«Zu teuer», «Verkehrschaos droht»:
Facebook-IG und die SVP lehnen den geplanten Bushof in Heiden ab

Vor der Abstimmung über den neuen Bahn- und Bushof in Heiden melden sich die Gegner zu Wort. Die SVP sowie die «IG gegen den Busbahnhof und für ein lebendiges Zentrum» sprechen sich aus unterschiedlichen Gründen gegen die Vorlage aus.

Jesko Calderara
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Am 27. September entscheidet sich, ob der Kirchplatz in Heiden weiterhin als Postautoparkplatz dienen soll.

Am 27. September entscheidet sich, ob der Kirchplatz in Heiden weiterhin als Postautoparkplatz dienen soll.

Bild: APZ

In Heiden wächst der Widerstand gegen die geplante Verlegung der Postautos an den Bahnhof. Nebst der SVP (siehe Kasten) melden sich nun weitere Gegner des Projekts zu Wort. Sie haben sich in der «IG gegen den Busbahnhof und für ein lebendiges Zentrum» formiert. Die Gruppe zählt rund 25 Mitglieder und ist vor allem auf einer Facebook-Seite aktiv. Initiant der IG ist Alfred Widmer. Er sagt: «Das Projekt Busbahnhof hat erstaunlich viele negative Aspekte.» Als Beispiel erwähnt Widmer die Verkehrssituation und die Sicherheit. Die Kreuzung Bahnhofstrasse /Brunnhaldestrasse ist seiner Einschätzung nach eine der gefährlichsten in Heiden. Zwischen dem Bahnübergang und dem Schlachthaus, aber auch bis ins Zentrum würden im Minutentakt Lastwagen, Anhängerzüge, Auflieger, Lieferwagen, PKW und Traktoren verkehren.

Die Bahnhofstrasse und die Brunnhaldestrasse sind gemäss Widmer relativ schmal. Schon jetzt sei es oft kaum möglich, dass Fahrzeuge kreuzen können. Zudem habe es auf den erwähnten Strecken rund zwölf Einfahrten sowie Hauszufahrten und -eingänge, sagt Widmer. «Diese stellen ein grosses Gefahrenpotenzial dar.» Auch die Sicherheit am Bushof wäre nach Meinung der IG nicht gegeben, wenn die Postautos zwischen den Gleisen und dem Bahnhofgebäude durchfahren. Die IG befürchtet auf der Bahnhofstrasse zudem ein Verkehrschaos, sollte der Bushof wie geplant realisiert werden. Für die Einfahrt in die Schlaufe und die Ausfahrt aus dem Busbahnhof sowie für die Kurve beim Bahnhof und jene beim EW-Shop würden die Postautos die ganze Strassenbreite benötigen, sagt Widmer. Dies führe bei einer hohen Verkehrsdichte unweigerlich zu Problemen, vor allem auch im Winter, wenn die Strassen bei Schneefall durch die Schneemaden noch schmäler werden.

Minimalsanierung reicht aus

In ihrer Medienmitteilung geht die gegnerische IG auch auf das Alternativprojekt ein. Gemäss dem Gemeinderat würde der behindertengerechte Umbau des Kirchplatzes rund 2,5 Millionen Franken kosten. Widmer hält diese Schätzung für zu hoch. Bei einer Minimalsanierung wären die Kosten deutlich tiefer, zeigt er sich überzeugt. Eine solche würde laut Widmer ausreichen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Abgesehen davon hält er die Hoffnungen in die Zentrumsentwicklung für überzogen. Der Kirchplatz lebe von den Postautos und deren Gästen.


SVP aus finanzpolitischen Gründen gegen Bushof-Projekt

Die SVP Ortsgruppe Heiden lehnt das Projekt «Bahn- und Bushof Heiden» definitiv ab. Der Gemeinderat sei der Aufforderung der Ortsgruppe, den Termin der Abstimmung auf den kommenden November zu verschieben, nicht gefolgt, heisst es in einer Medienmitteilung. Mit der Verschiebung des Abstimmungstermins wollte die Partei für den Stimmbürger volle Transparenz im Hinblick auf die finanzielle Lage der Gemeinde herstellen. Dies sei umso wichtiger, da der Gemeinde hohe strukturelle Defizite drohen, die durch die aktuelle Coronakrise noch verstärkt würden, schreibt die SVP.

Der Gemeinderat erwartet für 2021 ein strukturelles Defizit von 1,2 Millionen Franken, das sich in den Folgejahren auf 1,6 Millionen Franken erhöhen wird. Wie einem Bericht der «Appenzeller Zeitung» zu entnehmen war, rechnet die Gemeinde abgesehen davon wegen der Coronakrise bereits für 2020 mit reduzierten Steuereinnahmen von einer halben Million Franken, wodurch die Lücke weiter steigt. Die SVP Heiden zweifelt massiv am effektiven Sparwillen des Gemeinderats. Das Entlastungsprogramm werde die entstehende Lücke nie schliessen können, womit eine Steuererhöhung drohe. Die Ortspartei erachtet dieses Vorgehen des Gemeinderats in der aktuellen Situation als unverantwortlich und lehnt das Projekt darum ab. (cal)