Vermeintliches Fernsehmärchen

Brosmete

Philipp Langenegger
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Lieber Brosmete-Leser und Fernsehgucker, wenn Sie denken, das Leben eines Filmschauspielers ist wie im Märchen, so dürfen Sie gerne weiterlesen.

Die weiblichen Geschöpfe fragen mich oft, ob wirklich jeder Filmschauspieler ein Millionär ist. Ich kann sie beruhigen liebe Frauen, dem ist nicht so. Ich kenne namhafte deutsche Schauspieler, die ihre Möbel verkaufen müssen, um ihre Miete zahlen zu können. Das ist leider kein Witz. Die Männer hingegen interessieren sich für andere Themen. Als Filmschauspieler kannst du ja mit allen Frauen ins Bett steigen. Das ist nur halbrichtig. Tatsächlich steigt man, sofern das Drehbuch es vorgibt, mit einer wildfremden Frau «baarefödle» ins Bett. Das gehört dazu. Aber ich kann Ihnen versichern lieber Leser, und ich bin mit einigen Frauen ins Bett gehüpft (vor der Kamera wohlverstanden!), es ist harte Arbeit. Es ist kein Vergnügen. Es grenzt an Quälerei.

Ich erinnere mich an meine erste Bettszene mit einer höchst attraktiven Schauspielerin aus Köln. Ich war äusserst aufgeregt und mein Text war überall, nur nicht im Kopf. Zudem steht ein Filmteam von mindestens 20 Leuten im Raum und beobachtet dich mit Sperberaugen. Tja, die Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Alsbald wir unter der Decke lagen, versprühte die Dame einen Geruch, ich kann es nicht in Worte fassen, ich konnte sie auf Deutsch «nüüd schmecke».

Ein Schauspiellehrer bläute uns damals ein, in einem solchen Fall beim Gegenüber ganz schnell ­irgendwas zu finden, was einem wirklich und ehrlich gefällt, sei es die Nase, das Ohr, die Härchen, der Mund, und sich dann in dieses Detail schnellstens zu verlieben. Himmel. Lieber Leser, jetzt versuchen Sie mal splitternackt, mit einer wildfremden Frau unter diesen erschwerten Bedingungen sich in dessen Nase zu verlieben und dazu einen Text zu brummeln wie: «Ich habe mich in dich verliebt.» Es grenzt an Quälerei.

Philipp Langenegger