Verkaufspreis als zu tief kritisiert

Das Referendumskomitee gegen den Landverkauf im Howart, Ebnat-Kappel, findet, dass die Gemeinde das Land zu billig abgibt. Die Initianten des Referendums beteuern, dass sie nichts gegen eine Überbauung mit bescheideneren Ausmassen hätten.

Martin Knoepfel
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Peter Weiss ist Sprecher des Referendumskomitees. Nach seinen Angaben soll ein Mehrfamilienhaus vier Meter hinter seinem Standort entstehen. (Bild: Martin Knoepfel)

Peter Weiss ist Sprecher des Referendumskomitees. Nach seinen Angaben soll ein Mehrfamilienhaus vier Meter hinter seinem Standort entstehen. (Bild: Martin Knoepfel)

EBNAT-KAPPEL. Gegen den Landverkauf im Gebiet Bachstrasse/Howartrain, Ebnat-Kappel, wurde mit über 500 Unterschriften das Referendum ergriffen. Die kommunale Volksabstimmung ist im März. Sprecher des Referendumskomitees ist Peter Weiss. Die Initiative zum Referendum sei von ihm und seiner Frau ausgegangen, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung am letzten Freitag, wobei er einräumt, dass er selber vom Bau der Mehrfamilienhäuser betroffen wäre. Die Aussicht aus dem Wohnzimmer würde sich auf die obere Hälfte des Waldes an der linken Talseite beschränken, sagt er. Die Bewohner der Häuser am Howartrain seien aber noch stärker betroffen, betont er. Peter Weiss sagt, er habe mit seiner Frau 1981 das Einfamilienhaus an der Bachstrasse, in dem er heute noch wohnt, gebaut.

«Sind alles Anwohner»

Die sechs Mitglieder des Referendumskomitees seien alle Anwohner der Bachstrasse oder des Howartrains, sagt Peter Weiss. Präsident des Referendumskomitees sei Josef Giger. Die Unterschriften fürs Referendum stammten aus dem ganzen Gemeindegebiet, auch von der anderen Talseite. Das fragliche Gebiet liegt auf der rechten Talseite im nördlichen Teil des Gemeindegebiets.

Bei der Sammlung der Unterschriften habe man die Stimmbürger seriös, mit einem schriftlichen Text und einem Foto, informiert, sagt Peter Weiss. Er räumt allerdings ein, dass möglicherweise ein Teil der Unterzeichner sich daran stösst, dass das Land an eine auswärtige Firma – die ARS Immobilien mit Sitz in Wollerau (Kanton SZ) – verkauft werden soll.

Gebäudesockel von 60 Metern

Die Anwohner hätten gewusst, dass das jetzt zum Verkauf stehende Grundstück überbaut werden solle, räumt Peter Weiss ein. Sie hätten nie erwartet, dass dort eine so grosse Überbauung entstehen solle. Der Visualisierung der geplanten Gebäude im Internet kann man entnehmen, dass je nach Zählung zweieinhalb- oder dreistöckige Mehrfamilienhäuser mit einem unechten Attikageschoss entstehen sollen. Der – nur von der Talseite sichtbare – Gebäudesockel, der die beiden Häuser verbinden wird, solle 60 Meter lang werden, sagt Peter Weiss.

In der Studie von 1998, die der Gemeinderat an der Medienkonferenz vom letzten Dienstag erwähnt hat, seien fünf Reiheneinfamilienhäuser erwähnt worden. Diese seien wesentlich weniger wuchtig als die beiden nun geplanten Mehrfamilienhäuser. Zudem wären die Giebel weiter talseitig gewesen. Das Solarhaus am Howartrain sei im Hinblick auf die Studie von 1998 weit von der Strasse zurückgesetzt worden. Bei der nun geplanten Überbauung werde es zur Hälfte beschattet, sagt Peter Weiss.

«Nicht berücksichtigt»

Alternativvorschläge der Anwohner seien nicht berücksichtigt worden, sagt Peter Weiss. Wenn man die geplanten Mehrfamilienhäuser zwei Meter nach Westen, nach Süden und talwärts verschoben hätte, hätten Komiteemitglieder das Referendum nicht lanciert. Auch zwei Reiheneinfamilienhäuser mit Raum dazwischen wären nach Aussage von Peter Weiss akzeptabel gewesen.

Weshalb haben die Anwohner nicht früher mit der Gemeinde verhandelt, um das Land zu kaufen oder um gegen eine Entschädigung eine Nutzungsbeschränkung zu vereinbaren? Das habe nie zur Diskussion gestanden, weil man keine Angst gehabt habe, dass es eine so grosse Überbauung geben könnte, sagt Peter Weiss.

Gegen Verzicht auf Trottoir

Peter Weiss stösst sich auch daran, dass nun kein Trottoir auf der westlichen Seite der Bachstrasse mehr vorgesehen ist und dass das östliche der beiden Mehrfamilienhäuser in den Raum hineinragt, der fürs Trottoir gedacht war. Ein Trottoir auf beiden Seiten der Bachstrasse vom Howartrain bis zum Kindergarten sei wegen der vielen Kinder und wegen des zunehmenden Lastwagenverkehrs nötig. Abgesehen davon hätten die Anwohner, als sie ihre Häuser bauten, für das damals geplante Trottoir bezahlt. Der Platz fürs Trottoir sei freigehalten worden.

Dass Familien in die 16 Eigentumswohnungen einziehen, glaubt der Sprecher des Referendumskomitees nicht. Vielmehr würden wegen der Preise, die verlangt würden, Pensionierte kommen, die sich ihre zweite Säule auszahlen liessen, oder Doppelverdienerpaare, sagt Peter Weiss. Die Wohnungen seien für Familien auch zu eng. Im Internetauftritt der ARS sind Wohnflächen von 113 und 84 Quadratmeter für die 41/2-Zimmer- und die 31/2-Zimmer-Wohnungen angegeben. Schliesslich kritisiert Peter Weiss den Preis von 260 Franken pro Quadratmeter, den die ARS Immobilien zahlen muss, als eindeutig zu niedrig. Für den Eigenmietwert habe das Steueramt sein Land, auf dem ein Einfamilienhaus stehe, vor drei Jahren gleich hoch eingeschätzt.

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