auch ein Burn-out sein.

Prävention im Vordergrund

Das «Ebenenkonzept des Nürnberger Bündnis gegen Depression» setzt sich systematisch mit einem Programm zur Bekämpfung der Krankheit ein. «Ihr Ziel ist die Aufklärung und Kooperation mit Hausärzten – der ersten und ungemein wichtigen Anlaufstelle der Kranken. Daneben sind es die Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Angebote für Betroffene und Angehörige, bessere Versorgung für depressiv erkrankte Menschen oder die Zusammenarbeit mit Multiplikatoren wie beispielsweise Pfarrer, Lehrer oder Personen in der Altenpflege. Die ist wichtig, um die Häufigkeit der Erkrankungen sowie suizidaler Handlungen zu reduzieren», so Urs Braun.

Er informierte ebenso über psychotherapeutische Gruppen- und Einzeltherapien und Behandlungsmethoden um die Depression zu bewältigen. Die direkten und indirekten Kosten sind enorm, so dass unbedingt der Prävention gegen diese Volkskrankheit vermehrt Beachtung geschenkt werden müsse, meinte er. Jährlich werden in der Schweiz 500 000 Menschen ärztlich behandelt – die Dunkelziffer ergibt jedoch die Zahl von einer Million depressiv erkrankter Menschen.

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