Verrenkungen auf dem WC

Brosmete

Lukas Pfiffner
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Über alles wird man informiert, wenn man im Internet ein Hotelzimmer buchen will. Der Bahnhof ist 270 Meter entfernt, der WLAN-Zugriff gratis. Halbpension-Gäste erhalten abends sechs Gänge. Die Bewertung zeigt 7,9 Punkte von 10. Die Kurtaxe von 4.10 Franken ist nicht im Preis inbegriffen und das Personal mehrsprachig. Die Zimmer wurden 2012 renoviert, und die Fenster lassen sich öffnen.

Über alles wird informiert? Nein, nicht ganz! Über WC-Rollen-Halter habe ich noch nie Hinweise erhalten. Dabei wäre es im Sinne einer körperlichen und geistigen Vorbereitung hilfreich, wenn man wüsste, auf welche Art das Toilettenpapier angebracht ist. Schliesslich sind die Dimensionen im Hotel anders und manchmal weniger bequem als zu Hause, wo man blind zugreift.

Da gibt es den Typ «Kippen»: Das Papier ist für Menschen mit normal langen Armen so weit vorne, dass es nur packen kann, wer das Gesäss vom WC erhebt. Bei Hoteleinrichtern beliebter als bei Gästen ist das Modell «Knapp». Es zeichnet sich dadurch aus, dass beim Zugreifen ein Knie an die Duschkabine und ein Ellbogen in die Rippen gedrückt wird. Auch der Halter «Extrem-Drehung» ist oft anzutreffen: Dabei wird man bei mehr als zwei Übernachtungen ein komplexer Fall für den Chiropraktiker, der die Wirbelsäule wieder ins Lot zu bringen versucht.

Innenausstatter und Hotelpersonal geben sich viel Mühe, wenn es um das Wohlbefinden des Gastes geht. Ein Blümchen da, ein Schöggeli dort, ein schwenkbarer Fernsehmonitor, für jede Zehe ein eigenes Frottiertuch. WC-Rollen-Halter, so scheint mir, werden dagegen freudlos irgendwo platziert, weil sie einfach vorhanden sein müssen. Dafür habe ich kürzlich, als ich mich extrem nach links drehen musste, über dem Lavabo ein fröhliches Plastikentchen entdeckt.

Lukas Pfiffner